Nordostsyrien

Nothilfe in Rojava

20.01.2026   Lesezeit: 2 min  
#rojava 

Nach den Angriffen in Nordostsyrien sind Angst und Verunsicherung groß. medico-Partner leisten Nothilfe für Vertriebene und Geflüchtete.

Angst und Verunsicherung sind groß in Nordostsyrien. Innerhalb weniger Tage hat sich die Situation für die Kurd:innen in Nordsyrien fundamental verändert – und das demokratische Rojava ist in seiner Existenz bedroht.

Seit den Angriffen von Truppen der syrischen Übergangsregierung auf die kurdischen Stadtteile in Aleppo und deren Übernahme durch das Militärbündnis HTS überschlagen sich die Ereignisse in Nordostsyrien. Ein großer Teil der arabischen Gebiete, die seit dem Kampf gegen den IS unter Kontrolle der autonomen Selbstverwaltung Nordostsyriens standen, ist innerhalb weniger Stunden an HTS und ihr nahestehende Milizen gefallen. Kurd:innen aus diesen Gebieten westlich des Euphrat wurden vertrieben, erlebten Übergriffen, IS-Kämpfer wurden aus Gefängnissen befreit – mit unabsehbaren Folgen.

In einem von der HTS aufgesetzten Abkommen wurde nicht nur die Übergabe der arabischen Gebiete vereinbart, sondern der Selbstverwaltung Nordostsyriens wurde bisherige ihre Autonomie weitgehend abgesprochen. Die Mehrheit der arabische Bevölkerung in der Region unterstützt dies, für die syrischen Kurd:innen endet damit die Selbstbestimmung, wie wir sie bisher kannten. Die Zukunft von Kobanê, das verwaltungstechnisch zu Aleppo gehört, ist ungewiss. Ob die Kämpfe enden und die Zivilbevölkerung in Sicherheit ist, ist unklar. Garantien der neuen Regierung gegenüber der kurdischen Bevölkerung gibt es nicht, nur Versprechungen bezüglich kultureller Rechte.

Nothilfe für Geflüchtete und Vertriebene

Die medico-Partner:innen sind seit den Angriffen in Aleppo im Nothilfe-Modus und versuchen in dieser unübersichtlichen Situation alles, um Vertriebene, Verletzte und Flüchtende zu versorgen. Der Kurdische Rote Halbmond ist mit seinen Nothilfeteams permanent im Einsatz, während die Helfer:innen auch selbst zu Zielen werden. Inzwischen kommen Hunderte kurdische Familien in Qamishlo und anderen Städten nahe der irakischen Grenze an. Sie sind aus Aleppo vertrieben worden oder aus Flüchtlingslagern in arabischen Gebieten geflohen – aus Angst vor Gewalt durch HTS-Soldaten, islamistische Milizen und freigelassene IS-Kämpfer.

Unsere Partner:innen kümmern sich zudem um die Evakuierung eines kurdischen Waisenhauses in Raqqa, sammeln in privaten Initiativen Hilfsgüter oder organisieren Schutzpatrouillen. Die Angst vor einem weiteren Vormarsch von HTS und Angriffen auf die kurdische Bevölkerung ist riesig. So ist Kobanê beispielsweise komplett umzingelt. Die kurdischen Kerngebiete Afrin und Serekaniye sind weiter unter der Besatzung türkei-naher Milizen, während Teile der arabischen Bevölkerung in Tabqa, Raqqa über die Machtübernahme durch die syrische Übergangsregierung jubeln. Auch darum muss es jetzt gehen: eine mögliche Rückkehr für Kurd:innen in ihre Gebiete.

Die Rechte der Kurd:innen und aller anderen Minderheiten in Syrien müssen geschützt werden. Die Kämpfe und Vertreibungen müssen enden. Die demokratischen Errungenschaften in Nordostsyrien werden sich die Kurd:innen nicht einfach nehmen lassen.

Jetzt spenden und die Nothilfe der medico-Partner:innen für die Vertriebenen in Nordostsyrien unterstützen!


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