Die Programme zur Gesundheitszusammenarbeit der US-Regierung halten weiter böse Überraschungen bereit. Laut einer vertraulichen Quelle von CNN soll Donald Trump Anfang Mai 2026 beschlossen haben, 2 Milliarden Dollar – ursprünglich vorgesehen für globale Gesundheitsprogramme gegen Malaria, HIV und Tuberkulose sowie für die Gesundheit von Müttern und Kindern, Ernährung und Gesundheitssicherheit – umzuwidmen, um Rechts- und Verwaltungskosten zu decken, die durch die plötzliche Schließung der US-Entwicklungshilfeagentur USAID entstanden sind. Hinzu kommen wahrscheinlich mehr als eine weitere Milliarde Dollar, die aus Entwicklungsprogrammen abgezogen wurden.
Unmittelbar nach seinem Einzug ins Weiße Haus hatte Trump gesagt, die Ausgaben der USAID seien „völlig unerklärlich … lasst sie uns schließen!“. Elon Musk hatte die Agentur als „kriminelle Organisation“ gebrandmarkt. Musks wiederholte Schmährede gegen USAID veranlasste einige Analyst:innen zu der Annahme, dass sein Hass mit dem historischen Engagement von USAID gegen das Apartheidregime in Südafrika zu erklären ist, in dem Musk aufwuchs.
Drastische Folgen
Um die Bedeutung von USAID einzuordnen: Mit durchschnittlich 40-43 Milliarden Dollar, die jährlich in 130 Ländern verteilt wurden, machte USAID allein 42 Prozent aller weltweiten Entwicklungshilfeleistungen aus. „Es gab keinen einzigen Bereich der humanitären Hilfe oder der Entwicklungszusammenarbeit, in dem USAID nicht tätig war“, kommentiert Abby Maxman, Direktorin von Oxfam America. Mit der Schließung von USAID verloren 95 Millionen Menschen jeglichen Zugang zu medizinischer Versorgung, mindestens 23 Millionen Kinder mussten die Schule abbrechen. Und die europäischen Geber zogen nach. Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Belgien und die skandinavischen Länder reduzierten ihre Programme in den sogenannten Entwicklungsländern deutlich.
Eine Studie von The Lancet schätzt, dass die Kürzung der Gesundheitsprogramme der USAID bis 2030 zum Tod von mindestens 9,4 Millionen Erwachsenen und 2,5 Millionen Kindern unter fünf Jahren führen wird, unter Umständen sogar 22,6 Millionen Erwachsenen und 5,4 Millionen Kindern. In der Zwischenzeit hat, wie eine soeben im Science Journal veröffentlichte Studie von Analysten amerikanischer und europäischer Universitäten feststellt, „die abrupte Einstellung der USAID-Mittel zu einem erheblichen und signifikanten Anstieg der Gewalt in den meisten von USAID abhängigen Regionen geführt“.
Die Mittelkürzung hat in Afrika zu einem Wiederaufflammen von Infektionskrankheiten, insbesondere HIV/AIDS, beigetragen, doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Die Vereinigten Staaten haben inzwischen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlassen, was auch in Genf zu einem beispiellosen finanziellen Einbruch geführt hat, der drastische Personalabbau- und Umstrukturierungsmaßnahmen innerhalb der Organisation erforderlich machte. Die Mittelkürzung prägte unausweichlich die gerade zu Ende gegangene 79. WHO-Versammlung, während die Gefahr neuer Infektionsherde, darunter die Rückkehr von Ebola, immer größer wird.
Neues Paradigma
Die Trump-Regierung hat zudem im Dezember 2025 ihre erste Strategie für globale Gesundheit verabschiedet: „America First Global Health Strategy“. Sie sieht ein neues Paradigma der bilateralen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich zwischen Washington und den Ländern der südlichen Hemisphäre vor: Direkte Abkommen, die darauf abzielen, „die Wirkung der Gesundheitsversorgung zu maximieren […] und die Länder anzuhalten, widerstandsfähigere und nachhaltigere Gesundheitssysteme zu entwickeln“. Doch zwischen den Zeilen lässt sich die eigentliche Begründung für diese Maßnahme erahnen: Die USA wollen verhindern, dass Infektionskrankheiten an die amerikanischen Küsten gelangen.
Anfang März hatten über 20 afrikanische Länder die Abkommen unterzeichnet – darunter Botswana, Burkina Faso, Kamerun, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Kenia, Mosambik, Nigeria, Ruanda und Uganda. Die finanzielle Gesamtzusage für Afrika beläuft sich auf 19,8 Milliarden Dollar, doch handelt es sich um eine Kofinanzierung, der die Regierungen des Kontinents nicht unerheblich belasten wird. Der amerikanische Anteil beträgt 12,3 Milliarden Dollar, 7,5 Milliarden Dollar stammen vom afrikanischen Kontinent selbst. Washington verkauft das Modell als Partnerschaft, doch die in den Memoranda of Understanding (MoU) festgelegten Auflagen entlarven die Verhandlungsasymmetrie von Donald Trumps Geschäftemacher-Diplomatie.
Hilfe gegen Gesundheitsdaten
Die Warnsignale sind vielfältig. Einige davon sind neu. Eine gemeinsame Bestimmung der unterzeichneten Abkommen sieht vor, dass afrikanische Länder regelmäßig sensible Gesundheitsdaten ihrer Bevölkerungen an Washington weitergeben, einschließlich Proben von Krankheitserregern mit hohem Ansteckungsrisiko. Im Standardtext der MoU gilt die Weitergabe biologischer Daten für einen Zeitraum von 20 Jahren (25 für einige Länder), während die bilateralen Abkommen nur eine Laufzeit von fünf Jahren haben.
Diese Knebelklausel – Hilfe im Austausch gegen Gesundheitsdaten – sieht zudem keinerlei Garantie für den Zugang zu den Ergebnissen der medizinischen Forschung für die Länder vor, die diese Daten bereitgestellt haben. Dabei sind die Laborergebnisse, epidemiologischen Register, Genomsequenzen und pathogenen Proben, die während Infektionsausbrüchen gesammelt werden, unverzichtbares Kapital für die öffentliche Gesundheit: Sie dienen dazu, das klinische Risikomanagement sicherzustellen, Krankheiten zu identifizieren sowie Impfstoffe und Behandlungen zu entwickeln.
Die Investition in wissenschaftliche Forschung, selbst wenn sie nur auf einen dieser Erreger abzielt, gewährleistet einen finanziellen Ertrag, der weit über den bilateralen Beitrag der USA an Afrika hinausgeht. Um eine Größenordnung zu nennen: Für jeden Dollar, der in die Forschung und Entwicklung von Impfstoffen gegen COVID-19 investiert wurde, wurde der Ertrag auf 42 bis 75 Dollar geschätzt. Der Biotechnologiesektor erwirtschaftet jährlich 1,5 Billionen Dollar – mit einer Prognose von 3,88 Billionen bis 2030 –, genug, um die Pathogenproben zur wissenschaftlichen Goldgrube des 21. Jahrhunderts zu machen.
Alle Vorteile für die USA
Wie in den rückständigsten Kampagnen der Kolonialmedizin sollen laut Trump die afrikanischen Gesundheitssysteme im Austausch für ein bisschen gesundheitliche Zusammenarbeit die genetischen Ressourcen für die globale Bioökonomie bereitstellen, wobei jedoch alle Vorteile – medizinische Forschung, pharmazeutische Produktion, Patente, kommerzielle Gewinne – fest in den Händen der amerikanischen Multis verblieben. Mehrere afrikanische Expert:innen haben vor dieser wissenschaftlichen Ausbeutung ohne Wiederkehr gewarnt.
Da Ghana nicht bereit war, Gesundheitsdaten mit den USA zu teilen, hat es sich Ende April aus diesen Abkommen zurückgezogen. Dasselbe tat Simbabwe Ende Februar, trotz der 376 Millionen Dollar, die dem Land für den Kampf gegen HIV/AIDS, Tuberkulose, Malaria und Initiativen zur Epidemieprävention zugesagt worden waren. Um das Land zur Vernunft zu bringen, drohte US-Außenminister Marco Rubio Simbabwe mit der Aussetzung der regulären Lieferung antiretroviraler Therapien an HIV-positive Patient:innen. In Kenia hatte ein Urteil des Obersten Gerichtshofs den Besuch von Präsident William Ruto in Washington zur Unterzeichnung des bilateralen Abkommens mit Trump verhindert, da es als Verstoß gegen das nationale Datenschutzgesetz angesehen wurde. Auf der 79. WHO-Versammlung gab die kenianische Delegation jedoch bekannt, dass sie grünes Licht für das bilaterale Abkommen erhalten habe, das im Juli 2026 in Kraft treten soll.
In Nigeria setzen die USA bei der Umsetzung der Abkommen auf die „Förderung christlich-orientierter Gesundheitsorganisationen“. Dieser Umstand und die beträchtliche bereitgestellte Finanzierung – 200 Millionen Dollar für christliche NGOs – sorgten in einem religiös pluralistischen Land für erheblichen Unmut. Die Dementis der Regierung haben die Gemüter der Zivilgesellschaft nicht beruhigt, auch weil Nigeria sich zur Kofinanzierung mit 59 Prozent der Mittel und zu einer erheblichen Erhöhung der Gesundheitsausgaben verpflichten muss. Damit liegt das Land an zweiter Stelle hinter Botswana, das einen Beitrag von 78 Prozent leisten muss.
Und dann ist da noch die Vereinbarung, die den Zugang zu Rohstoffen und die erzwungene Zusammenarbeit im Bergbausektor der Unterzeichnerstaaten des bilateralen Gesundheitsabkommens betrifft. Diese Klausel bezieht sich auf Kupfer und Kobalt aus Sambia, das sich gegen diesen Austausch gewehrt und die Details des Vertragstextes offengelegt hat. Die USA haben zwei Milliarden Dollar für die nächsten fünf Jahre angeboten, gekoppelt an die Bedingung des Zugangs zu Gesundheitsdaten und „kritischen Mineralien“. Die Verhandlungen mit Washington laufen noch, vorerst hält Sambia stand.
Schwieriger ist die Lage für die Demokratische Republik Kongo (DRK), die das Abkommen am 26. Februar unterzeichnet hat, um ein „integriertes nationales System zur biologischen Überwachung und Reaktion auf Epidemieausbrüche zu schaffen, einschließlich eines Netzwerks hochwertiger Labore, die in der Lage sind, Infektionskrankheiten innerhalb von sieben Tagen zu erkennen und zu untersuchen“. Washington verpflichtet sich, in den nächsten fünf Jahren 900 Millionen Dollar zu investieren; Kinshasa, die Gesundheitsausgaben um 300 Millionen zu erhöhen. Da Ebola das Land heute erneut heimsucht, ist der Verhandlungsspielraum für das afrikanische Land auf ein Minimum geschrumpft.
Das Gleiche gilt jedoch auch für viele der über 30 Länder, mit denen Donald Trump noch bilaterale Abkommen aushandelt. Die Herausforderungen sind mehr oder weniger dieselben: die fehlende Verhandlungsmacht, um nicht allzu ungünstige Bedingungen festzulegen, die Tragbarkeit der Kofinanzierungsklauseln und die Fähigkeit, die auferlegten Anforderungen innerhalb von fünf Jahren zu erfüllen, um nicht mehr auf Entwicklungshilfe angewiesen zu sein.
Das Spiel ist also teilweise noch offen, aber sehr kompliziert, da die USA ausschließlich auf ihren eigenen Vorteil aus sind und sich nicht scheuen, den Süden der Welt auf die Rolle eines Bettlers zu reduzieren.





