Mit tiefer Trauer und großer Bestürzung nimmt die Amel Association International Abschied von ihrem Mitarbeiter und freiwilligen Helfer Hussein Mohammad Saleh Jaber. Er wurde am 12. Mai bei einem israelischen Angriff auf die Stadt Nabatieh getötet, während er gemeinsam mit seinem Kollegen Ahmad Mohammad Noura im Rahmen der Zivilschutzteams humanitäre Hilfe leistete. Beide kamen ums Leben, als sie an einem Rettungseinsatz für eine Person beteiligt waren, die zuvor bei einem israelischen Luftangriff auf Nabatieh verletzt worden war.
Hussein Jaber stand beispielhaft für Hingabe, Mitgefühl und unermüdliches Engagement im Dienst der Menschlichkeit und der Menschenwürde. Seiner humanitären Mission blieb er bis zu seinen letzten Augenblicken treu. Die Amel Association International spricht den Familien, Kolleg:innen sowie Freund:innen der beiden Opfer ihr tief empfundenes Beileid aus. Unsere Gedanken sind bei ihren Angehörigen; möge ihnen in dieser schweren Zeit Kraft und Trost zuteilwerden.
Die Organisation verneigt sich in ehrendem Gedenken vor dem Opfer der beiden Getöteten. Zugleich betont sie mit Nachdruck, dass Angriffe auf Rettungskräfte sowie auf humanitäres und medizinisches Personal einen gravierenden Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht darstellen. Dieses gewährt medizinischen und humanitären Helfer:innen, ihren Einrichtungen und Transportmitteln während der Ausübung ihrer Aufgaben besonderen Schutz.
Die Amel Association International bekräftigt, dass humanitäres und medizinisches Personal bei seiner Arbeit jederzeit respektiert und geschützt werden muss. Dieser Schutz umfasst auch Krankenhäuser, medizinische Einrichtungen und Krankenwagen, sofern sie ausschließlich medizinischen Zwecken dienen, ebenso wie die im humanitären Völkerrecht anerkannten Schutzzeichen. Alle zumutbaren Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die Sicherheit dieser Personen und Einrichtungen zu gewährleisten.
Angriffe auf humanitäre und medizinische Helfer:innen, ihre Einrichtungen und Transportfahrzeuge stellen schwerwiegende Verletzungen des humanitären Völkerrechts dar, insbesondere der Grundsätze der Unterscheidung, der Verhältnismäßigkeit und der Vorsichtsmaßnahmen bei Angriffen. Solche Handlungen können Kriegsverbrechen darstellen. Sie erfordern daher unverzügliche, unabhängige und unparteiische Untersuchungen sowie die konsequente Rechenschaftspflicht der Verantwortlichen.
Vor diesem Hintergrund fordern wir die uneingeschränkte Achtung und Durchsetzung des humanitären Völkerrechts zu jeder Zeit. Dazu gehören die sofortige Einstellung aller Angriffe auf humanitäres und medizinisches Personal, dessen Einrichtungen und Transportmittel, die Achtung geschützter Embleme und Schutzvorkehrungen im Zusammenhang mit medizinischen Einsätzen sowie alle notwendigen Maßnahmen, um die Sicherheit von Ersthelfer:innen zu gewährleisten und einen sicheren, schnellen und ungehinderten humanitären Zugang sicherzustellen.
Die Amel Association International erneuert zudem ihren Aufruf an die libanesische Regierung, diese Verstöße auf internationaler Ebene, einschließlich vor den zuständigen Organen und Mechanismen der Vereinten Nationen, zur Sprache zu bringen. Sie fordert die Regierung ferner auf, unverzüglich Schritte zu unternehmen, um die Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshofs gemäß Artikel 12 Absatz 3 des Römischen Statuts anzuerkennen. Hierzu sollte eine formelle Erklärung eingereicht werden, mit der die Zuständigkeit des Gerichtshofs für Ermittlungs- und Strafverfolgungszwecke anerkannt und zugleich die uneingeschränkte Zusammenarbeit mit dem Gerichtshof zugesichert wird.
Darüber hinaus fordern wir die libanesische Regierung nachdrücklich auf, die Ständige Vertretung der Libanesischen Republik bei den Vereinten Nationen in Genf anzuweisen, dringende diplomatische Schritte einzuleiten und internationale Unterstützung für eine Sondersitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen zu mobilisieren. Ziel muss es sein, die internationale Gemeinschaft auf ihre rechtliche und moralische Verantwortung angesichts der Lage im Libanon aufmerksam zu machen.
Die Amel Association International fordert zudem die Verabschiedung einer Resolution zur Einsetzung einer unabhängigen internationalen Untersuchungskommission für den Libanon. Diese Kommission soll alle mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen, Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und Verbrechen nach dem Völkerrecht untersuchen, Tatsachen dokumentieren, Verantwortlichkeiten feststellen und der Straflosigkeit entgegenwirken.
Aktuelle Zahlen weisen auf ein alarmierendes und systematisches Muster von Angriffen hin. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums richteten sich zwischen dem 2. März und dem 7. April 2026 mindestens 20 Angriffe gegen medizinische und Gesundheitseinrichtungen. Weitere 93 Angriffe trafen Rettungsdienste; dabei wurden mindestens 75 Rettungsfahrzeuge beschädigt. Diese Zahlen verdeutlichen die unmittelbaren und gefährlichen Folgen solcher Angriffe für die Fähigkeit von Gesundheitsdiensten und Ersthelfer:innen, sicher und wirksam zu arbeiten.
Der Nachruf erschien zuerst bei Amel Association International.
Die Gesundheitsorganisation Amel betreibt insbesondere im Süden des Libanon Gesundheitszentren und mobile Kliniken. Seit über 40 Jahren werden sie dabei von medico unterstützt. Die Hilfe von Amel für die Menschen auf der Flucht vor den israelischen Angriffen können Sie mit einer Spende unterstützen.




