Frauen in der Migration

Studie zur gesundheitlichen Situation weiblicher Migrantinnen

NicasMigrante (NM) ist eine 2007 gegründete soziale Organisation, gebildet von einer Gruppe nicaraguanischer AktivistInnen, die sich für die Menschenrechte von MigrantInnen und ihren Familien einsetzt. 2011 hat sie die Untersuchung „Gesundheit, Frauen und Migration“ durchgeführt, im Rahmen derer 300 Frauen interviewt wurden. Die Studie zeigt, dass die gesundheitliche Situation der befragten Frauen sehr prekär ist. Oft führen sie ihren gesundheitlichen Zustand auf ihren eigenen Migrationskontext zurück, wobei das Gros der Ergebnisse auch auf einkommensschwache, alleinerziehende Frauen ohne Migrationsgeschichte zutreffen dürfte: Streß, Kopf- und Gliederschmerzen, Erschöpfung, Depression, Bluthochdruck, Gastritis, Nierenprobleme, Schlafstörungen und Atemwegserkrankungen sind die meistgenannten Probleme. Festgestellt wurde ein hohes Maß an Selbstmedikation. Ansonsten wird sich um das eigene Wohlbefinden nicht gekümmert, weil bei begrenzten Kräften häuslichen Aufgaben und der Kinderbetreuung Vorrang gegeben wird.

Geschützte Räume für Gesundheit

Aufgrund fehlender Finanzierung konnten die Ergebnisse bislang nur in Managua präsentiert werden. Eine Rückvermittlung der Erkenntnisse an die beteiligten Frauen in ihren Landkreisen steht daher noch aus. medico unterstützt das Anliegen, über die gesundheitlichen Probleme von Frauen in der Migration bzw. weiblichen Familienangehörigen von Migranten aufzuklären und gemeinwesenorientierte Aktionen zu deren Überwindung zu stärken. Konkret sollen neben dem Rückfluß an Information durch die Durchführung von dezentralen Veranstaltungen in sechs Landkreisen auch etwa 100 Frauen im Rahmen einer Aus- und Fortbildung zu den Themen Gender und Selbstwertgefühl geschult werden. Es sollen zudem geschützte Räume zum Erfahrungsaustausch und zur gegenseitigen Hilfestellung auf lokaler Ebene geöffnet werden. Zur Sensibilisierung einer breiten nicaraguanischen Öffentlichkeit soll schließlich ein Vorschlag für eine Präventionskampagne gegen Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen in der Migration erarbeitet werden.

An der Basis

Die AktivistInnen von NicasMigrante haben selber Migrationserfahrung und/oder Migranten als Familienangehörige. Sie wollen Brücken der Kommunikation zwischen den Familien und ihren Angehörigen, die als Migranten im Ausland leben, schlagen. Sie setzen sich daher dafür ein, daß MigrantInnen Verantwortung für ihre zurückgebliebenen Familienangehörigen, insbesondere die Kinder, übernehmen. Die Sichtbarmachung der MigrantInnen und ihrer Familien als ökonomische und politische Akteure sowie als soziale Kraft ist ein wichtiger Baustein. Die Vernetzung ist dabei zentral. Folgerichtig sind sie Mitglied des nicaraguanischen Netzwerks „Liga de Sustentadores de la Comunidad“ und des kontinentalen Netzwerkes „Migration und nachhaltige Entwicklung“. Für NicasMigrante werden sich die strukturellen Ursachen, die zu Migration führen, nur mittel- und langfristig überwinden lassen. Aus diesem Grund beteiligt sich die Organisation aktiv an der Suche nach Alternativen gegen Armut und Vulnerabilität und kritisiert die repressiven Gesetzgebungen gegen MigrantInnen. Nicht zuletzt sieht sich NicasMigrante als Plattform zur Potenzierung der Fähigkeiten und Kenntnisse insbesondere junger Menschen sowie zur Förderung einer Kultur der Diskussion, des Respekts und der Toleranz.

 

Projektstichwort

Auch Sie können die Arbeit von NicasMigrante unterstützen. Spendstichwort: Nicaragua

 

 


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