Porträt

Begegnung mit Sandino

Mónica López Baltodano. (Foto: medico)
Die Anwältin Mónica López Baltodano streitet für ein anderes Nicaragua – gegen das Erbe der Revolution.

Lange Zeit galten Nicaragua und die Revolutionspartei FSLN als Symbol und Projektionsfläche linker Vorstellungen erfolgreicher gesellschaftlicher Veränderung. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Antidemokratisch und autoritär nennt die Mittdreißigerin Mónica López Baltodano die von Präsident Daniel Ortega „privatisierte“ FSLN. Von Privatisierung betroffen sind auch ländliche Territorien. Doch die drohenden Enteignungen zugunsten des Baus eines interozeanischen Kanals provozierten energischen Widerstand – und beendeten den politischen Stillstand im Land. Alles begann damit, dass Mónica die Menschen in den betroffenen Gemeinden über das geplante Projekt informierte. Als Anwältin der Stiftung Popol Na trug sie dadurch maßgeblich zur Entstehung der andauernden Proteste bei und berät die Bewegung.

Dabei war ihre Herkunft aus einer bekannten sandinistischen Familie nicht unbedingt hilfreich: Die von den drohenden Enteignungen betroffene Region war im Bürgerkrieg der 1980er Jahre Basis der von den USA unterstützten Contras. Letztlich schufen Mónicas offene Art und klare Haltung bei den lokalen Organisationen das Vertrauen. Sie selber war schon in Schul- und Universitätszeiten in der sandinistischen Bewegung aktiv und arbeitete zu Umweltfragen. Heute glaubt sie nicht mehr an eine Rettung des Sandinismus, sondern stellt sie sich die Frage, wie die Idee sozialer Transformation gegen den Sandinismus erkämpft werden kann.

Möglichkeiten sieht die kämpferische junge Frau in den neuen Bewegungen zur Verteidigung ländlicher Lebensräume gegen Megaprojekte und Extraktivismus. Dabei können Mónica und ihre Mitstreiterinnen auch Veränderungen innerhalb der Gemeinden anstoßen. Wenn sich beispielsweise Frauen zum ersten Mal in ihrem Leben unabhängig von ihren Männern austauschen und die traditionelle Arbeitsteilung infrage stellen. Derweil ist sich die Ortega-Regierung der Gefahr bewusst, die von den neuen Bewegungen ausgeht und versucht, lokale Führungspersonen zu korrumpieren und Spaltungen zu provozieren. Dagegen hilft nur eine gut informierte Basis, die Transparenz einfordert und ihre Unabhängigkeit gegenüber den Kooptionsversuchen der Regierung bewahrt. Mónica unterstützt sie dabei.

Moritz Krawinkel 


Dieser Beitrag erschien zuerst im medico-Rundschreiben 1/2018. Das Rundschreiben schicken wir Ihnen gerne kostenlos zu. Jetzt abonnieren!


Veröffentlicht am

Mehr zum Thema

Die Enkel der Revolution
Die Jugend will Demokratie und ein Ende des autoritären Paternalismus. Dafür riskiert sie viel. Von Katja Maurer und Moritz Krawinkel, Managua Weiterlesen

Mehr als ein Aufstand
Die Proteste wurden gewaltsam beendet, aber der tiefe Bruch bleibt. Ein Interview mit Enrieth Martínez Palacios Weiterlesen

Rote Linien
Die Krise in Nicaragua spaltet die Linke in Lateinamerika. Ein kommentar von Raúl Zibechi Weiterlesen

Jetzt spenden!

 

Wir verwenden Cookies zur Bereitstellung und Verbesserung unserer Website. Weitere Informationen.