Solidarität & Veränderung

Rechte statt Mitleid für Ostafrika

Afrikanische und europäische Schriftsteller für solidarisches Handeln und strukturelle Veränderungen

 

Wir müssen die Ursachen von Tragödien verstehen, damit sich diese nicht wiederholen. Die Katastrophe in Ostafrika ist keineswegs unfassbar, sie hat sich seit Jahren und Jahrzehnten angekündigt. Die Menschen sterben nicht nur an einer unglückseligen Dürre, sondern auch an weitreichenden, systemimmanenten Missständen: an den Folgen des Klimawandels, der neoliberalen Ideologien, militaristischen Interventionen und instabilen Getreidemärkten. Und an der Unwilligkeit der Staatenwelt, die verschiedenen Warlords, die seit 20 Jahren Somalia zerstören, international zu ächten und zu verfolgen.

In der Hungersnot Ostafrikas zeigen sich die katastrophalen sozialen Folgen des Klimawandels. Trotzdem könnten wir den Menschen lokal helfen, wenn es finanzielle Hilfen gäbe für Nomaden, Viehhüter und Kleinbauern, damit sie tiefere Brunnen bohren und Techniken einführen, um das Regenwasser, das meist sintflutartig niedergeht, zu sammeln.

Die Opfer des Klimawandels haben ein Recht auf Hilfe – vor den Katastrophen.

Eine lokale, nachhaltige landwirtschaftliche Produktion passt nicht in das Kalkül der global herrschenden Ökonomie. Anstatt arbeitsintensive, autarke Techniken zu unterstützen, wird Entwicklungshilfe immer häufiger dazu benutzt, ein rein exportorientiertes Wirtschaften einzuführen. Riesige fruchtbare Gebiete am Horn von Afrika werden an ausländische Investoren verkauft und Rohstoffhändler setzen auf steigende Weizenpreise.

Der Landraub und die Spekulation mit Nahrungsmitteln müssen unterbunden werden.

Die politische Brutalisierung Somalias hat komplexe Ursachen, die bis in die Zeit der Blockkonfrontation zurückreichen. Der seit zehn Jahren am Horn von Afrika geführte „Krieg gegen den Terror“ hat die Agonie Somalias verlängert. Nicht die existenziellen Bedürfnisse der somalischen Bevölkerung stehen dabei im Vordergrund, sondern die Sicherung internationaler Seefahrtswege.

Militaristische Interventionen im Dienste der eigenen Sicherheit müssen aufhören.

Notwendig ist nicht eine Politik des Mitleids, sondern eine der politischen Verantwortung. Die Hungernden haben ein Recht auf Anerkennung als Bürgerinnen und Bürger dieser Welt. Sie haben wie alle anderen Menschen Rechte, zu denen auch das Recht auf Nahrung nach Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gehört. Hilfe in der Not und strukturelle Veränderungen zur Beseitigung der Ursachen von Hunger sind kein Akt des guten Willens, sondern eine völkerrechtlich bindende Pflicht. Dies durchzusetzen bedarf des politischen Willens von Regierungen. Und des öffentlichen Drucks von unten. Auch von uns.

Die Hungernden sind Bürgerinnen und Bürger dieser Welt.

Dieser Aufruf erscheint mit Unterstützung der Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner:


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