Referentinnen und Referenten

10 Jahre Rojava - Vom demokratischen Experiment zum Hoffnungsträger einer Region

Ercan Ayboga ist stellv. Regionalbüroleiter der RLS Hessen und ein langjähriger Aktivist der Ökologiebewegung Kurdistans. Er arbeitete mehrere Jahre in Nord-Kurdistan (Südosttürkei) und baute die Initiative zur Rettung von Hasankeyf 2000 mit auf, die gegen den zerstörerischen Ilisu Staudamm kämpfte. Ayboga ist Mitinitiator der Ökologiebewegung Mesopotamiens. Das Netzwerk bringt Ökoaktivist:innen in Nord-Kurdistans zusammen. Sein beruflicher Werdegang als Umweltingenieur konnte er dort gut einbringen.

Ayboga ist Ko-Autor des Buches „Revolution in Rojava“, welches 2015 im Auftrag der Tatort Kurdistan Kampagne erschien. Das Buch ist in zehn Sprachen übersetzt und dokumentiert den revolutionären Prozess in Rojava / Nord- und Ostsyrien und bereiste in dieser Zeit mehrmals die Gegend.

Dr. Dilar Dirik ist politische Soziologin an der Universität Oxford. Sie ist Autorin des englischsprachigen Buches „The Kurdish Women’s Movement: History, Theory, Practice“ (July 2022, PlutoPress), welches auf ihrer Forschungsarbeit zur kurdischen Frauenbewegung basiert. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sie sich mit politischem Widerstand, Feminismen und revolutionären Frauenbewegungen, Staatenlosigkeit und nichtstaatlichen Autonomie- und Selbstbestimmungskämpfen. Sie ist in Offenbach am Main aufgewachsen und in der kurdischen Frauenbewegung in Europa aktiv.

Îlham Ehmed ist Vorsitzende des Exekutivorgans des Syrisch Demokratischen Rates und ehemaliges Mitglied der Bewegung für eine demokratische Gesellschaft. 

Martin Glasenapp, ehemaliger Nahost-Referent bei medico international. Er bereiste die Region viele Jahre und publizierte über Kurdistan, Türkei und die Levante. Kurz nach dem Ende der Belagerung der syrisch-kurdischen Stadt Kobanê durch den „Islamischen Staat“ war er vor Ort und berichtete über die Situation. Glasenapp begleitete lange Jahre die medico-Partner:innen in den kurdischen Regionen. Ab 2016 arbeitete er für den Parteivorstand der Linken. Seit Februar 2022 ist er Leiter des Büros von Katja Kipping, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales in Berlin.

Kristin Helberg ist Journalistin und Politikwissenschaftlerin. Sie berichtete sieben Jahre lang von Damaskus aus über den Nahen und Mittleren Osten für deutsche, österreichische und Schweizer Hörfunkprogramme sowie verschiedene Print- und Onlinemedien. Heute arbeitet sie als Autorin und Nahostexpertin in Berlin. Im Herder Verlag erschienen von ihr „Verzerrte Sichtweisen – Syrer bei uns. Von Ängsten, Missverständnissen und einem veränderten Land“ (2016) und „Der Syrien-Krieg. Lösung eines Weltkonflikts“ (2018). Als Stipendiatin der Stiftung Mercator untersuchte sie die syrische Diaspora in Deutschland.

Egid Ibrahim leitet die Menschenrechtsorganisation „Right Defense Initiative“ (RDI) mit Sitz in Qamislo, die medico seit 2020 unterstützt. Die Mitarbeiter:innen von RDI dokumentieren Menschenrechtsverletzungen in der gesamten Region. Dafür führen sie bspw. Interviews mit Betroffenen von Folter und Flucht. Sie arbeiten inzwischen mit IIIM – dem UN-Mechanismus zur Unterstützung der Strafverfolgung von Völkerrechtsverbrechen in Syrien - zusammen. Ibrahim sprach am 18. März 2022 vor dem Menschenrechtsrat der UN über die Verletzung des Rechtes auf Wasser in Nordostsyrien.

Nilüfer Koç ist Nahostexpertin und Sprecherin der außenpolitischen Kommission im Nationalkongress Kurdistan. 1976 kam sie als Kind von kurdischen Arbeitsmigrant:innen nach Deutschland und studierte Politikwissenschaften an der Universität Bremen. Von 2013 bis 2019 war Nilüfer Koç Ko-Vorsitzende des Nationalkongress Kurdistan (KNK) und hat sich in dieser Zeit hauptsächlich in Rojava und Südkurdistan aufgehalten.

Christin Lüttich ist studierte Politikwissenschaftlerin und Teil der Geschäftsführung von Adopt a Revolution, einer deutsch-syrischen Solidaritätsinitiative die im Zuge des syrischen Aufstandes 2011 entstand. Darüber hinaus ist sie als freiberufliche Gutachterin zu Syrien und Libanon tätig. Sie ist zudem produzentisch und künstlerisch in unabhängigen künstlerischen Projekten der freien Szene in Berlin involviert.

Der Wissensarbeiter und Aktivist Matthias Monroy ist gleichzeitig Redakteur der Zeitschrift „Bürgerrechte & Polizei/CLIP.“ Seine Schwerpunkte belaufen sich auf Polizeiarbeit in der EU, Migrationskontrolle, Überwachungs- und Abhörtechnologien, Satallitenaufklärung, Drohnen. Monroy veröffentlichte Texte in verschiedenen linken Zeitungen und Online-Medien wie netzpolitik.org oder Golem.

Abdulkarim Omar ist Ko-Vorsitzender der Abteilung Außenbeziehungen der autonomen Selbstverwaltung Nordost Syrien.

Cemîl Qoçgirî wurde als Kind einer aus Dersim stammenden kurdisch-alevitischen Familie in Duisburg geboren. Die türkische Administration nennt diese Provinz seit 1937 Tunceli und will damit ihre kurdische und armenische Geschichte auslöschen. Das ist ihr bis heute nicht gelungen und auch Künstler haben daran ihren Anteil. Cemils Instrument ist der Tenbûr, eine Langhalslaute mit nur drei Saiten. In seinem Spiel schlägt er Brücken zwischen Tradition und Moderne. Mit seiner eigenwilligen Spieltechnik stellt er die leisen Töne in den Vordergrund, ohne in der Stille zu verharren, immer wieder Akzente setzend und auf der Suche nach neuen Klangwelten.

Dr. Sardar Saadi ist Direktor des Instituts für Sozialwissenschaften an der Universität von Rojava. Er ist einer der Mitbegründer des Zentrums für Solidarität und Zusammenarbeit mit Universitäten in Nord- und Ostsyrien (CSCUNES), welches seinen Sitz in Paris hat. Zugleich ist er Postdoktorand an der Universität Wageningen. Dr. Saadi schloss 2020 das Doktorandenprogramm für soziokulturelle Anthropologie an der Universität von Toronto ab. In seiner Doktorarbeit untersucht er die städtische Dynamik des kurdischen Kampfes um Selbstbestimmung in Diyarbakir, Kurdistan. Er hat in verschiedenen Fachzeitschriften und Online-Publikationen veröffentlicht und wurde von kanadischen, kurdischen und persischen Medien interviewt. Er ist Gastgeber und Produzent des Podcast: „The Kurdish Edition“.

Thomas Schmidinger ist Politikwissenschafter und Sozial- und Kulturanthropologe in Österreich. Seit 1999 bereiste er immer wieder Syrien und Kurdistan. 2014 veröffentlichte er sein Buch "Krieg und Revolution in Syrisch-Kurdistan", 2018 "Kampf um den Berg der Kurden" über die türkisch besetzte syrisch-kurdische Region Afrin und 2019 "Die Welt hat uns vergessen" über den Genozid des "Islamischen Staates" gegen die Ezidi im irakischen Sinjar. Schmidinger unterrichtet an der Universität Wien und der Fachhochschule Oberösterreich und berät einige österreichische EU-Abgeordnete. Neben Syrien und dem Irak arbeitet er u.a. zum Sudan und zum Kosovo, sowie zum Verhältnis von Religion und Staat und religiösem Extremismus. Seit 2013 ist er Mitherausgeber des Wiener Jahrbuchs für Kurdische Studien.

Dr. Kamal Sido ist seit April 2006 Nahostexperte der Menschrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen. Die internationale Menschenrechtsorganisation GfbV setzt sich für verfolgte und bedrohte ethnische und religiöse Minderheiten, Nationalitäten und Gemeinschaften ein. Kamal Sido ist im syrischen Kurdengebiet Afrîn geboren.

Jan van Aken arbeitet zu internationalen Krisen und Konflikten für die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Der gelernte Biologie, mit einer Promotion in Zellbiologie, war von 2004 bis 2006 Biowaffen-Inspektor bei den Vereinten Nationen in New York. Danach arbeitete er für drei Jahre als Campaigner für Greenpeace International im Bereich Landwirtschaftspolitik und koordinierte dort die Kampagnen in den asiatischen Büros. Von 2009-2017 war er Mitglied des Bundestages und zuletzt außenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. Er bereiste Rojava Anfang 2014 als die kurdischen Selbstverteidigungseinheiten noch gegen den IS kämpften.

Michael Wilk ist Arzt und Psychotherapeut in Wiesbaden. Als Notfallmediziner unterstützt er den „Kurdischen Roten Halbmond“ in Rojava seit Jahren und ist immer wieder vor Ort im Einsatz. Im April 2022 erschien sein Buch "Erfahrung Rojava" im Verlag Edition AV. Darin berichtet er über seine Aufenthalte und schreibt mit Weggefährt:innen über Fragen praktischer Solidaritätsarbeit.

Civaka Azad – Das kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit mit Sitz in Berlin veröffentlicht Texte und Hintergrundberichte zur aktuellen Situation in den kurdischen Regionen. Das Zentrum ist Ansprechpartner für Journalist:innen, Wissenschaftler:innen und Interessierte. Gemeinsam mit medico veröffentlichte die Organisation im April 2014 den Spendenaufruf „Unterstützung für ein demokratisches Experiment“.

Das ECCHR eine gemeinnützige und unabhängige Menschenrechtsorganisation unterstützt mit seinen Partner:innen die Verfolgung von Völkerstraftaten in Syrien seit 2012. Der Fokus liegt dabei bislang auf den Verbrechen des Regimes, insbesondere Morde, Folter und sexualisierte Gewalt. Erste Erfolge sind der Haftbefehl gegen den ehemaligen Luftwaffengeheimdienst General Hassan sowie das Verfahren vor dem OLG Koblenz nach dem Weltrechtsprinzip. Das ECCHR ist europaweit in der Fallarbeit aktiv. Es begleitet und unterstützt Betroffene und die syrische Zivilgesellschaft in der Suche nach Gerechtigkeit.

Das Rojava Information Center (RIC) ist ein unabhängiges Nachrichtenzentrum mit Sitz in Qamislo, Nordostsyrien - gegründet 2018. Beim RIC arbeiten internationale Journalist:innen und Medienaktivist:innen, die aktuell berichte und Hintergrundreportagen über verschiedene Aspekte in der Region erstellen. Zudem unterstützen sie Recherchen und vermitteln führenden internationalen Medien (u.a. BBC, CCN, AFP) Kontakte vor Ort.