Syrien

Europa muss Flüchtlinge aus Idlib aufnehmen

Flüchtende in Sarmada, Idlib in der Nähe der türkischen Grenze. (Foto: Muhammad Al Hosse/TNH, www.thenewhumanitarian.org)
medico international fordert angesichts der humanitären Katastrophe in Idlib die Europäische Union zu einem sofortigen Kurswechsel auf.

Die Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international fordert angesichts der humanitären Katastrophe in Idlib die Europäische Union zu einem sofortigen Kurswechsel auf. Die Parteinahme für die Menschenrechte der Zivilbevölkerung ist der einzige politische Weg, der noch offen steht. Das schließt ein Aufnahmeprogramm für Flüchtlinge aus Idlib und Syrien in Europa ein. "Die Parteinahme für die Millionen Menschen zwischen den Fronten ist jetzt alternativlos. Europa sollte sich endlich auf der Seite der Menschenrechte positionieren", so Till Küster, Syrien-Referent bei medico international.

"Die europäische Außenpolitik in Syrien ist blockiert, weil ihr erstes Prinzip die Flüchtlingsabwehr ist. Das Ergebnis ist desaströs. Neue Kriege schaffen neue Flüchtlinge, die dann als Druckmittel eingesetzt werden: ein ekelhaftes und zynisches Spiel. Es ist längst überfällig, dass sich Europa aus dieser selbstverschuldeten Erpressbarkeit verabschiedet. Idlib steht für den dauerhaften Schrecken in Syrien, der von einem Großteil der Internationalen Gemeinschaft seit Jahren tatenlos hingenommen wurde."

Selbst ein sofortiges und bitter notwendiges Ende der Kämpfe würde die Situation der Zivilbevölkerung nicht lösen. Die Lage in Idlib war bereits vor Ausbruch der Kämpfe unerträglich. Hunderttausende Binnenflüchtlinge sind in Idlib gestrandet, dazu wurden mehrere Zehntausende Rebellenmilizen, darunter vor allem djihadistische Gruppen nach Idlib verlegt. Viele Städte im Süden und Westen der Provinz wurden in Schutt und Asche gebombt und sind unbewohnbar.
 

Bis heute unterstützt medico ein Frauenhaus in Idlib-Stadt, das von Aktivistinnen ins Leben gerufen wurde, die selbst vor zwei Jahren nach Idlib fliehen mussten. Pro Woche suchen bis zu 400 Frauen das Zentrum auf, nehmen an Sprach- und Computerkursen teil und erhalten Betreuung und Beratung bei heiklen Themen wie häuslicher Gewalt. Zusätzlich engagieren sich die Mitarbeiterinnen auch in der Betreuung und Versorgung von Flüchtlingen, die in der Stadt ankommen. Wie lange sie unter den Bombardierungen und angesichts des drohenden Einmarsch noch weitermachen können ist ungewiss.

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