Armut & Gesundheit 2018

Die WHO am Scheideweg

 
Für die WHO viel auf dem Spiel: ihre Eigenständigkeit, ihre Legitimität und ihre Befähigung, weiterhin die führende Institution für globale Gesundheit zu bleiben.

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Die finanzielle Abhängigkeit von großen Geldgebern wie der Bill&Melinda Gates Stiftung – 80% ihrer Mittel sind projektgebunden – ermöglicht es externen Akteuren, massiv Einfluss auf die Ausrichtung der WHO zu nehmen. Mit der Entscheidung, die Gates Stiftung als nicht wählendes Mitglied in die Weltgesundheitsversammlung – die als Versammlung der Mitgliedstaaten das höchste Leitungsgremium der WHO ist – aufzunehmen, vergrößert den Einfluss nur noch weiter. Ihre Abhängigkeit verstärkt zudem den Einfluss von Big Pharma und damit eines technischen-medizinischen Blicks auf die Weltgesundheit. Zuletzt wurden die Defizite und Risiken einer geschwächten WHO in der Ebola-Epidemie offenkundig.

Die Weltbank, zahlreiche Global Public Private Partnerships for Health wie die Global Alliance for Vaccines and Immunisation oder internationale Großkonferenzen wie der selbsternannte »World Health Summit« drohen der WHO den Rang abzulaufen, wenn es darum geht, Antworten auf die globalen Gesundheitsfragen zu finden.

Zugleich gelingt es der WHO immer wieder sich als die zentrale Institution für globale Gesundheitsrechte und -politiken zu profilieren: Vor genau 40 Jahren bekannten sich die Mitgliedsstaaten der WHO in der »Erklärung von Alma Ata« dazu, dass Gesundheit immer auch eine Frage der Menschenrechte und damit der Gerechtigkeit, der Gleichheit und der Partizipation ist. 2008 legte sie ein Grundsatzpapier zu Sozialen Determinanten von Gesundheit vor und stellte in aller Klarheit fest: »Soziale Ungleichheit tötet in großem Ausmaß«.

Die innere Zerrissenheit einer WHO im Würgegriff wirft Fragen auf, über die wir mit unseren Referent*innen im Verlauf der drei Veranstaltungen debattieren möchten:

Hat die WHO ihre Interessenskonflikte selbst geschaffen, indem sie die Türen für Pharma und Philanthrokapitalisten weit aufgemacht hat und versäumte, bei ihren Mitgliedsstaaten die Erhöhung der ungebundenen Beiträge einzufordern? Wie lässt sich die Bedeutung der WHO als Institution für globale Gesundheitsrechte und -politiken wieder herstellen? Ist dies überhaupt notwendig und wünschenswert?


Programm

9.00-10.30 Uhr

Vortrag
Wer bestimmt die Gesundheitsagenda der Weltgesundheitsorganisation?
Historische Perspektiven und aktuelle politische Herausforderungen

Anne-Emanuelle Birn, Professor of Critical Development Studies and Social and Behavioral Health Sciences, Toronto

Moderation: Jens von Bargen, medico international

11.00-12.30 Uhr

Panel
Die Krise der supranationalen Strukturen ist die Krise der Demokratie

Die Aushöhlung des Multilateralismus und unzulässiger Einfluss auf die WHO
Daniel Lopez-Acuna
, Adjunct Professor at the Andalusian School of Public Health, Geneva Global Health Hub, Granada

Globales Chaos – machtlose UNO
Andreas Zumach
, Autor und Korrespondent, Genf

Demokratie von unten. Die internationale Gesundheitsbewegung und ihre Inspiration durch Alma Ata
Anuj Kapilashrami
, Associate Director Global Public Health Unit University of Edinburgh & People’s Health Movement, Edinburgh

Moderation: Andreas Wulf, Projektkoordinator Gesundheit, medico international, Frankfurt

13.45-15.15 Uhr

Debatte
Auf die nächsten 70 Jahre! Welche WHO braucht die Welt?

Wie sollte eine Reformagenda der WHO aussehen?
Michèle Boccoz, Assistant Director General for External Relations, World Health Organisation, Genf (angefragt)

Wie lässt sich der Geist von Alma Ata zurückerobern?
Andreas Wulf, Projektkoordinator Gesundheit, medico international, Frankfurt

Wie lief es bisher und welche demokratischen Chancen bietet die Zukunft?
Anne-Emanuelle Birn, Professor of Critical Development Studies and Social and Behavioral Health Sciences, Toronto

Moderation: Anne Jung, Gesundheitsreferentin medico international, Frankfurt

Ort

Hauptgebäude der TU Berlin, Raumnummer für die medico-Workshops: H0110

Hier geht es zur Anmeldung.


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