Bangladesch

Von der Utopie zur Bewegung

Protestaktion Bangladesch
Protestaktion der National Garment Workers Federation (NGWF) für das Recht auf Entschädigung, auf bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, auf freie gewerkschaftliche Organisation. (Foto: Gordon Welters)
Mitten in den Slums lassen auch deutsche Firmen unter skandalösen Arbeitsbedingungen Jeans und T-Shirts fertigen. medico unterstützt die Kämpfe der TextilarbeiterInnen für eine menschenwürdige und gesunde Arbeit.

Am Anfang stand die Vision einer Bewegung von Gesundheitsaktivist*innen, die ein solidarisches Netzwerk von Basisgesundheitseinrichtungen aufbaut. Heute, fast 50 Jahre später, ist Gonoshasthaya Kendra (GK) die größte nichtstaatliche Gesundheitsorganisation Bangladeschs. Ihre Gesundheitsarbeiter*innen betreuen mehr als eine Million Menschen in fast 600 Dörfern und Städten in allen Teilen des Landes, sie vermitteln medizinisches Wissen und Kenntnisse über Ernährung, Familienplanung und die sozialen Verhältnisse. GK kooperiert dabei eng mit lokalen Gesundheitskomittees in den Gemeinden. In Katastrophenfällen leistet GK Nothilfe. Der medico-Partner stritt auch für die Entwicklung einer landeseigenen Arzneimittelproduktion und ging mit gutem Beispiel voran: Viele unentbehrliche Medikamente stellt GK inzwischen selbst her.

Wie Solidarität als konkrete Hilfe aussehen kann, zeigte sich auch 2013 nach dem Einsturz der Rana Plaza Textilfabrik in Sabhar, bei dem 1.135 Menschen ums Leben kamen. Die Gesundheitsarbeiter*innen von Gonoshasthaya Kendra stellten Wasser, Sauerstoff und Nahrung für die Eingeschlossenen bereit. Die Unterstützung überdauerte die Akutversorgung, Verletzte wurden noch lange nachbehandelt. Inzwischen hat GK sogar ein solidarisch finanziertes Gesundheitsprogramm für Textilarbeiter*innen aufgelegt. Darüber hinaus fordert GK politische Maßnahmen gegen die tödlichen Folgen der Ausbeutung: „Die Ignoranz der großen Auftraggeber gegenüber Menschenrechtsverletzungen in den Lieferketten muss aufhören“, so Gulam Dulal von Gonoshasthaya Kendra.

Die heutigen Lieferketten in der Textilindustrie zeigen deutlich, wie eng globalisierte Produktionsverhältnisse und Gesundheitsfragen zusammenhängen. Die Arbeitsbedingungen in den Nähfabriken Südasiens sind extrem gesundheitsschädlich. Die Arbeiterinnen und Arbeiter sind Giften und Lärm ungeschützt ausgesetzt, ihre Körper werden extrem ausgebeutet: Der Konkurrenzdruck, für den vor allem die Auftraggeber aus den Industrieländern verantwortlich sind, produziert Dumpinglöhne und völlige entgrenzte Arbeitszeiten. Möglich wird dies auch durch unfaire Handelsabkommen, die die Interessen von Unternehmen den Menschenrechten überordnen. Aus diesem Grund setzt medico sich für weltweit verbindliche Regeln zu Wirtschaft und Menschenrechten ein.

Bitte unterstützen Sie die Arbeit unserer Projektpartner unter dem Spendenstichwort: Gesundheit.


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