Winter in Syrien

Hilfe für die Flüchtlinge

Zwischen Syrien, Irak und Türkei: Flüchtlinge warten auf eine Zukunft

Es regnet immer öfter. Ein kalter Wind pfeift über das Hochplateau, bald wird der erste Schnee fallen. Im Camp Newroz am Rande von Dêrik, der kurdisch-aramäischen Stadt im syrischen Rojava, wird Kies auf die matschigen Wege gestreut. Hier überwintern 7.000 jesidische Familien, denen im August die Flucht vor dem Terror der IS-Milizen gelang. Im nordirakischen Schingal-Gebirge waren durch eine spektakuläre humanitären Intervention etwa 150.000 Angehörige der jesidischen Gemeinschaft von kurdischen Selbstverteidigungskräften gerettet worden.

Eine Rückkehr zum Schingal, ihrem spirituellem Hoffnungsberg, ist für sie mehr als die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat. Es ist Ausdruck ihres kollektiven Selbstbewussteins und damit ein Überlebensfaktor. Denn im Camp Newroz fehlt es an winterfesten Zelten, Nahrung und Kleidung. Aus den grauen Notfalldecken der UN-Hilfswerke haben die Mütter warme Jacken für ihre Kinder genäht.

Kobane: Die Stadt der Hoffnungen

Über Nacht war die kurdische Stadt Kobanê an der syrisch-türkischen Grenze weltweit in den Schlagzeilen. Der gewalttätige Vormarsch der IS-Milizen machte das kleinste, fast vollständig eingekesselte Kanton der kurdischen Selbstverwaltung in Syrien zum Symbol des Widerstands gegen den IS-Terror, der für weite Teile der westlichen Öffentlichkeit das absolute Böse verkörpert. Die Kurdinnen und Kurden leisten bis heute einen erbitterten Widerstand. Für sie bedeutet die Aufgabe der Stadt auch die Aufgabe ihres politischen Traums einer gesellschaftlichen Zukunft in Syrien, fernab von ethnischen und konfessionellen Zuschreibungen.

Durch die Angriffe des IS wurde auch das städtische Krankenhaus zerstört, in dem die von medico unterstützte Blutbank untergebracht war. Der Häuserkampf in Kobanê zwang fast die gesamte Zivilbevölkerung zur Flucht. 180.000 leben nun in Kurdistan auf der anderen Seite der Grenze, in der Türkei. Allein im Landkreis von Pîrsûs sind rund 50.000 Menschen in Camps der kurdischen Stadtverwaltung untergebracht. Auch hier braucht es alles, was in der kalten Jahreszeit das Überleben sichert. Dringlich ist auch ein Krankenwagen. Denn in Kobanê werden weiter Menschen verletzt und nicht wenige verbluten auf der Grenze, bevor sie das Krankenhaus auf türkischer Seite erreichen.

Ohne jeden Ausweg: Überleben im oppositionellen Damaskus

Im Jahr 2013 verließen nach jüngsten UN-Angaben rund 150.000 Syrer im Monat ihr Land. Im Oktober 2014 ist es nur noch ein Zehntel davon, denn die Nachbarstaaten haben ihre Grenzübergänge praktisch geschlossen. Aber es gibt auch Zonen in der syrischen Bürgerkriegsgesellschaft, aus denen es schon länger überhaupt kein Entkommen gibt, und in denen – im Gegensatz zu den kurdischen Regionen – ohne mediale Öffentlichkeit gestorben wird. Etwa der Großraum Damaskus, wo ein zäher und blutiger Kleinkrieg stattfindet, wo kleine Ortschaften und Stadtteile sich inmitten der Gewalt selbst organisierten.

Die südliche Kleinstadt Erbin wird seit Wochen beschossen. Über 100 Menschen kamen ums Leben. Die syrische Armee setzt hier Boden-Boden-Raketen ein, deren Explosivkraft ganze Wohnblöcke zerpulvert. Unlängst starben Schulkinder auf einem Marktplatz. Einige von ihnen besuchten die freie Schule
in Erbin, das medico-Projekt vor Ort, wo zivile Aktivisten den Kindern ein Lernen für bessere Zeiten ermöglichen. Der Weg zur Schule bleibt gefährlich. Zudem machen es Armee-Checkpoints nahezu unmöglich, die überlebenswichtigen Gehälter für die Lehrenden in die Stadt zu schmuggeln. Und die Brennstoff- und Lebensmittelpreise steigen rasant. Der vierte Kriegswinter hat begonnen.

So hilft medico vor Ort mit Ihrer Spende

medico international ist eine deutsche Hilfs- und Menschenrechtsorganisation. Wir arbeiten mit zivilen lokalen Partnern, die die Strukturen vor Ort genau kennen. In Syrien, in Kurdistan, im Irak und im Libanon leisten unsere Partner Hilfe in allergrößter Not für die Menschen, die vor der Gewalt fliehen. Diese Nothilfe reicht von Decken, über Nahrungsmittel- und Krankenversorgung.

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Veröffentlicht am 17. November 2014

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