Idlib, Syrien

Grauen in Permanenz

Eines der Flüchtlingslager in Idlib. Internationale Hilfe wird blockiert. (Foto: Burak Milli / Anadolu Agency)
Es geht immer noch schlimmer. Die Menschen in Idlib sitzen in der Falle. medico-Partner*innen helfen.

Selbst im Zustand permanenten Grauens gibt es noch schockierende Entwicklungen. Idlib, letzter Zufluchtsort für Millionen Syrerinnen und Syrer, die vor den Kämpfen in anderen Landesteilen geflohen sind, aber auch Rückzugsort von islamistischen Rebellengruppen, wird erneut angegriffen: Die syrische Armee hat mit militärischer Unterstützung Russlands eine neue Offensive gestartet. Hunderttausende Zivilist*innen sind im Süden Idlibs auf der Flucht vor den Bomben des Regimes. Dabei wird der Fluchtweg selbst zur Gefahr, schon lange werden in diesem Krieg auch zivile Orte zu Zielen der Bombardements. Der Krieg wird sich auch ins Jahr 2020 fortsetzen, weil die internationale Politik dies in Kauf nimmt oder selbst Akteur des Krieges ist.

Die Türkei hält die Grenze zu Idlib geschlossen und instrumentalisiert die Geflüchteten für eine weitere Drohgebärde in Richtung Europa. Kein Land ermöglicht einen lebensrettenden Ausweg, die Menschen sitzen in der Falle. Die Flüchtlingslager sind überfüllt, die Flüchtenden campieren unter freiem Himmel. In der Hoffnung, dort nicht zu Zielen der Bomben zu werden; in der Hoffnung, doch die Grenze zur Türkei übertreten zu können; in der Hoffnung, dem Krieg doch noch entkommen zu kommen.

Im UN-Sicherheitsrat wurde die Fortsetzung von dringend benötigten, grenzüberschreitenden Hilfsprogrammen nach Syrien mit einem Veto von Russland und China blockiert. Anders als bei der letzten Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien findet der deutsche Außenminister deutliche Worte, fordert das Ende der Bombardierungen und verspricht humanitäre Hilfe. Doch bleibt dies nur Makulatur, wenn Hilfsprogramme politisch blockiert werden. Stattdessen wäre die sofortige Öffnung der Grenze zur Türkei und eine Aufnahme syrischer Flüchtlinge in Europa eine erste richtige Maßnahme.

Das haben wir oft geschrieben in den letzten Jahren. Hilfe einzufordern auch in Zeiten größter Ohnmacht ist auch die Weigerung, schutzgeimpft und gleichmütig gegen das Grauen zu sein – eine politische Handlung.
 

Die medico-Partner*innen im Frauenzentrum in Idlib-Stadt sind unterwegs, um zu helfen und die ankommenden Flüchtlinge zu versorgen, so gut es eben geht. Das Frauenzentrum selbst öffnen sie für Flüchtlinge – jeder noch so provisorische Ort ist besser als im Winter unter freiem Himmel campieren zu müssen.

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