Migration

Gefährliche Wüstenpassage

Die Routen durch die Sahelzone werden immer gefährlicher, die meisten Opfer landen nicht auf einem regulären Friedhof wie diesem bei Agadez. (Foto: Dan Lundberg, CC BY-SA 2.0)
medico unterstützt ein Rechercheprojekt über die gefährliche Situation von Migrant*innen im Transitland Niger, einem wichtigen Fokus der europäischen und deutschen Migrationspolitik.

Nachdem die Migrationsrouten über Mauretanien, Mali und Senegal durch die europäische Migrations- und Sicherheitspolitik weitgehend versiegelt wurden, führt eine der Hauptrouten für Migrant*innen aus West- und Zentralafrika derzeit über Niger in Richtung Libyen. Deshalb steht nun auch Niger im Fokus der entsprechenden europäischen und deutschen Migrationspolitik und erhält umfangreiche Unterstützung durch Entwicklungszusammenarbeit sowie Polizei-, Militär- und Ausrüstungshilfe. Im Gegenzug zeigt sich die Regierung Nigers sehr kooperativ im Hinblick auf die Migrationseindämmung – vielfach unter Missachtung der Rechte von Migrant*innen und auf Kosten der lokalen Bevölkerung.

Der Ausbau der Kooperation zwischen Europa und Niger geht auf Kosten von Migrant*innen und lokaler Bevölkerung. Maßnahmen, die die nigrische Regierung auf Veranlassung ihrer europäischen „Partner“  getroffen hat, wie die Kriminalisierung des Transportwesens und die Unterbindung der Migrationsökonomie sowie die Positionierung von Sicherheitskräften auf frequentierten Pisten und Wasserbrunnen, bringen Migrant*innen zusätzlich in Lebensgefahr. Sie werden dadurch genötigt, gefährliche Umwege zu nehmen und sich auf kriminelle und mafiöse Strukturen zu verlassen.  

Knotenpunkt Agadez

Die Region Agadez als letzter nigrischer Anlaufpunkt für Migrant*innen vor der Passage durch die Sahara stellt einen wichtigen Knotenpunkt dar. Aufgrund der Intransparenz internationaler und nationaler Politik, aber auch vor dem Hintergrund der schwierigen Sicherheitslage in der Region gibt es nur wenige unabhängige und verifizierbare Informationen über die Situation vor Ort. So ist unbekannt, wie viele Migrant*innen auf ihrem Weg durch die Sahara in Schwierigkeiten geraten und den Tod finden.

Informationen für eine sichere Reise

Seit Anfang des Jahres unterstützt medico Alternative Espaces Citoyens (AEC), eine Organisation kritischer und investigativ arbeitender nigrischer Journalist*innen, die insbesondere im Bereich der politischen Bildung und Mobilisierung arbeiten. Im Rahmen eines Pilotprojekts versucht Alternative Espaces Citoyens, Klarheit in die bislang undurchsichtigen Folgen der europäischen und deutschen Migrationspolitik im Niger zu bringen.

Auf Basis von kritischer journalistischer Arbeit werden Informationen aus der stark militarisierten Region geliefert, die für internationale Vertreter*innen der Öffentlichkeit (Medien, NRO, Politik) nur sehr begrenzt zugänglich sind. Auf diese Weise soll Licht in den undurchsichtigen Knotenpunkt von Migrationsrouten gebracht werden, um weitere Handlungsmöglichkeiten zum Schutz von Migrant*innen und lokaler Bevölkerung auszuloten.

Spendenstichwort: Flucht und Migration


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