Seit drei Wochen gehen die Menschen im Iran auf die Straße – gegen das korrupte, repressive und dysfunktionale Regime. Von den Bazaris über Arbeiter:innen bis zu den Studierenden – wirtschaftlicher Kollaps, Perspektivlosigkeit und politische Repression führen überall zu Wut und Verzweiflung: Millionen Menschen teilen den Wunsch nach einer Veränderung und einem freien Leben im Iran.
Es sind die größten und breitesten Proteste in der jüngeren iranischen Geschichte; das Regime scheint so instabil, dass ein Sturz nicht mehr ausgeschlossen ist. Die Machthaber kennen dagegen nur eine Antwort: Waffengewalt, Repression und Internetsperren.
Mindestens 3.400 Tote haben Menschenrechtsbeobachter:innen nach Aufhebung der Internetblockade gezählt; es können auch weit mehr sein. Familienangehörige und Freund:innen öffnen Leichensäcken auf der Suche nach ihren Liebsten und Bekannten – es sind schreckliche Bilder. Auch die Gesundheitsversorgung ist von der massiven Repression betroffen: Die Sicherheitskräfte holen Verletzte aus Krankenhäusern. Ärzt:innen, die im Geheimen operieren, berichten von hundertfachen gezielten Schüsse auf Kopf und Augen.
Ungewisse Zukunft
Die iranische Justiz hat inzwischen die ersten Teilnehmer:innen an den Protesten vor Gericht gestellt. In Schnellverfahren ist erneut die tausendfache Vollstreckung der Todesstrafe zu befürchten.
Währenddessen blicken alle auf Trump und die regionalen Mächte. Kommt es zu einer Intervention von außen? Wird ein Krieg folgen? Wie kann ein demokratischer Übergang gesichert werden, wenn es keine vorbereitete Opposition gibt?
Die Menschen im Iran brauchen jetzt unsere Solidarität und Unterstützung. Für die Befreiung kämpfen sie selbst. Millionen Exil-Iraner:innen sind mit all jenen vereint, die im Iran unter lebensbedrohlichen Umständen für eine Zukunft auf die Straße gehen. Ein demokratischer Neuanfang im Iran ist unabdingbar – und er muss von den Iraner:innen selbst kommen.
Das Regime kann weiter unterdrücken, foltern und hinrichten: Den Widerstand von unten wird es nicht mehr los. medico steht an der Seite der Protestierenden, an der Seite derer, die Hilfe leisten.
Nothilfe für Verletzte und Verfolgte
Offene Menschenrechtsverbrechen, die Angriffe auf Krankenhäuser, die Verhinderung der Versorgung von Verletzten – all dies kennen die Menschen im Iran, zuletzt von den „Jin Jiyan Azadi“-Protesten 2022. Seitdem unterstützt medico ein Netzwerk von Aktivist:innen, das in den Provinzen Kurdistan, Belutschistan und in anderen Teilen des Iran aktiv ist. In diesen von Repressalien des Regimes besonders stark betroffenen Regionen kümmern sie sich um medizinische Behandlungen für Opfer der staatlichen Gewalt und unterstützen Familien, die durch die Ermordung oder Inhaftierung von Angehörigen in ökonomische Not gestürzt sind.
Um die Aktivist:innen zu schützen, können wir über diese Aktivitäten nicht ausführlicher berichten. Aber auch jetzt kümmern sie sich um Verletzte, Angehörige der Toten und tun alles – unter eigener Lebensgefahr –, um die Proteste zu stärken.




