Pharma und Verbrechen
Blick zurück: das rundschreiben 1/2001

Mehr Prominenz geht kaum. In dem medico-rundschreiben vor 25 Jahren zur „Globalisierung des Verbrechens“ finden sich Texte von zwei der bekanntesten europäischen Krimiautoren: ein Nachruf von Henning Mankell auf den kurz zuvor ermordeten mosambikanischen Investigativjournalisten Carlos Cardoso sowie der deutsche Erstabdruck aus dem Buch „Der ewige Gärtner“ von John le Carré über die verbrecherischen Machenschaften eines als fiktiv deklarierten Schweizer Pharmakonzerns in Kenia. Le Carré selbst sagte darüber: „Als meine Reise durch den Pharmadschungel fortschritt, habe ich herausgefunden, daß meine Geschichte, verglichen mit der Realität, zahm wie eine Ferienpostkarte ist. Das Übel sitzt in Basel.“
Dieser Fingerzeig verwies direkt auf ein zentrales Arbeitsfeld von medico: die Auseinandersetzung damit, wem welche Medikamente zugänglich sind. So erzählt das rundschreiben davon, wie 39 Pharmakonzerne Anfang des Jahrhunderts in Südafrika ein Generika-Gesetz zu verhindern versuchten, das die Verfügbarkeit von wirksamen Medikamenten für Aids-Patienten ermöglichen sollte. Eine deutlich günstigere Kopie der lebensrettenden Medikamentenkombination aus Thailand wurde ebenfalls per Klage blockiert. Es war ein bitteres Lehrstück darüber, dass Patente töten und wie weit die Pharmaindustrie zur Sicherung ihrer Profite zu gehen bereit ist. Die Corona-Pandemie führte es einmal mehr vor.
Das rundschreiben stellt auch einen Akteur vor, der Licht in solche dunklen Geschäfte bringt. Bereits Anfang der 1980er-Jahre war medico an der Gründung des pharmakritischen Netzwerks Health Action International beteiligt. Schon bald arbeitete HAI weltweit mit Unterstützung von medico
– sowohl investigativ als auch per Advocacy – daran, den Zugang zu sicheren, wirksamen und bezahlbaren Medikamenten gerechter zu machen. Im rundschreiben heißt es dazu: „Transparenz in solchen (Geld-)Dingen ist keine Wunderwaffe, die das ökonomische Profitgesetz aushebeln kann, aber unerläßliche Voraussetzung für eine hartnäckige Politik an der Seite der Opfer dieser Marktgesetze.“ HAI gibt es noch heute – die Verstrickung von Pharma und Verbrechen leider ebenso.
Das rundschreiben erscheint seit 1982. Die vergangenen 25 Jahre lassen sich digital nachlesen: medico.de/rundschreiben-archiv
