(Frankfurt a.M. / Essen, 29.04.2026) Ein Bündnis von Nichtregierungsorganisationen fordert die RWE AG auf der Hauptversammlung am 30. April auf, wegen der Risiken der eigenen Geschäftstätigkeit die Rückstellungen für die Kompensation von Klimakrisenschäden deutlich zu erhöhen. Gerichtsentscheidungen und die jetzt anhängige Schadensersatzklage von 39 pakistanischen Bäuerinnen und Bauern gegen RWE und zeigen, dass sich große Emittenten ihrer rechtlichen Verantwortung nicht länger entziehen können.
Karin Zennig, Klimareferentin bei medico international: „Während RWE auf der Hauptversammlung glänzende Gewinne präsentiert, hinterlässt es auf der Welt eine Spur der Verwüstung. RWE hat mit seinem Geschäftsmodell wider besseren Wissens über Jahrzehnte die Klimakrise angeheizt und so an der Zerstörung der Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen weltweit verdient. Deswegen klagen unsere Partner in Pakistan, Bauern und Bäuerinnen, die durch die Jahrhundertflut 2022 alles verloren haben, auf Schadensersatz. Das Unternehmen muss für die von ihm verursachte Zerstörung aufkommen, dafür seine Rückstellungen deutlich und angemessen erhöhen und die Schadensersatzforderung unserer Partner begleichen.”
Miriam Saage-Maaß, Legal Director des ECCHR: „Gemeinsam mit einer zunehmenden Anzahl von Menschen an den Frontlinien der Klimakrise, machen die pakistanischen Bauern und Bäuerinnen eine einfache Wahrheit geltend: Wer jahrzehntelang von Umweltzerstörung profitiert hat, darf die menschlichen Kosten seines Geschäftsmodells nicht länger externalisieren. Dabei können sie sich auf ein grundlegendes rechtliches Prinzip berufen: Wer schadet, der haftet. Gerichtsentscheidungen wie letztes Jahr im Fall Lliuya gegen RWE und jüngst in der Schweiz zur Zulässigkeit der Klimaklage gegen Holcim zeigen, dass sich große Emittenten ihrer rechtlichen Verantwortung nicht länger entziehen können. Die Zeit der organisierten Verantwortungslosigkeit ist vorbei.”
Julian Schwartzkopff, Teamleiter Gas-Ausstieg bei der Deutsche Umwelthilfe: „Die RWE AG muss sich gegenüber ihren Aktionärinnen und Aktionären endlich ehrlich machen. Der Konzern rechnet seine Methanemissionen mit fragwürdigen Messmethoden klein und kommt so auf 500-fach niedrigere Werte als unabhängige Berechnungen. Das ist zum einen unseriös und verstößt zum anderen gegen die neuen Berichtspflichten der EU-Methanverordnung. Damit verharmlost RWE den Klimaschaden aus dem Kohleabbau in den Tagebauen Inden, Hambach und Hambach enorm – denn Methan ist ein echter Klimakiller, der in kurzer Zeit großen Schaden anrichtet.“
Fenna Swart, Direktorin des Comité Schone Lucht: „Wir fordern RWE nachdrücklich auf, die beiden niederländischen Kohle- und Biomassekraftwerke Eemshaven und Amer unverzüglich stillzulegen. RWE muss zudem den Übergang zur vollständigen Biomasseverbrennung mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung in diesen Kraftwerken aufgeben. BECCS-Anlagen erzeugen keine negativen Emissionen. Tatsächlich werden viele CO₂-Emissionen, beispielsweise aus der Holzernte, der Holzpelletproduktion, dem Überseetransport und der CO₂-Abscheidungs- und -Speicheranlage selbst, nicht erfasst. RWE muss außerdem die Einfuhr und Verbrennung malaysischer Holzpellets sofort einstellen. Die Holzernte in Malaysia führt zu Entwaldung und zur Trockenlegung von Torfgebieten. Eine entsprechende Anzeige wurde bei der niederländischen Staatsanwaltschaft erstattet.“
Das Wasserbündnis Rheinisches Revier und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre verlangen einen Baustopp für die Rheinwassertransportleitung (RWTL). „Die Genehmigung der Bezirksregierung Arnsberg für die RWTL vernachlässigt wichtige öffentliche Interessen. Ein Aufschub der Arbeiten ist daher zwingend erforderlich“, erläutert Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands. „Zunächst muss die RWE-Tochtergesellschaft RWE Power belegen, dass die Tagebau-Flutung angesichts der Klimakrise verantwortbar ist.Es besteht dasRisiko, dass die CO2-Speicherfähigkeit der Böden für künftige Generationen verloren geht. Zudem fehlen bisher die notwendigen wasserrechtlichen Anträge für die Einleitung des Rheinwassers.“ Erst wenn deren Genehmigungsfähigkeit feststehe, seien weitere Landschaftseingriffe vertretbar, so das Wasserbündnis und der Dachverband. „Bisher ist auch ungeklärt, ob die Wasserqualität des Rheins für die Tagebaue Hambach und Garzweiler geeignet ist. Hierbei müssen das Verschlechterungsverbot und das Verbesserungsgebot der EU-Wasserrahmenrichtlinie zwingend eingehalten werden.“
Die Kampagne „RWE & Co Enteignen“ setzt sich für eine soziale, ökologische und demokratische Energieversorgung ein. „Für viele Menschen bedeuten Energiekrisen höhere Rechnungen, gesundheitliche Belastungen und verlorene Zukunftsperspektiven, während RWE für Blackrock und die Qatar Holding Rekordgewinne erwirtschaftet, so Sara Paolini. „Eine nachhaltige Energiewende muss die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellen und darf nicht auf Kosten der Umwelt und Menschenrechte im In‑ und Ausland vorangetrieben werden. Wir brauchen eine Energiewende, die ökologisch wirksam, sozial gerecht und demokratisch kontrolliert ist. In den letzten Jahrzehnten sind die privatwirtschaftlich organisierten Konzerne ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden. „Wir nehmen das nicht mehr hin und streben eine Vergesellschaftung der Energieproduktion auf Grundlage von Artikel 15 unseres Grundgesetzes an, um eine gemeinwohlorientierte Daseinsvorsorge zu gewährleisten.“
Harald Okun, RWE-Tribunal-Initiative: „Es ist ein Schlag ins Gesicht all jener Menschen im globalen Süden, die bereits heute ihre Heimat durch Fluten und Dürren verlieren, dass RWE sich weigert, eine angemessene Vorsorge für diese Klimafolgeschäden zu treffen. Wer die massiven Haftungsrisiken kleinschreibt, täuscht seine Aktionärinnen und Aktionäre über die existenziellen Gefahren des Geschäftsmodells.“
Unsere Gegenanträge zur Hauptversammlung am 30.04.2026:https://www.kritischeaktionaere.de/rwe/risiken-der-fossilen-geschaefte-unsere-gegeantraege-zur-hauptversammlung-der-rwe-ag-am-30-04-2026/
Kontakt:
Karin Zennig, medico international, Verantwortliche für Klimagerechtigkeit, zennig@medico.de, Mobil-Tel. 0163 – 2558466
Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands, Tel. 0221/5995647, Mobil-Tel. 0173 - 713 52 37
dachverband@kritischeaktionaere.de, www.kritischeaktionaere.de