Pressemitteilung, 27.04.2026

Frankfurter Kulturort Club Voltaire ist gerettet

27.04.2026  

Nach langer Unklarheit über die Zukunft des Club Voltaire, geht die Immobilie, in die der Verein seine Räumlichkeiten hat, in das Eigentum der Stiftung medico international über.

(Frankfurt a.M., 27.04.2026) Die Immobilie im Frankfurter Stadtzentrum, die seit 1962 vom traditionsreichen Club Voltaire genutzt wird, geht zukünftig in das Eigentum der Stiftung medico international über. Die Stadt Frankfurt, insbesondere das Kulturdezernat, hat bei der einvernehmlichen Lösungsfindung mitgewirkt. Die Stiftung unterstützt finanziell die Arbeit der Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international und wird keinen Einfluss auf das inhaltliche Programm des Club Voltaire ausüben.

Lothar Reininger vom Club Voltaire kommentiert wie folgt: „Für uns hätte es keine bessere Lösung geben können. Wir können so unsere jahrzehntelange Arbeit zu internationalistischen Themen fortsetzen, zeitgleich fördert medico international über die Mieteinnahmen die Projekte in der Welt, für die viele Initiativen hier bei uns zusammenkommen. Wir sind dankbar für die breite Unterstützung aus der Frankfurter Stadtgesellschaft, insbesondere aus dem Kultur- und Gewerkschaftsbereich. Ich freue mich über die nun anstehende Zusammenarbeit, das ist gelebte Solidarität.“

Anne Jung, Sprecherin der Stiftung medico international, sagt dazu: „Seit 1968 ist medico international Teil der Frankfurter Stadtgesellschaft. Als solcher tragen wir auch zu ihrem Erhalt bei. Deshalb freut uns die Lösung, bei der uns die Stadt Frankfurt mit begleitet hat, umso mehr. Angesichts weltweiter autoritärer Verschiebungen, die auch vor Deutschland nicht Halt machen, ist die Existenz solcher Orte wichtiger denn je. Demokratie braucht Reflexion und den Blick über den Tellerrand hinaus. Die vorherigen Eigentümer haben diesen sicheren Raum für Debatten jahrzehntelang ermöglicht, wir sehen uns in dieser Kontinuität. Für diesen Blick, für dieses Tor zur Welt stehen der Club und medico gleichermaßen. Frankfurt braucht den Club Voltaire.“

Der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef begrüßt das positive Ergebnis sehr: „Als wir erstmals erfuhren, dass der Club Voltaire vor dem Aus steht, waren wir entsetzt. Kulturdezernentin Ina Hartwig und ich waren uns sofort einig, diese über 60 Jahre alte, traditionsreiche Institution darf nicht untergehen. Das haben wir auch öffentlich erklärt und wir haben alles unternommen, was möglich ist, um das zu verhindern. Heute kann ich Ihnen sagen, der Club Voltaire ist gerettet.“ Der OB weiter: „Ich bin in den vergangenen Jahrzehnten öfter als Gast aber auch immer wieder als einfacher Besucher im Club Voltaire gewesen. Heute wie damals wird in diesem kleinen Club im Schatten der Bankentürme eine offene Debattenkultur gepflegt. Der Club Voltaire ist ein lebendiger Ort, an dem Demokratie gelebt wird. Das ist in der jetzigen Zeit wichtiger denn je. Das Motto von Voltaire: ‚Ich bin zwar nicht Ihrer Meinung, aber ich werde alles tun, dass Sie die Meinung frei äußern können´ gilt noch immer. Das macht die große Bedeutung dieses Clubs in Frankfurt noch immer aus.“

Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig hatte im Vorfeld persönlich mit dem Eigentümer telefoniert und ihn für die Idee eines Verkaufs an medico international erwärmen können. Umso mehr freut sie sich über die jetzt gefundene Lösung: „Ich bin wirklich sehr erleichtert. Es wäre ein großer Verlust gewesen, wenn wir als Stadt den traditionsreichen Club Voltaire verloren hätten. Er hat die politische Diskurs- und Debattengeschichte unserer Stadt entscheidend mitgeprägt. Das Gespräch mit dem Eigentümer war persönlich, sympathisch und zielführend. Ich möchte mich auch herzlich bei medico international bedanken. Ohne das Engagement der Stiftung wäre diese großartige Lösung nicht möglich geworden.“

Über den Club Voltaire
Seit 1962 besteht in Frankfurt am Main der überwiegend ehrenamtlich geführte Club Voltaire. Er versteht sich als Ort für Gegenöffentlichkeit und bietet Information und Aufklärung als Voraussetzung für Emanzipation und Veränderung. Bei Veranstaltungen zu hören waren u.a. Fritz Bauer, Daniel Cohn-Bendit, Bettina Gaus, Anna Seghers, Mikis Theodorakis uvm. Den bundesweiten Appell zum Erhalt des Clubs haben Thomas Bayrle, Barbara Klemm, Willy Praml, Anselm Weber uvm. unterzeichnet.

Über medico international
Frankfurter Medizinstudierende gründen im Mai 1968 medico international. Seitdem arbeitet der Verein in über 30 Ländern weltweit mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, um in Bereichen wie Gesundheit, Psychosoziales, Menschenrechte, Migration und Klimagerechtigkeit ein Leben in Würde für Alle zu erreichen. 1997 bekam die von medico international initiierte weltweite Kampagne für ein Verbot von Landminen den Friedensnobelpreis.

Kontakt für die Medien:
Lothar Reininger, Club Voltaire, + 49 (0) 172 665 38 37, Lotharreininger@ web.de
Timo Dorsch, Pressereferent medico international, +49 (0)160 40 66 331, dorsch@ medico.de
Hanna Immich, Pressesprecherin Dezernat Kultur und Wissenschaft, + 49 (0) 171 1769719, hanna.immich@ stadt-frankfurt.de 


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