An den Grenzen und in der Ukraine, auf den alten und neuen Fluchtrouten, aber auch in anderen vom Krieg betroffenen Ländern

Es ist Krieg in der Ukraine. Ein Angriffskrieg, der Millionen Menschen in Lebensgefahr bringt, die Unterstützung bedürfen. In diesen Tagen fliehen die Menschen aus der Ukraine in die europäischen Nachbarländer. Tröstlich ist zu erleben, dass sie zumeist von einer Welle der Solidarität empfangen werden. Menschenrechte und Solidarität leiten das Handeln.

Wir wissen nicht, was in den nächsten Wochen und Monaten geschehen wird. Wir können jedoch das Versprechen geben, Hilfe und solidarische Unterstützung dort zu gewähren, wo sie dringend gebraucht wird. An den Grenzen und in der Ukraine, mit unseren Partner:innen in Polen und auf den alten und neuen Fluchtrouten. Auch in den indirekt vom Krieg betroffenen Ländern werden wir die Unterstützung fortsetzen.

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Die Organisation Mirnoe Nebo Kharkova (dt.: Friedlicher Himmel über Char‘kiv) wurde nach Beginn des russischen Angriffs von Einwohner:innen gegründet, die in der Stadt blieben. In zwei „Großküchen“ und bis vor kurzem zwei Bäckereien (nach russischem Beschuss nur noch eine) versorgen die etwa 70 Ehrenamtlichen mit medico-Unterstützung zwischen 5.000 und 10.000 Menschen, auch in entlegeneren Gebieten der Stadt und der Region. Diejenigen, die noch zu Hause bleiben können und dort die Möglichkeit haben, selbst zu kochen, erhalten Lebensmittelpakete, die in der Regel den Bedarf für 7 bis 10 Tage abdecken. Ausgebombte und arme Familien und Einzelpersonen, die in Kellern, Schutzbunkern und anderen Zufluchtsorten untergekommen sind, werden täglich mit einer warmen Mahlzeit und weiteren Lebensmitteln verpflegt. Derzeit bereiten deren Küchen mehr als 8.000 Mahlzeiten pro Tag zu. Das Team war auch an der Evakuierung von Teilen der Bevölkerung beteiligt.

Unsere polnische Partnerorganisation Grupa Granica hilft Menschen an der ukrainischen Grenze bei der Orientierung, leistet rechtliche Aufklärung und medizinische Unterstützung und organisiert Transporte. Ein besonderer Fokus ihrer Arbeit liegt auf Schwarzen, Rom:nja und anderen Gruppen, die auf der Flucht Diskriminierung erfahren. Grupa Granica setzt sich für einen gleichberechtigten Zugang zu Unterstützungsleistungen für alle Fliehenden ein und unterstützt auch weiter Flüchtende an der militärisch gesicherten belarussischen Grenze mit Nothilfe und psychologischer Betreuung. Grupa Granica hilft den Menschen, ihr Recht auf Asyl geltend zu machen.

Das europäische Netzwerk landwirtschaftlicher Kooperativen Longo Maï wurde in den 1970er Jahren gegründet, um die Gesellschaft vom Land aus zu verändern. Seit Anfang der 1990er Jahre gehört auch eine Kooperative im westukrainischen Transkarpatien dazu. Seit Beginn des Krieges sind hier und im benachbarten Dorf Hunderte Menschen auf der Flucht vor den Kämpfen gestrandet, die von der Kooperative mit medico-Unterstützung untergebracht und versorgt werden. Dabei entwickeln sich auch dauerhafte Perspektiven in der Region. Mit ihrem Konzept der selbstverwalteten ökologischen Landwirtschaft trägt Longo Maï in der Ukraine und an anderen Standorten zur langfristigen Ernährungssicherung bei.

Das Commons: Journal of Social Criticism ist ein linkes ukrainisches Medienkollektiv, das 2009 gegründet wurde und heute als eine der wichtigsten linken Stimmen in der ukrainischen Zivilgesellschaft gilt. Immer wieder hat das commons-Kollektiv Debatten über die strukturellen Ursachen von sozialen Ungerechtigkeiten angestoßen und sich der Frage gewidmet, wie eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Diskriminierung verwirklicht werden kann. 

Mithilfe von medico kann commons seine Arbeit auch während des Krieges weiterführen. Themen sind zurzeit unter anderem die internationalen Folgen des Krieges, progressive Perspektiven für den Wiederaufbau und Fragen von Hilfe und Solidarität.

Das feministische Netzwerk FemFund (Fundusz feministyczny) ging 2018 aus der Gegenbewegung zur anti-feministischen Politik der polnischen Regierung hervor und unterstützt kleinere Initiativen bei Projekten zu sozialer Gerechtigkeit, Ausbeutung, Umweltzerstörung und Feminismus. Seit Beginn des russischen Angriffs engagiert sich FemFund von Polen aus zusammen mit kleineren Organisationen für den Schutz und die Rechte von Frauen und Mädchen, Trans-Personen, BIPOC, Menschen mit Behinderungen und marginalisierten Gruppen in der Ukraine, die mit Nothilfemaßnahmen unterstützt werden. In Polen werden Flüchtende versorgt, psychosoziale und rechtliche Hilfe bereitgestellt und den Menschen langfristig ein Ankommen in Polen ermöglicht.

Zaborona (dt. „Tabu“) ist ein ukrainisches Medienkollektiv, das unabhängig von staatlichen Geldern oder der Finanzierung durch Oligarchen agiert. Zaborona wurde im Jahr 2018 gegründet und fokussiert in seinen Nachrichten und Recherchen auf Themen wie Menschenrechtsverletzungen, Migration, Sicherheitspolitik und organisiertes Verbrechen. Zurzeit veröffentlicht Zaborona mit medico-Unterstützung über die Situation im Land und das Kriegsgeschehen. Dabei unterstützt das Kollektiv auch andere Organisationen, die Kriegsverbrechen dokumentieren.

In Zusammenarbeit mit Asmaras World e.V. aus Hamburg, der sich für BIPOC (Black, Indigenous and People of Colour) einsetzt, unterstützt medico BIPOC in der Ukraine und auf der Flucht mit Transfers nach Deutschland, wo bei der Orientierung geholfen und soziale Begleitung, Unterbringung, psychologische und medizinische Versorgung koordiniert werden. Um diese Personengruppen in ihren rechtlichen Belangen zu unterstützen, wird zudem bei der Suche nach Rechtsberatung unterstützt.

In Somalia stärkt die Nomadic Assistance for Peace and Development (NAPAD) seit über zehn Jahren die klimaangepasste Subsistenzwirtschaft von Kleinbäuer:innen. Der Krieg in der Ukraine verschärft die schwelende Ernährungskrise am Horn von Afrika: Weizen fehlt, Preise steigen. Zum Schutz der Ernährungssicherheit fördert NAPAD die Verbesserung der Bewässerungssysteme und unterstützt den Ausbau der lokalen Landwirtschaft.

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Hilfe muss in diesen erschütternden Zeiten Zeugnis ablegen über die Welt, der sie begegnet

Seit über 50 Jahren leistet medico mit Partner:innen aus aller Welt Hilfe im Handgemenge. Es ist unser Auftrag, auch die Opfer des Krieges wahrzunehmen, die angesichts unseres Erschreckens über einen Krieg mitten in Europa übersehen zu werden drohen: Der Krieg in der Ukraine hat eine globale Dimension und Dynamiken, die von der Politik eine globale Strategie erfordern. Schon jetzt steigen die Brotpreise in Ägypten und Libanon, denn die Ukraine und Russland waren entscheidende Getreidelieferanten für diese Länder.

Diese Zusammenhänge zu sehen und von der Politik ein verantwortungsvolles Handeln einzufordern, wird weiter unser Auftrag sein. Dazu gehört es auch wachsam zu sein, wenn infolge militärischer Eskalation Zögern, Zivilität und Antimilitarismus plötzlich auf der Anklagebank sitzen. Der Raum für eine kritische Auseinandersetzung muss offen gehalten werden. Als Gründungsorganisation der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen wissen wir, dass Frieden nicht durch einen exorbitant gesteigerten Rüstungsetat gesichert werden kann.

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