Seit Februar 2022 unterstützt medico Akteur:innen, die sich in der Ukraine und benachbarten Ländern der Logik des Krieges widersetzen.
Während der Krieg in der Ukraine unvermindert weitergeht, schwindet die internationale Solidarität mit der vom Krieg geplagten Bevölkerung. Hilfsgelder werden gekürzt, die Spendenbereitschaft sinkt und die Solidarität, die den Menschen aus der Ukraine zu Beginn zu Teil wurde, weicht einer Logik des Krieges. Solidarität wird nur mehr militärisch gedacht.
Die verbliebenen Hilfsgelder fließen zu großen Teilen in die umkämpften Gebiete nahe der Front. Die Situation von Binnenvertriebenen in anderen Teilen der Ukraine ist nach knapp 5 Jahren Krieg prekär, für sie gibt es kaum Unterstützung. Deshalb bleiben viele Menschen trotz aller Gefahren in den Frontgebieten – oder kehren nach einer Evakuierung sogar dorthin zurück.
Unsere Partnerorganisationen helfen weiter. Sie leisten überall in der Ukraine Hilfe für Geflüchtete und Binnenvertriebene – egal welcher Herkunft; sie versorgen Überlebende medizinisch und mit Lebensmitteln und streiten trotz der Übermacht des Militärischen für eine andere Ukraine.
Unsere Kooperationen in der Ukraine und angrenzenden Ländern:

Responsible Citizens ist im Jahr 2014 aus einer Freiwilligenbewegung in der Ostukraine hervorgegangen. Die 300 Mitarbeitenden der Organisation sind in fünf besonders vom Krieg betroffenen Regionen in der Ost- und Südostukraine tätig, um dort lebende Zivilist:innen und Binnenvertriebene mit Nothilfe und psychosozialer Hilfe zur unterstützen. Ziel ist es, die Menschen aus den umkämpften Gebieten zu evakuieren und dabei zu unterstützen, ein Leben in Würde aufrechtzuerhalten bzw. wiederzuerlangen.
Alle Mitarbeitenden stammen selbst aus der Ostukraine, inzwischen sind 97 Prozent von ihnen Frauen. Responsible Citizens ist Teil des ukrainischen Netzwerks für Kinderrechte und der Plattform für humanitäre NGOs in der Ukraine und arbeitet mit verschiedenen nationalen und internationalen humanitären Akteuren zusammen. Darüber versucht die Organisation, Einfluss auf die Koordination der humanitären Hilfe in der Ukraine zu nehmen.

Mirnoe Nebo Charkova (auf Deutsch „Friedlicher Himmel über Charkiw“) wurde 2022 von Einwohner:innen der Stadt Charkiw aufgebaut, die ihre Stadt auch nach Beginn der russischen Vollinvasion nicht verließen. Schon bald danach hat medico als eine der ersten internationalen Organisationen begonnen, mit Mirnoe Nebo zusammenzuarbeiten und mehrere Nothilfe-Projekte in Charkiw und umliegenden Gebieten unterstützt.
Im Verlauf der bisherigen Zusammenarbeit stand auch die Weiterentwicklung der administrativen Fähigkeiten von Mirnoe Nebo im Vordergrund, dank der sich die Organisation so professionalisiert hat, dass sie inzwischen mit vielen internationalen Gebern zusammenarbeitet und in verschiedenen Teilen der Ost- und Zentralukraine Hilfsprojekte umsetzt. Dabei ist Mirnoe Nebo nicht mehr auf die Arbeit von Freiwilligen angewiesen, sondern kann den Mitarbeiter:innen inzwischen ein stabiles Einkommen zahlen, das ihr Auskommen sichert.

Bereits kurz nach Beginn der russischen Vollinvasion begann medico, die selbstverwaltete Kooperative Longo Maï in Transkarpatien, nahe der rumänischen und ungarischen Grenze, zu unterstützen. In den ersten Kriegsmonaten organisierten die Mitglieder nicht nur die Aufnahme hunderter Binnenvertriebener, sondern führten gemeinsam mit ihren Netzwerken auch Evakuierungen und Transporte von Hilfsgütern in die Ostukraine durch. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung kümmert sich Longo Maï um die Versorgung der Binnenvertriebenen und bietet psychosoziale Unterstützung. Inzwischen schaffen die Mitglieder und Unterstützer:innen auch längerfristige Bleibe- und Zukunftsperspektiven in der Westukraine.

Das Commons: Journal of Social Criticism ist ein linkes ukrainisches Medienkollektiv, das als eine der wichtigsten linken Stimmen in der ukrainischen Zivilgesellschaft gilt. Das Kollektiv macht seit vielen Jahren auf die strukturellen Ursachen von sozialen Ungerechtigkeiten aufmerksam, kritisiert neoliberale politische Entwicklungen und fördert egalitäre Positionen in ukrainischen Diskursen. Mithilfe der Unterstützung von medico kann Commons seine Arbeit auch während des Krieges weiterführen und die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Monate kritisch begleiten.
So beschäftigt sich das Kollektiv zurzeit u.a. mit der Kürzung von Sozialpolitiken seit Kriegsbeginn, den internationalen Folgen des Krieges, Fragen von Hilfe und Solidarität sowie progressiven und inklusiven Perspektiven für den Wiederaufbau. Zudem arbeiten die Mitglieder von Commons aktiv an der Aufrechterhaltung und Stärkung von regionalen und internationalen Netzwerken.

Auch Roma und Romnja sind massiv von den Kriegshandlungen in der Ukraine betroffen. Über 100.000 von ihnen haben die Ukraine bereits als Kriegsflüchtlinge verlassen und sind in den Aufnahmeländer oft von Rassismus und Diskriminierung betroffen. Viele Rom:nja sind staatenlos oder ohne gültige Pässe auf der Flucht –sie haben große Schwierigkeiten, einen Schutzstatus zu erhalten. Immer wieder wird von Rom:nja berichtet, die auf der Flucht verschwunden und dem Menschenhandel in die Hände gefallen sind.
In diesem Kontext hat die polnische Stiftung Towards Dialogue (Fundacja w Stronę Dialogu) eine wichtige Funktion in der Unterstützung von Romn:ja auf der Flucht eingenommen. Schon seit vielen Jahren ist sie im Bereich der Antidiskriminierungsarbeit und der Förderung von interkulturellem Dialog aktiv. Seit Kriegsbeginn organisiert die Stiftung mit medico-Hilfe sichere und würdevolle Unterbringungen für Romn:ja auf der Flucht vor dem Krieg und geht mit Integrationsprogrammen, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit gegen Antiziganismus vor.
Projekte – Projektionen






