#Beirut

Hilfe für den Libanon

Jetzt spenden und die libanesische Zivilgesellschaft unterstützen!

Beirut liegt in Trümmern: Es sind dramatische Bilder einer Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt, die um die Welt gehen. Die Druckwelle hat in einem Radius von 5 Kilometern riesige Schäden angerichtet und weite Teile der Millionenstadt getroffen. Es wurden mittlerweile über 100 Tote und über 5.000 Verletzte bestätigt, weit höhere Opferzahlen werden befürchtet. Der Gouverneur von Beirut spricht von bis zu 250.000 Menschen, die ihre Unterkünfte verloren haben. Die Menschen vor Ort benötigen dringend Hilfe.

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medico-Partner im Einsatz

AMEL, eine der wichtigsten Gesundheitsorganisationen des Landes und langjähriger medico-Partner, ruft derzeit zu Blutspenden auf, sammelt Kleidung und Nahrungsmittel. AMEL betreibt mit medicos Unterstützung mehrere Gesundheitszentren in den südlichen Stadtvierteln Bourj el Barajneh, Hay el Sollom, und Haret Hreik.

„Fast jede Wohnung ist beschädigt, es gibt unzählige Verletzte, die Krankenhäuser sind überlastet und es ist noch gar nicht abzusehen, wie tief die Folgen langfristig sein werden. Der Hafen ist fast komplett zerstört“, berichtet der libanesische medico-Partner Anti Racism Movement.

Tiefe Krise

Die Explosion ist eine Katastrophe, die mit Ansage kam. Sie ist erneuter Ausdruck eines Regierungs- und Staatsversagens, gegen das seit Jahren und im letzten Herbst mit großen Demonstrationen aufbegehrt wurde. Bevor die Massenproteste 2019 begannen, hatten Brände das Land erschüttert und massive Versäumnisse der Ausstattung von Feuerwehr und Katastrophenschutz offengelegt. Gefordert wurde dann auf der Straße der Rücktritt der gesamten politischen Klasse. Doch fast niemand ist seitdem gegangen. Die organisierte Verantwortungslosigkeit, Korruption und Arroganz ging weiter: Die Explosion von 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat, über Jahre gelagert in einem Hafendepot mitten in der Stadt, ist der vorläufige tödliche Tiefpunkt dieser Politik.

Die tiefe Krise im Libanon, die lange vor Corona begann und sich in der Pandemie dramatisch zugespitzt hat, wird sich jetzt nochmals verschärfen. Die Infrastruktur liegt brach, Hunderttausende wurden seit Monaten nicht ausreichend mit Lebensmitteln, mit Medikamenten oder ärztlicher Hilfe versorgt. Der zerstörte Hafen ist das wichtigste Nadelöhr für Importe, auf die der Libanon und die gesamte Region – insbesondere das internationale Hilfsprogramm für Syrien – angewiesen sind. Strom wird rationiert, Müll nicht abtransportiert, Arbeit ist knapp und die libanesische Währung hat seit letztem Jahr 80% an Wert verloren. Hinzu kommen 1,5 Millionen geflüchtete Syrer*innen und hunderttausende migrantische Arbeiter*innen.

Spendenaufruf

medicos Partnerorganisationen streiten gemeinsam mit der libanesischen Zivilgesellschaft für politische Veränderung und Solidarität. Sie leisten die Unterstützung, die die Regierung nicht bietet. Es kommt jetzt auf sie an. Es geht um Hilfe in der Katastrophe und um Unterstützung bei einem Systemwechsel, der schon begonnen hat und dringender ist denn je.

Mit einer Spende unterstützen Sie die medico-Partner bei akuten Nothilfemaßnahmen für die betroffenen Menschen in Beirut.

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Die akute Hilfe der medico-Partnerorganisationen

Anti-Racism Movement

Schon seit Mai 2020 steht die feministische medico-Partnerorganisation Anti-Racism Movement migrantischen Arbeiterinnen zur Seite, die aufgrund der Corona-Pandemie ihre Anstellung in den Häusern der libanesischen Mittelschicht verloren haben: mit Überlebenshilfen, in von ihr betriebenen Gemeindezentren, mit Rechtsberatung und anwaltlichem Beistand.

Durch die Explosion im Hafen von Beirut sind auch Mitarbeiter*innen und Freiwillige des Anti-Racism Movement obdachlos geworden. Dennoch leisten die Aktivist*innen Hilfe für andere Betroffene der Katastrophe. medico unterstützt bei den Sofortmaßnahmen: Die Verteilung von Hilfsgütern wurde ausgeweitet, vor allem für diejenigen, die durch die Explosion jegliche Lebensgrundlage verloren haben: Wasser, Nahrungsmittel und medizinische Materialien zur Wundversorgungen waren besonders in den ersten Tagen nach der Explosion stark nachgefragt.

Nun plant das Anti-Racism Movement, bei der Instandsetzung zerstörter Wohnungen zu helfen. Die Bedrohung durch Covid-19 wird nicht kleiner. Deshalb ist es besonders wichtig, die Menschen von der Straße und aus überfüllten Sammelunterkünften zu holen und ihre Unterkünfte wieder bewohnbar zu machen.

Amel Association

Gegründet in der Zeit des libanesischen Bürgerkriegs, verfolgt die Organisation Amel das Prinzip „Gesundheit für alle“ – unabhängig von Religion, Pass oder Einkommen. Die staatliche Gesundheitsversorgung ist im Libanon absolut unzureichend. Im ganzen Land betreibt die Organisation deshalb 24 Gesundheitszentren und sechs mobile Kliniken für alle Bedürftigen, seien sie Libanes*innen wie Flüchtlinge. Im Osten des Landes, in der Bekaa-Ebene leben hunderttausende Syrer*innen in informellen Siedlungen und werden von Amel versorgt.

Zwei der insgesamt sechs Gesundheitszentren von Amel in Beirut liegen in den von der Explosion betroffenen Stadtvierteln. Zum Glück wurden diese von der Explosion kaum beschädigt und in den Stunden nach der Explosion konnten hier hunderte Verletzte versorgt werden. Noch am selben Abend rief Amel zu Blutspenden auf, um den hohen Bedarf decken zu können. Inzwischen sind auch zwei der mobilen Kliniken aus der Beeka-Ebene in Beirut im Einsatz. So können Verletzte schnell versorgt werden, denn auch bei der Beseitigung der Trümmer kommt es immer wieder zu Unfällen.

Da die Stadtkliniken schnell überfüllt waren, hat Amel außerdem in Schulen Notunterkünfte für die plötzlich obdachlos gewordene Bevölkerung eingerichtet. Hier werden auch Lebensmittel verteilt. Besonders hilfsbedürftig sind alte Menschen, die in ihren Wohnungen eingeschlossen sind und sich nicht selber versorgen können. Aber auch Kinder, die ihre Eltern nicht wiederfinden oder Schwangere, die unter den aktuellen Umständen keine ausreichende Versorgung erhalten, benötigen akut Hilfe. Schon jetzt gehen Amel allerdings die Medikamente aus und die Beschaffung von Nachschub ist auch angesichts der generellen Krise, in der sich der Libanon befindet, nicht einfach.

Nashet

Freiwillige der medico-Partnerorganisation Nashet, die im marginalisierten palästinensischen Flüchtlingsviertel Ein El Hilweh Jugendliche betreut und Frauen bei der Selbstorganisation unterstützt, haben noch am Tag der Explosion Blutspenden organisiert und sind dann ins Zentrum von Beirut aufgebrochen, um bei der Beseitigung der Trümmer zu helfen. Diese Arbeit wird fortgesetzt.

The Public Source

Seit diesem Jahr unterstützt medico international das Medienprojekt The Public Source, das sich um Offenlegung relevanter Informationen aus dem politischen Betrieb des Landes bemüht und kritische Hintergrundberichte veröffentlicht. Auch in diesen Tagen sorgen die Aktivist*innen für eine kritische Berichterstattung, sind bei Demonstrationen und Protesten dabei, die sich gegen das Versagen von Regierung und Behörden wenden und einen demokratischen Neuanfang fordern.

Veröffentlicht am 05. August 2020

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