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Flüchtlingshilfe weltweit

Weltweit sind Menschen auf der Flucht vor Krieg, Armut und Hoffnungslosigkeit. medico-Partner helfen. Unterstützen Sie ihre Arbeit mit einer Spende!

medico international unterstützt lokale Partner bei der Arbeit mit Flüchtlingen in humanitären Notsituationen, bei ihrer rechtlichen und politischen Interessensvertretung, in der psychosozialen und medizinischen Begleitung von Abgeschobenen - weltweit. Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu allen medico-Projekten und Partnern im Kontext Flüchtlingshilfe.

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medico international ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Spenden sind daher steuerlich absetzbar. Das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) bescheinigt medico international einen sorgfältigen und verantwortungsvollen Umgang mit Spendengeldern.


BALKAN

Der ‪‎MovingEurope‬-Bus ist seit Oktober 2015 entlang der so genannten Balkanroute aktiv. Als die Grenzen noch durchlässiger waren, versorgte er Flüchtlinge mit Strom für Mobiltelefone, Internet und Infos für eine sichere Reise. In dieser Zeit hat die Crew ein Netzwerk von Aktivistinnen und Aktivisten aufgebaut, die sich an verschiedenen Grenzübergängen um Flüchtlinge kümmern. Innerhalb kürzester Zeit können so Informationen ausgetauscht werden, insbesondere auch über die Menschenrechtslage. Der Bus selbst ist seit einigen Wochen im griechischen Idomeni stationiert, wo tausende Flüchtlinge am verschlossenen Grenzübergang Richtung Mazedonien festsitzen. Er hat Decken und Planen sowie Erste-Hilfe-Kits für Notfälle an Bord. In Rücksprache mit lokalen UnterstützerInnen wird außerdem flexibel und zügig besorgt, was gerade am nötigsten gebraucht wird. Seien es Gummistiefel, Hygieneartikel oder Wasser. Außerdem versuchen die Kollegen und Kolleginnen in individuellen Fällen zu beraten, zum Beispiel ob eine Familienzusammenführung über die Dublin-Verordnung aussichtsreich ist, oder was es bedeutet, wenn sich Flüchtlinge auf das Relocation-Programm der EU einlassen. Ganz wichtig ist außerdem die Beobachtung der Menschenrechtslage.

Idomeni. Foto: Moving Europe
Idomeni am 9. März. Die Zelte sind überflutet und die Leute sitzen im Dreck. (Foto: Moving Europe)

MITTELMEER

Seit Oktober 2014 betreibt die Initiative Watch the Med ein Alarmtelefon, bei dem Flüchtlinge anrufen können, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten sind. Rund um die Uhr sitzen Ehrenamtliche am Telefon. Es sind etwa 100 Leute aus verschiedenen Städten und Ländern beteiligt. Quasi ein selbstorganisiertes Callcenter.

Wenn ein Anruf eingeht, erfragen die AktivistInnen zunächst die GPS-Daten, um das Boot zu orten. Dann bleiben sie mit den Leuten auf See in Kontakt, holen Informationen über die Anzahl der Passagiere und ihren Zustand ein, laden die Satellitentelefone auf. Denn viele Flüchtlinge sind inzwischen zwar mit solchen Telefonen ausgerüstet, aber in Seenot ist ihr Guthaben schnell verbraucht. Die erfragten Daten geben die Freiwilligen von Watch the Med dann an das MRCC in Rom (Maritim Rescue Coordination Centre) in Rom weiter. Gleichzeitig prüfen sie, ob Handelsschiffe in der Nähe sind, die zur Rettung eingesetzt werden können.

Die AktivistInnen von Watch the Med bekommen am Telefon unmittelbar mit, was mit den Flüchtlingen in Seenot passiert. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass die Zahl der Toten auf dem Mittelmeer nicht noch viel höher ist.

Geflüchtete auf Lesvos lesen im Info- und Orientierungs-Guide, der von medico finanziert und von AktivistInnen vor Ort verteilt wurde. (Foto: W2EU)

GRIECHENLAND / TÜRKEI

Trotz des Rückübernahmeabkommens mit der Türkei und der ersten Abschiebungen von Flüchtlingen aus Griechenland versuchen nach wie vor zahlreiche Menschen, über die Ägäis nach Griechenland und damit in die EU zu gelangen. Wenn sie von der Türkei aus in See stechen, haben sie oft schon einen weiten und gefährlichen Weg aus Afghanistan, Irak, Iran, Somalia oder Syrien hinter sich. Viele haben Krieg und Verfolgung in ihren Herkunftsländern erlebt oder wurden unterwegs Opfer von Verbrechen. Beim Grenzübertritt in die EU riskieren sie erneut ihr Leben.

Gemeinsam mit Pro Asyl unterstützt medico in Griechenland und der Türkei so genannte Refugee Support Teams. Die Teams aus RechtsanwältInnen und DolmetscherInnen stehen besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen wie unbegleiteten Minderjährigen und Folteropfern zur Seite und intervenieren gegen illegale Haft und Abschiebungspraktiken. Zudem dokumentieren sie Menschenrechtsverletzungen sowie illegale Push Backs, Schiffsunglücke und Todesfälle an den Grenzen und begleiten Opfer und ihre Angehörigen.

Angesichts der historisch hohen Zahlen von Schutzsuchenden, die seit 2015 die Route über die Ägäis nach Europa wählen und der damit einhergehenden humanitären Katastrophe in Griechenland, ist es heute wichtiger denn je, dass kompetente RechtsanwältInnen und DolmetscherInnen den Schutzsuchenden sowohl in der Türkei als auch in Griechenland zur Seite stehen. Insbesondere in Athen, auf den griechischen Inseln Chios und Lesbos sowie auf der türkischen Seite in Izmir sind die Teams im Einsatz.

Durch die Dokumentation der Zustände drängen sie auf ein solidarisches Aufnahmesystem in der EU, das die Verantwortung für die Flüchtlinge nicht länger an Griechenland und die Türkei delegiert.

DEUTSCHLAND

Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. (BAfF) ist der Dachverband der Behandlungszentren für Opfer von Menschenrechtsverletzungen und politischer Verfolgung. Derzeit sind in der BAfF 30 psychosoziale Behandlungszentren, Initiativen und Einrichtungen für die medizinische, psychotherapeutische und psychosoziale Versorgung und Rehabilitation von Opfern von Folter und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen vernetzt.

Vor dem Hintergrund des enormen Anstiegs der Flüchtlingszahlen in den letzten Wochen und Monaten und der großen Bereitschaft in der Gesellschaft, sich für Geflüchtete zu engagieren geht es darum, nachhaltige Strukturen der gesundheitlichen Versorgung zu schaffen und den Zugang zur Regelversorgung für Geflüchtete zu erkämpfen

Damit spontane Solidarität zu nachhaltigem Engagement und eine angemessene psychosoziale Versorgung von Geflüchteten langfristig gesichert wird, wird eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die die Anfragen bündelt, Akteure vernetzt, Qualitätsstandards verteidigt, fachliche und politische Bildung anbietet und sich für das gleiche Recht auf Gesundheit einsetzt.

Das Asylbewerberleistungsgesetz verhindert eine Vielzahl von Gesundheitsleistungen für Flüchtlinge in Deutschland. Die Folge sind Elend, Gesundheitsschäden und manchmal Todesfälle. Diese Minderversorgung ist zudem noch teurer als die Regelversorgung von Kassenpatienten. Mehrkosten entstehen durch das aufwändige behördliche Verfahren, das überwiegend in der Hand von VerwaltungsmitarbeiterInnen ohne medizinischen Sachverstand liegt, und durch Nichtbehandlung oder Verschleppung von Krankheiten, die sich zu teuren Notfällen auswachsen. Dies soll offensichtlich von Zuwanderung nach Deutschland abschrecken. Dabei gibt es keinerlei Belege dafür, dass eine bessere Gesundheitsversorgung zu erhöhter Zuwanderung führte.

Die 33 Medibüros und Medinetze in Deutschland sind zusammen mit kooperationswilligen ÄrztInnen, Krankenhäusern und Hebammen aktiv, um im ständigen Kontakt mit den Betroffenen wenigstens örtlich eine ausreichende menschenrechtlich basierte Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Gemeinsam mit den Medibüros und Medinetzen in Deutschland sowie dem Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte ruft medico international an den Bundestag dazu auf, die medizinische Minderversorgung von Asylsuchenden und Flüchtlingen zu beenden. Wir fordern die Streichung des § 4 des AsylbLG und eine medizinisch bestimmte Krankenversorgung aller Asylsuchenden, Flüchtlinge, Geduldeten und Papierlosen durch Integration in gesetzliche Krankenkassen, denn ausreichende Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht. Medico fördert die Informationsplattform zum Thema „Gesundheit für Geflüchtete“, die sich an ÄrztInnen, Aktive und Geflüchtete in Deutschland richtet:

SYRIEN / IRAK

Im kurdischen Kanton Cizîrê (Syrien) haben 6.000 JesidInnen im Camp Newroz am Rand der Stadt Dêrik Zuflucht gefunden. Ihnen war im Herbst vergangenen Jahres die Flucht vom Schingal-Berg gelungen, als Einheiten des IS ihre Dörfer einnahmen, Männer abschlachteten und Frauen entführten. Camp Newroz ist weitgehend von der internationalen Hilfe abgeschnitten, auch die nahe Grenze zur Türkei öffnet sich nur sporadisch. medico lieferte im April Lebensmittelpakete für die 750 Familien im Camp.

Im palästinensischen Flüchtlingsviertel Jarmuk in Damaskus leistet die Jafra Foundation überlebenswichtige Hilfe für die Bevölkerung. Ab Mitte 2012 war Jafra erstmals mit der Versorgung von Flüchtlingen konfrontiert. Seitdem leistet die Foundation humanitäre Hilfe für syrische und syrisch-palästinensische Bürgerkriegsopfer. Im Juli 2013 wurde Jarmuk von der syrischen Armee und Assad-treuen palästinensischen Milizen abgeriegelt. In der Folge sind 170 Menschen in Jarmuk verhungert und über 1500 Bewohner aufgrund der Kämpfe zwischen den Assad-treuen und oppositionellen Kräften getötet worden. Am 1. April 2015 kam es sehr überraschend zu einer Offensive des bis dahin in Jarmuk weitgehend unbedeutenden Islamischen Staates (IS).

Nach 5 Jahren Bürgerkrieg sind ca. 12,2 Millionen Menschen (UN OCHA 05/2015) innerhalb Syriens auf humanitäre Hilfe angewiesen. Innerhalb dieser Gruppe sind die palästinensischen Flüchtlinge noch einmal besonders hart von der Situation betroffen. Die ungeklärte Staatszugehörigkeit sowie die Weigerung vieler Länder weiterhin palästinensische Flüchtlinge aufzunehmen hat dazu geführt, dass sie quasi in Syrien gefangen sind.

Prekäre Verhältnisse im Flüchtlingslager Newroz in der Provinz Hassaka. (Foto: Mark Mühlhaus, attenzione)

LIBANON

Heute leben 1,2 Millionen Menschen aus Syrien im Libanon – offiziell. Laut UN kommen mindestens noch 500.000 illegale Flüchtlinge hinzu. Die syrische Diaspora macht zusammen mit den palästinensischen Flüchtlingen ein Viertel der Gesamtbevölkerung im Libanon aus. Im Vergleich müsste Deutschland etwa 24 Millionen Flüchtlinge aufnehmen.

In Arsal in der nördlichen Bekaa-Ebene lebten früher 40.000 Einwohner, durch die Flüchtlinge sind es heute 80.000. medico-Partner Amel, eine landesweit arbeitende Gesundheitsorganisation, betreibt hier eine lokale Klinik. Eigentlich diente sie der Versorgung der armen Landbevölkerung, die sich das teure private Gesundheitssystem nicht leisten kann. Seit Beginn der syrischen Flüchtlingskrise aber leistet Amel permanente Nothilfe. Versorgt werden die, die kommen und nichts haben. Es geht um Tuberkulose, Auszehrung, Durchfall- und Hautkrankheiten, Schussverletzungen. Hinzu kommt die Sicherheitslage. Seitdem syrische Rebellengruppen in den nahen Bergen aktiv sind, haben sich viele Hilfsorganisationen aus Arsal zurückgezogen. Amel ist geblieben.

GAZA

In Gaza gibt es mittlerweile 442 neue Flüchtlingsfamilien, die neben Syrien (50%) größtenteils aus Libyen (43%), zum geringen Teil auch dem Jemen (7%) geflohen sind. Es sagt schon viel über die Situation in den Herkunftsländern der Flüchtlinge aus, wenn sie sich selbst in Gaza besser aufgehoben fühlen.

Der medico-Partner Palestinian Medical Relief Society (PMRS) hat in der Vergangenheit die Flüchtlinge in Gaza immer wieder durch Gesundheitsversorgung unterstützt. Diese Hilfe wurde mit dem selbstorganisierten Komitee der Flüchtlinge koordiniert bzw. von diesem angefordert. Die meisten von ihnen sind Nachfahren palästinensischer Flüchtlinge des Krieges von 1948, die in ihren jetzigen Herkunftsländern geboren worden waren, aber Flüchtlingsstatus hatten.

medico plant unter anderem mit Mitteln des Auswärtigen Amtes, die Unterstützung für diese besonders hilfebedürftige Gruppe zu intensivieren. Alle Familien sollen freie Gesundheitsversorgung in allen Einrichtungen der PMRS im gesamten Gazastreifen erhalten. Außerdem planen PMRS und medico Winterhilfe und die Verteilung von Hilfsgütern an die Flüchtlingsfamilien und Kriegsopfer aus dem Gazastreifen.

ISRAEL

In Israel leben nach Schätzungen von NGOs derzeit ca. 45.000 Flüchtlinge. Auf steigende Flüchtlingszahlen vor allem aus Afrika hatte Israel mit dem Bau eines Zauns an der ägyptischen Grenze reagiert. Daraufhin sank die Zahl derer, die es ins Land schafften, um neunzig Prozent. Mittlerweile wird an der jordanischen Grenze ebenfalls ein dreißig Kilometer langer Grenzzaun gebaut, um syrische Flüchtlinge fernzuhalten.

Da die meisten afrikanischen Flüchtlinge aus dem Sudan oder Eritrea kommen und sich Israel dazu verpflichtet hat, Menschen nicht dorthin zu deportieren, wird versucht, diese in Drittländer abzuschieben oder zur „freiwilligen Ausreise“ zu bewegen. Über 9.000 Menschen haben Israel zwischen Januar 2013 und Dezember 2014 „freiwillig“ verlassen, 1.205 von ihnen sind in sogenannte sichere Drittländer (Uganda und Ruanda) und nicht in ihre Heimatländer „ausgereist“.

Die Flüchtlinge in Israel sind auf die Unterstützung durch Nichtregierungsorganisationen und eigene Netzwerke angewiesen. Die Ärzte für Menschenrechte – Israel (PHR-IL), langjährige medico-Partner, betreiben eine offene Klinik in Jaffa, in der sie täglich medizinische Erst- und Folgeversorgung für nicht versicherte Personen anbieten, chronisch Kranke behandeln und psychologische Beratungen durchführen. Jährlich werden in der offenen Klinik etwa 6.000 Patienten und Patientinnen behandelt, für das Jahr 2015 rechnen die Physicans mit weiteren 1.000 neuen Patienten und Patientinnen. Über die medizinische Versorgung hinaus bietet die Klinik rechtliche Unterstützung und betreibt Lobbyarbeit für Flüchtlingsrechte.

Über 5000 Menschen demonstrieren Ende 2013 gegen die "Offene Internierungsanstalt Holot". (Foto: Activestills)

ÄGYPTEN

Flüchtlinge in Ägypten erhalten oftmals erst nach einem jahrelangen Registrierungsprozess beim UNHCR einen offiziellen Status und sind währenddessen auf informelle Zugänge zu Gesundheit, Arbeit und Unterkunft angewiesen, was sie verletzlich für Gewalt und Erpressung auch durch Polizei und Behördenmitarbeiter macht. Zusätzlich sind Flüchtlinge aus Syrien massiver Diskriminierung ausgesetzt, weil sie von der Regierung unter Ex-General Sisi unter den Generalverdacht der Nähe zu den Muslimbrüdern geraten sind.

Und selbst wenn beim UNHCR registrierte Flüchtlinge formal Zugang zu den öffentlichen Gesundheitsdiensten haben, gibt es oftmals Unwissenheit und Unklarheiten auf Seiten der Gesundheitsfachleute, was den Status und die Zugangsberechtigungen angeht. Viele Ägypter sind wenig vertraut mit dem Schutzkonzept der UN-Flüchtlingscharta und der entsprechenden Verpflichtungen für die sozialen Rechte von Flüchtlingen.

Das Anfang 2014 gegründete „Center for Refugee Solidarity“ will das Wissen und die Bereitschaft von Gesundheitsfachleuten steigern, die Rechte der Flüchtlinge auf Zugang zur Gesundheitsversorgung zu respektieren und aktiv zu realisieren. Aufgrund der Repression gegenüber kritischen Menschenrechtsaktivsten in Ägypten konnte das Center nicht physisch in Ägypten etabliert werden, sondern wurde als schwedische NGO registriert.

Das El Nadeem Center for the Rehabilitation of Victims of Violence wurde 1993 von einer kleinen Gruppe engagierter AktivistInnen zur Rehabilitierung und direkten Unterstützung von Opfern von Folter und politischer Gewalt mit psychologischer und rechtlicher Hilfe gegründet. Unter anderem ist El Nadeem ein wichtiger Referenzpartner des UNHCR bei der Anerkennung von Flüchtlingen in Ägypten aufgrund von Folter in den Herkunftsländern (v.a. Sudan, Athiopien, Eritrea) und haben dabei auch die Selbstorganisation sudanesischer Flüchtlinge unterstützt. Regional und international sind sie vernetzt mit ähnlichen Initiativen in Palästina, Libanon, Marokko, Sudan, Iran und der Kurdischen Exilgemeinschaft, und haben in diesem Rahmen kompetente Unterstützung beim Aufbau dieser Strukturen gegeben.

WESTSAHARA

medico international steht den sahrauischen Flüchtlingen in ihrem Anspruch auf Freiheit und Gerechtigkeit zur Seite. Mit Unterstützung von ECHO (Amt für humanitäre Hilfe der Europäischen Union) versorgen wir die Flüchtlingslager (nahe Tindouf; Algerien) mit Medikamenten und medizinischen Bedarfsgütern. Gleichzeitig versuchen wir politischen Druck zur Lösung des Westsaharakonfliktes aufzubauen.

MALI

Im Vordergrund der Arbeit des medico-Partners ARACEM steht die unmittelbare Soforthilfe für Abgewiesene und Transitmigrantinnen mit Unterkunft, Verpflegung, medizinischer und psychosozialer Unterstützung, sowie der Kampf gegen Xenophobie und Ausgrenzung in Mali. Fehlende Mittel und oft auch fehlende Papiere verstärken die prekäre Lebenssituation der Migrant_innen in Mali. Als selbst Betroffene sind die ARACEM-Mitarbeiter besonders in der Lage, die Situation der Migrantinnen und ihre Befindlichkeit zu verstehen und sie bei der Lösung von Problemen zu unterstützen. Die ARACEM arbeitet auch mit einem Netzwerk von Psychologinnen zusammen, die sie im Bedarfsfall unterstützen.

Die Selbsthilfegruppe der Ausgewiesenen Malis (Association Malienne des Expulsés - AME) ist eine bereits 1996 von Abgeschobenen aus Frankreich und Angola gegründete Organisation, die sich heute vorrangig um Abgeschobene aus Europa und dem Maghreb aber auch aus anderen afrikanischen und arabischen Staaten kümmert, die am Flughafen von Bamako oder der algerisch-malischen Grenze ankommen und medizinische Hilfe, eine Notunterkunft, Rechtsbeistand oder das Fahrtgeld bis in ihren Heimatort benötigen. Der medico-Partner veranstaltet in Bamako zur Situation der Migranten eigene Workshops und beteiligt sich mit regelmäßigen Berichten und Aufrufen an der Debatte innerhalb der transnationalen Vernetzung von migrantischen Selbsthilfegruppen und Menschenrechtsinitiativen.

MAURETANIEN

Mauretanien ist historisch ein Einwanderungsland, dann wurde es zum Transitland für Migrant_innen auf dem Weg nach Europa, und nun ist es ein blockiertes Land. Und warum? Weil die EU Mauretanien dazu gebracht hat, eine Abschottungspolitik, eine Politik der Grenzschließung gegenüber dem afrikanischen Kontinent zu betreiben. Unterstützt von der EU hat Mauretanien ein Grenzkontrollsystem sowohl auf dem Meer als auch auf dem Land in Stellung gebracht. Der medico-Partner Association Mauritanienne des Droits de l’Homme - AMDH setzt sich für die Belange der blockierten Transmigrant_innen ein.

MAROKKO

Zuflucht für verfolgte Frauen. Erst kam Entwicklungsminister Gerd Müller. Dann kam Innenminister Lothar de Maizière. Nacheinander bereisten sie Ende Februar 2016 Marokko, Tunesien und Algerien. Es ging nur ums eins: Die Maghreb-Staaten sollen Migranten aus Deutschland zurücknehmen, koste es, was es wolle. Menschenrechte werden so schnell zum taktischen Gut. Der Entwicklungsminister lobte „die Anstrengungen Marokkos bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus afrikanischen Ländern und aus dem Nahen Osten“, obwohl subsaharische Migranten in Marokko einer ständigen Verfolgung ausgesetzt sind. Am schlimmsten ist die Situation für Frauen und Kinder, die unterwegs und im Land immer wieder zu Opfern sexualisierter Gewalt werden. Sie werden von Schleppern und Mitreisenden ebenso vergewaltigt wie von Poli zisten und anderen Sicherheitskräften.

Seit November 2015 unterstützt medico zwei Zufluchtswohnungen in Rabat, der Hauptstadt Marokkos, wo migrantische Frauen und ihre Kinder Ruhe und Sicherheit finden können. Diese Wohnungen werden von der Selbstorganisation kongolesischer Migranten in Marokko (ARCOM) betreut, die von dem kongolesischen Buchautor Emmanuel Mbolela mitgegründet wurde. Weil Länder wie Marokko jetzt „sichere Herkunftsstaaten“ sein sollen, fordert Mbolela Deutschland und die EU auf, ihre Haltung zu überdenken: „Es braucht eine Politik, die die Rechte und die Würde der Migrantinnen und Migranten respektiert und die Schutzlosen schützt.“

SIERRA LEONE

Darüber, in welcher Situation sich aus der EU abgeschobene Menschen nach ihrer erzwungenen Rückkehr in ihren Herkunftsländern befinden, ist häufig wenig bekannt. Das Network of Ex-Asylum Seekers Sierra Leone (NEAS-SL) ist eine Selbsthilfegruppe von aus Deutschland abgeschobenen Sierra Leonern.

Die Betroffenen befinden sich in einer ausgesprochen schwierigen Situation: Nach der brutalen Erfahrung der Abschiebung nach häufig mehr als einem Jahrzehnt in Deutschland, treffen sie in Sierra Leone auf Ablehnung und müssen mit sozialer Isolation umgehen. Diese Isolation zu überwinden ist das Ziel der NEAS. Für die Betroffenen stellt die Selbsthilfegruppe die Möglichkeit dar, mit anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, in Kontakt zu treten und sich gegenseitig zu unterstützen.

SÜDAFRIKA

In Südafrika orientieren sich Migrationspolitik und Grenzregime zunehmend am Vorbild einer „Festung Europa“. Regelungen wie das Drittstaatenprinzip wurden von der EU übernommen. Sie zielen darauf ab, das Land abzuschotten und die Einreise über die nördlichen Landesgrenzen zu verhindern. Zusätzlich zur ohnehin prekären Lage der sogenannten undocumented migrants, denen bei Entdeckung durch die Polizei Festnahme und Abschiebung droht, ist ihnen auch jeglicher Zugang zum formalen Arbeitsmarkt sowie zu den Rechten, die Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge zumindest auf dem Papier erhalten, verwehrt.

In diesem Kontext einer repressiven Migrationspolitik und weit verbreiteten ausländerfeindlichen Einstellungen in der Gesellschaft engagieren sich die Partnerorganisationen von medico in Südafrika für die Rechte von MigrantInnen sowie gegen Ausländerfeindlichkeit und Gewalt. Auf verschiedenen Ebenen arbeiten die Partnerorganisationen mit MigrantInnen sowie SüdafrikanerInnen zusammen. Einerseits leisten sie direkte Hilfe für MigrantInnen, zum Beispiel durch psychosoziale Gesundheitsdienste. Gleichzeitig versuchen sie, durch Sensibilisierungsmaßnahmen, Diskussionen und Präventionsarbeit kriminelle und häusliche Gewalt sowie ausländerfeindliche Einstellungen in der Gesellschaft zu verhindern.

„Sag Nein zu Xenophobie“, Harold Cressy High School, Kapstadt. (Foto: HelenOnline, CC BY-SA 4.0)

MEXIKO

Waren es bislang vor allem Armut und Perspektivlosigkeit, die die Menschen in Zentralamerika dazu bewegten, ihre Heimat zu verlassen, hat sich die Situation verändert: Nicht mehr nur der Traum von einem anderen Leben, sondern die Angst ums nackte Überleben zwingt die Menschen in Honduras, El Salvador oder Guatemala, den gefährlichen Weg Richtung Norden zu wagen. Die wachsende Gewalt in Zentralamerika führt dazu, dass sich verstärkt Jugendliche auf den Weg Richtung Norden machen. So waren unter den über 6.000 Menschen, die in der von medico unterstützten Migrant-Innenherberge "La 72" von Januar bis Mai 2014 aufgenommen und betreut wurden, etwa 1.000 Frauen mit Kindern und rund 800 unbegleitete Jugendliche. Die Herberge "La 72" leistet humanitäre Hilfe und Rechtsbeistand für durchreisende Menschen und für jene, die sich niederlassen wollen.

Der medico-Partner Movimiento Migrante Mesoamericano (M3) arbeitet von Mexiko aus am Aufbau einer eigenen Datenbank verschwundener und vermisster Migrantinnen und Migranten. Dokumentiert werden auch Straftaten und Menschenrechtsverletzungen. Durch eigene Recherchen in den Herkunftsländern soll ein Netzwerk aufgebaut werden. M3 fordert von der mexikanischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft, die Migrantinnen und Migranten aus Zentralamerika als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen Schutz zu gewähren.


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