Haiti nach dem Hurrikan

Existenzgeld als Nothilfe

Dem Wirbelsturm folgte die Überflutung in Les Cayes, Haiti. (Foto: RNDDH)
Dem Wirbelsturm folgte die Überflutung in Les Cayes, Haiti. (Foto: RNDDH)
Die Schäden durch Hurrikan Matthew Anfang Oktober sind immens. medico international stellt Mittel für Nothilfe zur Verfügung.

Der Hurrikan in Haiti Anfang Oktober 2016 hat nicht nur das halbe Land verheert. Er hat abermals auch die grundlegenden strukturellen Probleme des Landes offengelegt. Noch immer gibt es keine umfassende Katastrophenvorsorge und fehlt es an dem politischen Willen oder entsprechend demokratisch legitimierten Repräsentanten, die bereit wären, wenigstens für eine halbwegs gerechte Katastrophenbewältigung zu sorgen. Schlimmer noch, angesichts der politischen Krise Haitis gibt es noch nicht einmal jemanden, den man für dieses Scheitern zur Rechenschaft ziehen könnte.

Das haitianische Menschenrechtsnetzwerk RNDDH, seit vielen Jahren ausgewiesener medico-Partner, listet das Versagen in seinem Hurrikanbericht detailliert auf, den Menschenrechtspromotoren im ganzen Land zusammengestellt haben. Darin heißt es, dass Nothilfe nicht bis in die entlegeneren Gebiete gelangt ist und Güter nach parteilichen und privaten Gesichtspunkten verteilt worden sind, ja sogar der laufende Präsidentschaftswahlkampf sei mit der Verteilung von Hilfe verknüpft worden. Häufig sei es bei der Verteilung zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen, weil die Verteilung unter Missachtung der Menschenwürde stattgefunden habe. Das hätte letztlich zu einer Militarisierung der Hilfe geführt, da die UN-Truppe zum Schutz eingesetzt worden wäre. Vor allem aber seien auch diesmal wie schon nach dem verheerenden Erdbeben vor sechs Jahren lokale Strukturen viel zu wenig in die Bewältigung der Katastrophe einbezogen worden. Der Bericht von RNDDH liest sich wie ein Abhakzettel für Wiederholungsfehler, für die es auch Wiederholungstäter gibt.

Alternativen zu einem solch umfassenden strukturellen Versagen zu entwickeln, für das die nationale Politik ebenso verantwortlich ist wie die internationale, ist extrem schwer. Nichtsdestotrotz hat RNDDH medico eine sehr kluge, die Menschenwürde achtende Idee vorgelegt, wie man exemplarisch anders vorgehen könnte. Diese Idee wird nun mit medico-Spenden praktiziert: In Gemeinden, die nachweislich bei der Verteilung von Hilfe vernachlässigt wurden, haben lokale Menschenrechtspromotoren die aktuelle Hilfsbedürftigkeit festgestellt und daraus eine Bedarfsliste entwickelt. Besonders bedürftige Familien erhalten nun individuelle Zahlungen, mit denen sie ihre dringendsten Ausgaben für mindestens zwei Monate decken können, seien es Nahrungsmittel oder Medikamente. Die Menschen erhalten einen Code und können bei einer Geldausgabestelle, die nachweislich keine Kredite vergibt und damit das Geld auch nicht für Kreditschulden einbehalten kann, das Nothilfegeld ohne Auflagen abholen.

Spendenstichwort: Haiti


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