Niger

Freiheit für Moussa Tchangari

25.06.2026   Lesezeit: 2 min

Seit eineinhalb Jahren sitzt der Journalist und politische Analyst Moussa Tchangari in Haft.

Von Kerem Schamberger

Er ist kein Mann der lauten Worte. Wer Moussa Tchangari 2021 auf der medico-Konferenz „Die (Re-)Konstruktion der Welt“ gehört, ihn 2023 bei der Global Assembly in der Frankfurter Paulskirche erlebt oder eines seiner Interviews für medico gelesen hat, weiß, dass er seine Analyse in ruhigem, fast zurückhaltendem Ton vorbringt. Doch auch oder gerade leise Worte können Wirkung zeigen, sofern sie treffend sind. Immer wieder hat er die Fragen von Korruption, sozialer Ungleichheit und staatlicher Verantwortung in den öffentlichen Raum getragen, sei es in Artikeln, Büchern oder bei öffentlichen Debatten. Doch seine Stimme ist zum Schweigen gebracht worden. Am 3. Dezember 2024 wurde er in Niamey festgenommen und bis heute nicht wieder freigelassen. 

Moussa Tchangaris politisches Engagement reicht bis in die 1980er-Jahre zu seinem Philosophie-Studium zurück. Er gehörte zu den Mitgründern mehrerer Organisationen, die sich für Menschenrechte und demokratische Teilhabe einsetzen. 2005 organisierte er Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten, an denen über 100.000 Menschen teilnahmen. Für viele Aktivist:innen in Westafrika wurde sein im Marxismus verwurzeltes Denken zum wichtigen Bezugspunkt – zumal er daran festhält, dass Veränderungen nur durch öffentliche Debatten und soziale Mobilisierung möglich sind. Sein Einsatz für Demokratie und soziale Gerechtigkeit verbindet politische Aufklärung mit konkreter Unterstützung für Menschen, deren Rechte verletzt werden. 

Das Engagement brachte ihn immer wieder in Konflikt mit den jeweiligen Machthabern. Wiederholt wurde er verhaftet, weil er die Regierungspolitik öffentlich kritisierte oder an Protesten beteiligt war. Dennoch blieb er eine der wenigen Stimmen im Land, die unbeirrt auf demokratische Rechte und Rechtsstaatlichkeit pochten. Das tat er auch gegenüber dem Militärregime, das das Land seit Juli 2023 kontrolliert und ihn nun fest hält. Die Behörden werfen ihm „kriminelle Verschwörung in Verbindung mit einem terro- ristischen Unternehmen“, „Untergrabung der Landesverteidigung“ und „Verschwörung gegen die Staatsgewalt durch nachrichtendienstliche Tätigkeit mit feindlichen Kräften“ vor. Bei einer Verurteilung droht im schlimmsten Fall sogar die Todesstrafe. Die Vorwürfe sind offenkundig politisch motiviert. Bisherige Versuche, seine Freilassung zu erwirken, liefen ins Leere. 

Wie wichtig Moussa Tchangaris Stimme ist, zeigt auch die internationale Solidarität mit ihm. Für medico ist er seit vielen Jahren ein wichtiger Freund und Partner. Seine Analysen zur multipolaren Weltordnung, zur Sahelregion, zu Migration, Sicherheitspolitik und sozialen Konflikten haben die Arbeit bereichert, ja oft erst möglich gemacht. Vor allem aber verkörpert er eine Haltung, die für viele Partnerorganisationen prägend ist: den beharrlichen Einsatz für Rechte und Würde – auch unter schwierigsten politischen Bedingungen und höchsten Risiken.

Dieser Beitrag erschien zuerst im medico-Jahresbericht 2025

Kerem Schamberger

Kerem Schamberger ist Kommunikationswissenschaftler und in der Öffentlichkeitsarbeit von medico international für den Bereich Flucht und Migration zuständig. 

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