13.11.2026 | Greifswald
Die gute Tat und ihre Grenzen

Hilfe zwischen Solidarität und Selbstberuhigung. Mit Johannes Richter, medico-Spendenkommunikation
Wie entsteht globale Solidarität und warum kann Hilfe schaden? Der Vortrag beleuchtet die Ambivalenz globaler humanitärer Hilfe und dem Sammeln von Spenden am Beispiel der kritischen Nothilfe von medico international.
Regelmäßig erschüttern Naturkatastrophen oder Kriege und Krisen Teile der Welt. In den schlimmsten Fällen, wie zuletzt beim Erdbeben in Venezuela oder Nepal, gelangen diese für ein paar Tage in die deutschen Medien und viele Menschen spenden. Dann ziehen die Kameras weiter, die Menschen vor Ort blieben und die Hilfe bleibt aus. Bei der Ukraine war es nicht anders. Die Hilfsbereitschaft war zu Beginn der russischen Vollinvasion überwältigend. Im ersten Jahr 2022 spendeten die Menschen in Deutschland rund eine Milliarde Euro, ein Rekord. Zwei Jahre später 2024 waren es noch 55 Millionen. Spenden und Solidarität folgt offenbar Aufmerksamkeit, Bildern und Krisenzyklen. Der Vortrag fragt, warum Hilfe auch schaden kann und was das Werben um Spenden mit den Verhältnissen vor Ort macht. Am Beispiel der Hilfe für die Ukraine sowie der Kampagne für das Verbot von Landminen, welche 1997 den Friedensnobelpreis bekam, erläutert der Vortag die Ambivalenz zwischen echter Solidarität und politischer Selbstberuhigung der Gebenden. Dabei geht es auch darum, wer entscheidet, was gebraucht wird. Die These, welcher der Vortag nachgeht, besagt, dass echte Solidarität nur besteht, wenn die Verhältnisse, welche die Hilfe nötig machen, überwunden werden und somit auch eine Veränderung mit der Spende angeregt wird. Denn Hilfe, die nur lindert, lässt die Ursachen bestehen und droht damit einmal mehr den Status quo zu festigen.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und die Teilnahme ist kostenlos.
Veranstaltet von: Internationales Kultur- und Wohnprojekt e.V.