12.03.2026 | München
Gaza und die deutschen Medien

Eine Problemanalyse und ein Zukunftsblick. Vortrag von Nadia Zaboura
Die deutsche Medienberichterstattung über Gaza steht massiv in der Kritik. Die Vorwürfe lauten: einseitig, entmenschlichend, ideologisch positioniert, eine oft unkritische Wiedergabe der deutschen und israelischen Regierungslinien im Sinne der Staatsräson. Flächenbombardements werden zu »präzisen Gegenschlägen«, gewaltsame Vertreibungen zu »Evakuierungen«, die Schauplätze von Massakern zu »Schutzzonen«, das Zuhause von Millionen Menschen zu »Terror-Hochburgen«. Israels Gewalt gegen die Palästinenser:innen wird sprachlich relativiert und verharmlost.
Die Professionalität und Qualität der deutschen Berichterstattung wird angesichts dessen in Frage gestellt: Werden die Konfliktopfer auf beiden Seiten angemessen repräsentiert? Welche Stimmen kommen zu Wort und wem wird ein Podium geboten? Kommen palästinensische Perspektiven ausreichend vor? Wie werden Quellen mit Bezug zu einzelnen Konfliktparteien eingeordnet und kritisch hinterfragt?
Repräsentative Meinungsumfragen zeigen, dass signifikante Teile des Publikums die deutsche Berichterstattung rund um Gaza als einseitig pro-israelisch wahrnimmt – sowohl was die israelische Kriegsführung in Gaza angeht, also auch zu Demonstrationen und Solidaritätsbekundungen in Deutschland. Angesichts der Bilder in sozialen Medien und der Berichterstattung in anderen Ländern schenkt eine gewichtiger Teil der Bevölkerung den deutschen Medien bei der Nahostberichterstattung wenig Glauben und attestiert ihr mangelnde Differenziertheit.
Nadia Zaboura wird sich in ihrem Vortrag mit den Ursachen dieser Berichterstattung beschäftigen und Möglichkeiten einer besseren Berichterstattung zu Israel und Palästina aufzeigen.
Moderation: Riad Othman, Nahost-Referent von medico international
Nadia Zaboura ist Kommunikationswissenschaftlerin, Publizistin und mehrfach ausgezeichnete Medienkritikerin. 2025 co-veröffentlichte sie mit Daniel Rölle und Rainer Nübel das Buch "Medien zwischen Macht und Ohnmacht. Wie Journalismus Vertrauen zurückgewinnen kann“. Zu den Kernthemen ihrer Arbeit zählen Medien und Demokratie sowie Digitalisierung, Bildung und Vielfalt. Seit Beginn des Genozids in Gaza analyisiert und kritisiert sie aus einer wissenschaftlichen Perspektive die deutsche Berichterstattung dazu.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und die Teilnahme ist kostenlos.
Veranstaltet von: medico international, Amnesty International, Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe, Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW), Münchener Friedensbündnis