14.12.2022 | Frankfurt

Die Macht grenzenloser Imagination

Der Utopische Raum. Vortrag und Gespräch mit Felix Trautmann und Ilija Trojanow über andere Erzählungen der gemeinsam geteilten Welt

Nationen sind imaginierte Gemeinschaften. Sie sind in der Vorstellung einer gemeinsam geteilten, aber doch ungreifbaren „Sache“ geeint. Doch wie und gegen wen stellt sich dieses Gefühl, diese Vorstellung her? Wie kann sich ein Zugehörigkeitsmodell so tief einschreiben, dass – trotz aller Krisen und Gewalt, die von diesem Modell des Zusammenlebens ausgehen – eine Welt ohne Nationen derzeit unvorstellbar erscheint?

Kosmopolitismus kann als in mehrfacher Weise kritische Perspektive gegen diese Vorstellung verstanden werden und eine neue Imagination des Zusammenlebens entfalten, eine andere Erzählung über die gemeinsam geteilte Welt: Im Kosmopolitismus kommen jene zusammen, die der nationalen Gemeinschaft nicht zugehören wollen, können oder sollen – und setzen die Macht einer grenzenlosen Imagination frei.

Vortrag und Gespräch mit Felix Trautmann, Institut für Sozialforschung, und Ilija Trojanow, Schriftsteller, Übersetzer und Verleger, über andere Erzählungen der gemeinsam geteilten Welt

Die Veranstaltung findet im medico-Haus statt und wird zusätzlich auf dem Youtube-Kanal von medico international gestreamt.

 

Der Utopische Raum

Zum vierten Mal seit 2019 lädt die Initiative „Der utopische Raum im globalen Frankfurt“ zu einer Reihe von Abendveranstaltungen ein. Der Fokus liegt diesmal auf globalen, kosmopolitischen Aspekten von Menschenrechten und ihrer Verwirklichung: Wie überwinden wir die tief verwurzelte Vorstellungswelt „nationaler Gemeinschaften“? Wie lässt sich das globale Gespräch über gemeinsame Erinnerungskulturen gestalten – und wie finden wir zu einer gemeinsamen, kosmopolitischen Sprache? Was ist ökonomischer Macht, die Menschen von ihren Rechten ausschließt, entgegenzusetzen?

Die Abende führen thematisch zur ersten Etappe der „Global Assembly“, die am 14. Mai 2023 aus Anlass des 175. Jahrestages der deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche beginnt. Hier werden Menschen aus aller Welt zusammenkommen, die sich in unterschiedlichen Zusammenhängen gegen Verletzungen der Menschenrechte und für deren Stärkung engagieren. Die Versammlung soll ein Zeichen setzen, dass Demokratie und grundlegende Rechte, um die 1848 im nationalen Rahmen gerungen wurde, heute nur noch global zu denken sind.

Kooperation

Die Initiative „Der utopische Raum“ ist eine Kooperation der Stiftung medico international, des Instituts für Sozialforschung und der Frankfurter Rundschau. Sie wird getragen von Sidonia Blättler, Almut Poppinga und Felix Trautmann (Institut für Sozialforschung), Thomas Gebauer und Ramona Lenz (Stiftung medico international), Stephan Hebel (Frankfurter Rundschau) sowie dem Historiker Gottfried Kößler und der Literaturagentin Nina Sillem.