Textilindustrie

Die Kette der Ausbeutung

Die Gewerkschaft NTUF demonstriert in Karatschi. (Foto: medico)
Im Herbst wird das Urteil im KiK-Prozess erwartet. medico plant den nächsten Schritt im Kampf für eine andere Textilproduktion.

Neben der landesweit tätigen Hilfsorganisation HANDS ist die Gewerkschaft NTUF seit 2012 zum wichtigsten medico-Partner in Pakistan geworden. Gemeinsam mit medico unterstützt NTUF die Kampagne gegen den deutschen Discounter KiK – Hauptauftraggeber der Fabrik Ali Enterprise, in der am 11. September 2012 über 200 Menschen verbrannten. In dem Prozess, den vier ehemalige Beschäftigte gegen den Discounter angestrengt haben, soll im Herbst 2017 das Urteil gesprochen werden. Erfolgreich war die Kampagne nicht nur, weil die Dortmunder Richter die Klage angenommen haben, sondern auch, weil es gelungen ist, den Discounter endlich zur Zahlung einer Entschädigung zu verpflichten.

Mit dem Urteil wird der Kampf aber nicht zu Ende sein. Stattdessen werden medico und NTUF den Fokus auf die ganze Produktions- und Lieferkette der globalisierten Textilproduktion ausweiten. Schließlich werden die Jeans und T-Shirts, die hierzulande auf den Markt kommen, nicht nur von den Arbeiterinnen und Arbeitern in den heruntergewirtschafteten Kleiderfabriken der 22-Millionen-Metropole Karatschi hergestellt. Teil der sogenannten „Wertschöpfungskette“ sind auch die landlosen Arbeiter auf den riesigen Baumwollfeldern im Landesinneren, die in jeder Faser ihrer Existenz von der feudalen Allmacht der Großgrundbesitzer abhängen, ebenso wie die Beschäftigten der Spinnereien, der Webereien, der Gerbereien und all der Fabriken, die die Stoffe herstellen.

In den nächsten Jahren will die Gewerkschaft ihnen allen eine Stimme verleihen, die man in Pakistans Hauptstadt Islamabad ebenso deutlich vernehmen soll wie in Berlin und Brüssel. medico wird die mutigen Gewerkschafter weiter unterstützen: Da es auch und vor allem an den Konsumenten Europas hängt, wenn das T-Shirt mehr wert ist als die Leute, die es mit ihrem Schweiß – und ihrem Blut – herzustellen gezwungen sind.

Thomas Seibert


Dieser Artikel erschien zuerst im medico-Rundschreiben 1/2017. Das Rundschreiben schicken wir Ihnen gerne kostenlos zu. Jetzt abonnieren!


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