Simbabwe

Fast schon ein Nachruf

Noch ein angesehener Gast: Robert Mugabe 1983 in den USA. (Foto: James F. Clawson)
Zur Absetzung von Robert Mugabe. Von Anne Jung

Es gibt kaum jemanden in Simbabwe, der in seinem Leben einen anderen Präsidenten erlebt, hat als Robert Mugabe. Der Präsident, der vom Freiheitshelden zum Diktator wurde, hat allen ein Schnippchen geschlagen, die hofften, das Ende seiner Amtszeit  würde sich altersbedingt auf natürliche Weise regeln. Er ist über 90 und hatte seine Machtposition fest im Griff. Bis zur verhängnisvollen Entscheidung, Vizepräsident Emmerson Mnangagwa aus dem Amt zu jagen, um den Weg frei zu machen für seine Ehefrau und Beraterin Grace Mugabe. 40 Jahre war Mnangagwa Leibwächter, Geheimdienstchef, Verteidigungsminister und Justizminister und hat dabei, das gilt als offenes Geheimnis, die Drecksarbeit erledigt. In Simbabwe nennen sie ihn „das Krokodil“.

Die übliche Geschichte von Korrumpierbarkeit, Machtlust und Bereicherung möchte man meinen. Aber das wäre zu einfach. Die kritische Öffentlichkeit empörte sich, als die Afrikanische Union Mugabe noch vor wenigen Jahren mit Standing Ovations begrüßte. Doch der Applaus galt nicht seiner Politik, die sich seit Jahren einen Dreck um die Bedürfnisse der Bevölkerung schert. Er wurde als Symbolfigur gefeiert. Der letzte lebende Präsident, der im antikolonialen Kampf war, der 10 Jahre im Gefängnis saß, der mit seiner Befreiungsbewegung ZANU PF in Simbabwe das beste Gesundheits- und Bildungssystem des Kontinents aufgebaut hat.

Der Untergang Simbabwes begann nicht mit dem Verfall Mugabes

Simbabwe hat den Widerstandsgruppen des African National Congress (ANC) im Kampf gegen das rassistische Apartheidsystem einen Rückzugsort geschaffen und damit die Befreiung Südafrikas vorangebracht. Und einen hohen Preis bezahlt. Südafrika reagierte 1982 mit einem Bombenangriff auf die Hauptstadt Harare. Und es sei nur nebenbei daran erinnert, dass die völkerrechtswidrigen Kredite deutscher Banken Südafrika jahrzehntelang die Waffenkäufe finanziert haben.

Der Untergang Simbabwes begann nicht mit dem Verfall Mugabes, sondern mit der Weltbank. Vor 20 Jahren investierte Simbabwe noch in das staatliche Gesundheitssystem. Noch in den 1980er Jahren galt das Gesundheitssystem als vorbildlich; 85 Prozent der Bevölkerung hatte Zugang zu medizinischer Versorgung in nächster Nähe. Das Musterbeispiel für eine partizipativ ausgerichtete Basisgesundheitsversorgung (Primary Health Care) sicherte allen Menschen gesunde Lebensbedingungen und Versorgung im Krankheitsfall.

Dann kamen die Strukturanpassungsprogramme von IWF und Weltbank, die Präsident Robert Mugabe und die simbabwische Regierung zu drastischen Einschnitten in der sozialen Infrastruktur zwangen, vor allem im Gesundheitsbereich. Bis 1999 stiegen die privaten Gesundheitskosten um 150 Prozent. Die Arbeitsbedingungen verschlechterten sich, gut ausgebildetes Gesundheitspersonal verließ das Land. Vor allem Großbritannien rekrutierte diese Leute regelrecht, denn in Folge der neoliberalen Privatisierungspolitik wuchs der Bedarf nach billigen Arbeitskräften im britischen Gesundheitswesen.

Brain drain im Gesundheitswesen

Durch den brain drain in Simbabwe und anderen afrikanischen Ländern verschlechterte sich die ärztliche Versorgung. Als die simbabwische Regierung Anfang der 1990er Jahre Investitionen im Gesundheitsbereich fast gänzlich einstellte, brach das öffentliche Gesundheitswesen zusammen. 2008 gab es nur noch 200 bis 300 ausgebildete Ärzte und Ärztinnen in Simbabwe.Nun hat nur noch eine privilegierte reiche Minderheit Zugang zu Gesundheit – die Preise sind exorbitant hoch; schon eine einfache ärztliche Behandlung braucht das durchschnittliche Jahresgehalt auf.

Trotzdem gibt es in Simbabwe nach wie vor eine starke Gesundheitsbewegung, die am Recht auf Gesundheit festhält. Darunter die medico-Partner Equinet. Ob der Sturz Mugabes ihnen mehr Spielraum verschafft ist offen.


Veröffentlicht am

Kommentare (0)

Bisher keine Kommentare.

Neuen Kommentar schreiben

Mehr zum Thema

Gleicher Zugang zu Gesundheit
Das Netzwerk EQUINET kämpft dafür, dass bereits bestehende Basisgesundheitsversorgung unterstützt und weitere Strukturen aufgebaut werden. Weiterlesen

Rollenspiel auf einem EQUINET-Workshop: Rene Loewenson (rechts im Bild, hinten) versucht, an den Tisch der Entscheidungsträger zu gelangen. (Foto: EQUINET)

Mehr Selbstbestimmung durch regionale Vernetzung
Dr. Rene Loewenson ist Direktorin der medico-Partnerorganisation Training and Research Support Centre in Simbabwe und Koordinatorin von EQUINET, einem regionalen Zusammenschluss zur Stärkung sozialer... Weiterlesen

Die Aktivist*innen von GALZ engagieren sich für LGBTI-Rechte in einer sehr polarisierten politischen Situation. Foto: GALZ

Homophobie ist unafrikanisch!
medico-Partner wird für den Einsatz für die Menschenrechte von Lesben und Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LGBTI) in Simbabwe ausgezeichnet. Weiterlesen

Jetzt spenden!