Nahostkonflikt

Empathie statt Identifikation

Kundgebungen am Rande der Konferenz "50 Jahre israelische Besatzung" im Sommer 2017 in Frankfurt. (Fotos: arbeiterfotografie.com)
Zur Antisemitismusdebatte, für die Wahrnehmung einer palästinensischen Sprechposition. Von Riad Othman

„Empathie wird irrtümlich mit Identifikation oder Fusion mit dem Anderen gleichgesetzt“, schreiben Bashir Bashir und Amos Goldberg in der von ihnen herausgegebenen Anthologie „The Holocaust and the Nakba“. Und weiter: „Identifikation folgt der riskanten Phantasie universaler Ähnlichkeit, die nach Homogenität trachtet und Unterschiedlichkeit auslöscht. Wenn sie vorkommt, operiert sie auf zwei Arten – Aneignung oder Unterwerfung. Identifikation ist deshalb immer mit narzisstischen Impulsen verbunden und zeigt einen Typus von Illusion an, der potentiell aggressiv und gewalttätig ist.“ Das erklärt in Teilen, weshalb die Diskussion über den israelisch-palästinensischen Konflikt hierzulande so erbittert geführt wird.

Oft ist nicht Empathie Ausgangspunkt einer Beschäftigung mit Israel und Palästina, sondern Identifikation. Während sich die identifizierende Palästina-Solidarität in einer kleinen Nische bewegt, ist die Identifikation mit Israel Staatsräson. Dabei vermischen die israelische Regierung und ihre Unterstützer hierzulande auf unzulässige Weise Begriffe und Themen: die Kritik an der Siedlungspolitik und Abriegelung Gazas wird gegen die deutsch-jüdische Geschichte, den Holocaust und die sich daraus ableitende Rolle gegenüber dem Staat Israel aufgewogen. Antisemitismus und der Zionismus als eine nationale Bewegung werden in einen Topf geworfen mit einem Zionismus, der ein koloniales Projekt ist, und einem Antizionismus der palästinensischen Bevölkerung, der aus der Kolonialismus- und Besatzungserfahrung gespeist ist. Diesen Antizionismus mit dem europäischer Linker zu vermischen hat System. So werden alle diese Fragen verkürzt, vermischt und, wo nicht zweckdienlich, ignoriert. Die Vermischung findet nicht statt, weil alles mit allem zusammenhinge, sondern weil bestimmte Debatten und legitime Meinungen unterdrückt werden sollen.

medico berichtet regelmäßig über die Ereignisse und verteidigt das palästinensische Recht auf Widerstand in einem Kontext von Unterdrückung, Ausgrenzung und einer Art moderner Gefängnishaltung, wie er in Gaza vorliegt. Im Sinne einer kritischen Solidarität hindert uns das nicht daran, die Instrumentalisierung legitimer Proteste, zum Beispiel durch die Hamas, zu thematisieren. Wir nehmen wie unsere Partnerinnen und Partner einen Platz zwischen den Stühlen ein. Gegen die Verweigerung der Empathie für die palästinensischen Opfer und die Delegitimierung ihrer Sprechpositionen, wie sie in einem Plakat in Frankfurt mit der Losung „Palästina, halt‘s Maul“ zum Ausdruck kamen, verwahrt sich medico.

Diese Delegitimierung ist ein Spiegelbild der Indienstnahme der Shoah durch die israelische Regierung und ihres Umgangs mit der Nakba, der Vertreibung und Flucht von über 80 Prozent der palästinensischen Bevölkerung aus den Gebieten, die zu Israel wurden. „Der Versuch, die Erinnerung an die Nakba in der israelisch-jüdischen Gesellschaft auszulöschen, war selbst eine aktive gesellschaftliche Kraft, von der physischen Zerstörung arabischer Dörfer zum symbolischen Schweigen über die Erinnerung in Geschichtsbüchern und öffentlichen Äußerungen“, schreibt der israelische Historiker Alon Confino. Bis heute versucht der israelische Staat, das Gedenken daran möglichst zu unterbinden. Ein Gesetz droht seit 2011 Vereinen mit Sanktionen, falls sie sich dem widersetzen. In Israel wurde verstanden, dass der eigentliche Streitpunkt mit 1948 zusammenhängt, nicht mit 1967. Das offizielle Schweigen über die Nakba entspricht der historischen Rivalität der beiden Nationalbewegungen, von denen jede für sich ein traumatisches Gründungsereignis in Anspruch nimmt: die zionistische den Holocaust, die palästinensische (auch innerhalb Israels) die Nakba.

Kritische Stimmen aus dem arabischen Raum werden in der deutschen Debatte leider kaum rezipiert. Der Politikwissenschaftler Nadim Khoury analysierte, dass sich die Forderung nach der palästinensischen Anerkennung des Existenzrechts Israels, ohne dafür die Anerkennung des eigenen Leidens von 1948 erwarten zu dürfen, auch in den Osloer Abkommen widerspiegelt: „Ein neues nationales Narrativ entlang der Grünen Linie zu erzählen ist nicht ein politischer Fetisch, sondern ein entscheidender Schritt im Bestreben der Autonomiebehörde, Eigenstaatlichkeit durch internationale Anerkennung zu sichern. Um sich der Eigenstaatlichkeit würdig zu erweisen, musste die Behörde beweisen, dass sie einen Staat in den Grenzen von 1967 akzeptieren würde. Die narrative Teilung war in die Zwei-Staaten-Lösung eingebettet.“

Der Schriftsteller Elias Khoury bezeichnete die Forderung nach der gegenseitigen Anerkennung von Holocaust und Nakba als eine „Beleidigung der moralischen Vernunft“. „Eine solide moralische Haltung ist von jeder Form der Verhandlung strikt getrennt, und das Zwischenspiel moralistischer spiegelbildlicher Abbildungen ist hier irrelevant. Vor allem als Mensch, als Libanese von Geburt und Palästinenser qua Zugehörigkeit, erkläre ich, dass ich keine Vorbedingungen dafür habe, die Grauen des Holocaust anzuerkennen. Der Holocaust ist meine Verantwortung als Angehöriger der menschlichen Rasse, obwohl er ein Produkt des europäischen Faschismus war.“ Khoury und andere fordern, dass die Narrative der Nakba und der Shoah nicht in Konkurrenz stehen sollten. Historisch sind die Ereignisse miteinander verwoben. Identifikation miteinander ist von den Konfliktparteien nicht zu erwarten. Sie wäre auch nicht förderlich. Empathie und eine Haltung nach dem Vorbild Khourys würden dagegen niemandem schaden.

Dieser Text ist entstanden in Fortführung der Debatte auf der medico-Webseite, die mit dem Text „Antisemitismus, Israel, BDS – Für ein Denken in Widersprüchen“ von Katja Maurer begann, der vielfältig diskutiert und kritisiert wurde.


Dieser Beitrag erschien zuerst im medico-Rundschreiben 1/2019. Das Rundschreiben schicken wir Ihnen gerne kostenlos zu. Jetzt abonnieren!


Veröffentlicht am

    Kommentare (5)

    Ron am 04.04.2019

    Der Autor selbst versteht Nichts von Empatie. Wie kann er Menschen, die vor dem grösstmöglichem Leid an den einzig möglichen Ort fliehen als "Kolonialisten" bezeichnen? Israel ist ein Land von Flüchtlingen. Weshalb wird solcher Unfug publiziert?

    Willy am 07.05.2019

    Bei seinem nun 500 Jahre währenden Überfall auf die Welt hat Europa, später der Westen, seine Paupers und Verfolgten den entdeckten und unterdrückten Völkern aufgebürdet. Aus verfolgten Puritanern wurden Siedler in Neu-England, aus Hugenotten Siedler am Kap, aus Strafgefangenen wurden Siedler in Australien - und aus den verfolgten Juden wurden Siedler in Palästina. Die Indianer, Aborigines, die Koi-San und die Palästinenser haben diese Menschen nicht eingeladen. Hinter ihnen stand stets die Gewalt von westlichen Kolonial- bzw. Mandatsmächten. Wenn Sie, Ron, diese Komplexität der Dinge auf Dichotomien von Gut und Böse, Täter und Opfer, schwarz und weiß reduzieren wollen, werden Sie den historischen Vorgängen nicht gerecht. Dass Israel in den tragischen Ereignissen, die zu seiner Gründung führten, nicht Tragik, sondern Glorie sehen will, ist Komplexitätsreduktion gleicher Art wie die Ihre. Und Sie sehen jeden Tag, wohin das führt.

    Elias am 15.05.2019

    Lieber Willy, sie übersehen drei feine Details:
    * Die weißen Siedler*innen in Australien haben Treibjagd auf Aborigines begangen, die in den USA haben die Native Americans absichtlich mit Pocken in Berührung gebracht, da geht es um teils versuchten teils durchgeführten Völkermord. Das steht in absolut keiner Relation zur Politik Israels; nicht einmal in deren düstersten Stunden.
    * Die Aborigines und die Native Americans haben nie eine Ideologie entwickelt, gemäß derer alle Weißen ins Meer gejagt und ermeuchelt werden sollen. Die Palästinenser*innen hingegen, ebenso wie ihre Nachbarländer Syrien, Libanon, Ägypten schon, sonst wäre Israel kaum unmittelbar nach seiner Gründung 1948 von seinen Nachbarn überfallen worden, und 1973 wieder. Da geht es nicht um die Frage, ob die Westbank zu Israel gehören soll oder nicht, selbst der Strand von Tel Aviv wäre dieser Politik noch zu viel Israel ("Es geht um 1948 nicht 1967", da hat dieser grottige Artikel ausnahmsweise mal Recht). Friedliche Koexistenz ist immer wieder von antisemitischen Strömungen in arabischen Ländern verunmöglicht worden - lesen Sie mal über Mohammed Amin al-Husseini; oder um aktuell zu bleiben, achten Sie darauf wann im Friedensprozess der islamische Dschihad (bzw. Iran) in Gaza wieder beschließt, es sei ein günstiger Moment um Raketen zu feuern.
    * Israel ist schlicht und einfach keine Kolonialmacht: es hat keinerlei Ambitionen auf ein Imperium, die meisten seiner Bewohner*innen sind selbst von Rassismus betroffen, und die einzige Expansionsbewegung seiner Geschichte kam aus der (realistischen) Einschätzung, dass der schmale Streifen Israel vor 1967 in einer erwiesenermaßen extrem feindlichen Umgebung militärisch kaum zu halten ist, während eine militärische Niederlage den zweiten Völkermord an Juden binnen 25 Jahren bedeuten würde.

    Ein vernünftiger Umgang hierzulande bestünde in der Sanktionierung und diplomatischen Isolierung übler Regime wie Iran und Saudi-Arabien, und der Stärkung demokratischer Palästinenser*innen, Iraner*innen, und anderer Menschen, die für freiere Gesellschaften in arabischen Ländern einstehen und für die das Existenzrecht von jüdischen Menschen selbstverständlich gilt.

    Willy vor 1 Woche

    Lieber Ariel, Ihre Erwiderung fand ich erst vor wenigen Tagen. Natürlich ist Israel keine Kolonialmacht wie GB oder die NL. Vielmehr ist Israel, ähnlich Liberia oder Sierra Leone, eine Deponie von Europa als überschüssig und unerwünscht erachteter Bevölkerung, ein dumping ground, der allerdings ebenso wie die Guineaküste bereits bewohnt war. Lassen Sie sich zur Verdeutlichung meines Bezuges auf den europäischen Kolonialismus einmal auf folgendes Gedankenspiel ein. Stellen Sie sich vor, die Alliierten hätten auf Jalta folgendes beschlossen: „Nach der bedingungslosen Kapitulation hat die deutsche Bevölkerung Schleswig-Holsteins und Mecklenburgs diese Territorien in einem Zeitraum von drei Monaten zu räumen. Nach Ablauf dieser Frist stehen diese Gebiete den Überlebenden der Shoa für die Gründung eines jüdischen Staates zur Verfügung.“ Das Leiden der so Vertriebenen hätte, nach allem was geschehen war, niemanden gerührt. Es gäbe ein paar Vertriebenenverbände und Trachtengruppen mehr und alles wäre Geschichte. Ich bin mir sicher, dass auch Sie darin kein Unrecht erkennen werden. Vertrieben wurde aber nicht eine europäische Bevölkerung, die sich schuldig gemacht hatte, sondern eine Fellachen- und Beduinenpopulation, die von dem, was geschehen war, nicht einmal wusste. Europa gründete eine Kolonie, um sich einer Bevölkerung zu entledigen, die man nicht wollte. Man hatte das schon vor dem Krieg deutlich gemacht, mit der Balfour Declaration, mit der Verweigerung höherer Einwanderungsquoten für Juden. Nicht einmal besiegten Europäern wollte man das zumuten. Warum auch? Man kontrollierte ja die Kolonial- und Mandatsgebiete mit ihrer namenlosen Bevölkerung.

    Wie kommen Sie nur dazu, dieser Bevölkerung vorzuwerfen, dass sie sich nicht getrollt hat? Dass sie bei Flucht und Vertreibung die Schlüssel ihrer Häuser mitgenommen haben, um nach der Rückkehr ihre Eigentumsrechte wahrzunehmen, statt sie bei den Nachrückenden abzugeben? Ich folge Ihnen auch nicht bei der Dämonisierung dieser Bevölkerung, weil sie die Siedler hätte ins Meer treiben wollen, angeblich als einzige und besonders bösartige Gruppe unter den Kolonisierten. Die, die nicht tot und ausgerottet waren, bevor sie solche Gedanken fassen konnten, haben genau das getan. Als die Portugiesen in Mosambik geschlagen waren, galt die Formel 24/20. Sie hatten das Land binnen 24 Stunden mit einer baggage allowance von 20 kg zu verlassen. In Zimbabwe hat Mugabe sie alle entschädigungslos enteignet, sie hätten blei¬ben können, wollten sie dann aber nicht mehr. Den Franzosen in Algerien ist es nicht anders ergangen. Sie unterschätzen, was Europa in der Welt angerichtet hat, verlangen aber von den Kolonisierten, unter den ihnen aufgehalsten Siedlern skrupulöse Unterscheidungen zu machen.

    Ebensowenig folge ich Ihnen bei dem Versuch, bei den ständigen Schusswechseln die Frage, wer angefangen hat, kriminalistisch zu lösen. Diesen Schießereien ist eine ethnische Säuberung vorausgegangen und dieser wiederum ein industriell ausgeführter Völkermord. Da wollen Sie bestimmen, wer zuerst geschossen und wer nur zurückgeschossen hat? Diese Erbsenzählerei muss aufhören.Sehen Sie nicht, dass sich beide Seiten in einer schrecklichen historischen Verstrickung befinden und jeder einzelne Vorfall transzendiert statt seziert werden muss?

    Sie sagen selbst, dass Israel nicht zu verteidigen ist, nicht in den Grenzen des UN-Teilungsplans, nicht in den Grenzen des Waffenstillstands von 1949, nicht in den von 1967. Wieviel Arrondierungen und Vertreibungen werden noch erforderlich sein, bis die Generäle befinden, dass es nun reicht? Aus dieser furchtbaren Logik ist längst ein nationalistischer Schwulst geworden, der 6 Mio Juden, eine symbolträchtige Zahl, in die Hände von Abenteurern wie Liebermann, Bennett, Netanyahu, Trump und Kushner gebracht hat. Ich muss Ihnen nicht sagen, wohin diese andere europäische Erbschaft Israels, der nationale Wahn, Europa geführt hat und der nun Israel treibt, will hier nur auf das Nationalstaatsgesetz verweisen.

    Riad Othman wollte hier über Antisemitismus diskutieren lassen. Man muss eben manchmal etwas weiter ausholen.

    Ekkehart Drost vor 2 Tagen

    Sehr geehrter Herr Elias, ich kann Ihnen leider nur in Ihrer Einschätzung des Siedlerkolonialismus in Australien und der USA zustimmen. Der Kolonialismus in Israel unterscheidet sich nur in Nuancen - lesen Sie dazu die Dokumentation von Petra Wild "Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina" (2013) über die Moshe Zuckermann in einer SZ-Rezension vom 4.6.2013 schreibt:
    " Es geht im Buch um die barbarischen Auswirkungen des durch systematische Politik gestählten Okkupationsregimes, welches der zionistische Staat gegen die Palästinenser seit Jahrzehnten betreibt. Da aber Deutsche im 20. Jahrhundert Monströses an Juden verbrochen haben, meinen viele in Deutschland, ihre Verantwortung für die historische Schuld durch eine selbstauferlegte Tabuisierung von allem, was mit Juden, Zionismus und Israel zusammenhängt, unter Beweis stellen zu sollen. In den letzten Jahren ist diese Haltung zunehmend verdinglicht worden und in eine aggressive Ideologie gegen jede Kritik an Israels Politik umgeschlagen, eine Ideologie, die keine noch so perfide Kreuzigung des jeweiligen Kritikers und seine infame Besudelung scheut.
    Petra Wild spricht dies in ihrem Vorwort an. Sie kann sich dennoch darauf gefasst machen, wegen ihres Buches als Antisemitin apostrophiert und in widerliche Schmutzkampagnen gezerrt zu werden. Dass sich die Leute, die sich mit Israel solidarisieren, nicht um palästinensisches Leid scheren, versteht sich von selbst. Dass sie sich aber auch nicht wirklich für Juden interessieren, sondern nur für deren Abstraktion als „Juden = Zionisten = Israelis“, liegt ebenso klar auf der Hand: Nicht nur agieren sie unmoralisch den Palästinensern gegenüber, sondern ihre „moralische Verpflichtung“ den Juden gegenüber erweist sich als Parteinahme für das, was ihnen als projizierte Abstraktion das Ausleben unverarbeiteter Befindlichkeiten ermöglicht. Die Unbescholtenheit von „Juden = Zionisten = Israelis“ darf auf keinen Fall infrage gestellt werden; sie allein garantiert die Makellosigkeit derer, mit denen man sich solidarisieren muss, um sich selbst – „wiedergutmachend“ – moralisch schadlos zu halten.
    Nun haben aber jüdische Israelis im zionistischen Land seit Jahrzehnten Schlimmstes verbrochen. Darum geht es in Petra Wilds Buch. Kapitel um Kapitel zeichnet sie nach, auf welcher Basis sich das viel gerühmte zionistische Projekt – sei es als Zufluchtsland der Holocaust-Überlebenden oder als „einzige Demokratie im Nahen Osten“ – herausbildete, auf welche strukturellen und ideologischen Fundamente es gestellt war. Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund, legt mithin fundiert und akkurat dar, wie die ethnokratische Dimension der israelischen Demokratie von Anbeginn nicht ohne Segregation der Palästinenser, ohne Apartheid und ethnische Säuberungen, ohne Landraub und Terrorisierung der einheimischen palästinensischen Bevölkerung auskommen konnte. Sie gelangt zu dem Schluss, dass es sich beim Zionismus im Wesen um einen historisch ausgeformten Siedlerkolonialismus handelt."

    Leider bewegt sich Ihr Kommentar auch nicht auf der Höhe der israelisch-jüdischen Geschichtsschreibung, denn seit Mitte der 1980er Jahre, also nach Aufhebung der 30jährigen Sperrfrist historisch-militärischer Akten hat eine ganze Generation der sog. Neuen Historiker in Israel mit fundamentalen und noch heute (auch in Deutschland - siehe Ihr Kommentar) sorgsam gepflegten Mythen aufgeräumt. Dazu gehörte zunächst Benny Morris, anschließend Ilan Pappe mit seinem bahnbrechenden Buch über "Die ethnische Säuberung Palästinas" bis zu Niko Peleds auch auf Deutsch erschienenem Buch "Der Sohn des Generals", in dem er u.a. auch mit der von Ihnen gepflegten Legende der "Angriffskriege" durch die arabischen Staaten aufräumt. Insbesondere deutlich wird dies am Beispiel der sog. "Sechs-Tage-Krieges", bei dem Niko Peleds Vater Matti als führender General im Generalstab der israelischen Armee die zögernde Regierung zum Präventivschlag gegen Ägypten bewegte. Eine Parallele dazu finden Sie bei George W. Bushs Krieg gegen den Iran. Noch eine Fußnote zu Matti Peled: Er wandelte sich vom Falken zur Taube, nachdem er die Folgen der israelischen Besatzungs-/Siedlungspolitik-Politik erleben musste.
    Last not least ein Gedicht von Erich Fried:

    Worauf es ankommt

    Es kommt im Augenblick
    nicht darauf an
    wann es war
    daß die Unterdrückerregierung
    in Israel
    sich verwandelt hat
    in eine Verbrecherregierung

    Aber es kommt darauf an
    zu erkennen
    daß sie jetzt eine
    Verbrecherregierung ist

    Es kommt auch nicht mehr
    darauf an
    darüber zu streiten
    nach welchem Vorbild
    sie ihre Verbrechen begeht
    Diese verbrechen selbst
    tragen sichtbar die Spur ihres Vorbilds

    Aber es kommt darauf an
    nicht nur klagend oder erstaunt
    den Kopf zu schütteln
    über diese Verbrechen
    sondern endlich
    etwas dagegen zu tun

    Es kommt nicht darauf an
    was man ist
    Moslem, Christ, Jude, Freigeist:
    Ein Mensch
    der ein Mensch ist
    kann nicht schweigen
    zu dem was geschieht

    Erich Fried

    Mit freundlichem Gruß
    Ekkehart Drost
    Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e.V.

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