Film

Die letzte Kolonie

In seiner Dokumentation lenkt Christian Gropper den Blick auf einen schwelenden Konfliktherd vor den Toren Europas.

Mohamed Sulaiman ist ein gebildeter junger Saharaui. Er hat in Algerien englische Literatur und Kunst studiert und kehrte nach dem Studium zu seiner Familie ins Lager zurück. Heute näht er Kleider für den kleinen Laden seines Vaters und arbeitet manchmal als Übersetzer, wenn internationale Besucher in die Flüchtlingslager kommen. Mit ihm erkundet das Filmteam den Alltag in den Lagern und an der schwer bewachten Grenze zum marokkanisch besetzten Teil ihres Landes. Rund zwei Drittel der Flüchtlinge sind unter 25 Jahre alt. Eine ganze Generation, die außer den Zelten und Lehmhütten im Lager nie etwas von der Welt gesehen hat. Die ersten Stimmen nach einer Rückkehr zu den Waffen werden bereits laut.

Die Saharaui stammen aus der Westsahara, die bis 1975 spanische Kolonie war. Dann zogen die Spanier ab und gaben das Land frei. Doch nicht an die Saharaui. Der marokkanische König Hassan II. stellte Ansprüche an das Land seiner Nachbarn. Erst schickte er Siedler über die Grenze in den Süden, dann ließ er die Saharaui bombardieren. Mehr als 25.000 Menschen starben auf der Flucht. 16 Jahre dauerte der Krieg zwischen Marokko und der saharauischen Frente Polisario.


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1991 erreichten die Vereinten Nationen einen Waffenstillstand und sendeten Blauhelmsoldaten in die Region. Doch bis heute trennt eine mehr als 2.700 Kilometer lange Mauer das Land der Saharaui. Im Westen liegt der von Marokko besetzte Teil des Landes mit der fischreichen Atlantikküste und vielen Bodenschätzen. Im Osten liegt ein verminter und fast unbewohnbarer Streifen, der von der saharauischen Polisario verwaltet wird.

Immer wieder hat die Uno Verhandlungen für eine friedliche Lösung angestoßen. Immer wieder sind sie gescheitert. Marokko betrachtet die Westsahara als seine Südprovinz und beutet die Bodenschätze aus, denn die Geschäfte mit den Ländern Europas versprechen auch in Zukunft lukrative Gewinne. Die Länder Europas sehen weg, solange sie gute Geschäfte mit dem nordafrikanischen Land pflegen. Wie lange wird die Region ruhigbleiben? Kann sich die Welt überhaupt einen weiteren Krisenherd leisten? Oder muss Europa nicht endlich auch diesen Konflikt angehen, damit sich nicht schon bald der nächste Brand vor der Haustür entfacht? Die Saharaui, das vergessene Volk der Westsahara, werden nicht ewig geduldig bleiben.

Quelle: ARTE


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