Corona-Spendenaufruf

Solidarität in Zeiten der Pandemie

Die Folgen der Corona-Pandemie im Globalen Süden werden verheerend sein. Unsere Partnerorganisationen arbeiten unter Hochdruck in der Prävention, bereiten sich auf die COVID_19-Kranken vor und kämpfen für solidarische Gesundheitssysteme.

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Desinfektion gegen die verbreitung des Virus in Nordsyrien. (Foto: Rojava Information Center)

Spendenaufruf: Globaler Virus. Globale Solidarität!

„Wir dürfen in diesen Tagen nicht nur nach Deutschland und Europa schauen. Corona wird auf der ganzen Welt die armen Regionen besonders hart treffen. Es braucht deswegen sofortige Hilfe“, sagt Anne Jung, Gesundheitsreferentin bei medico international.

Seit über 50 Jahren setzt sich medico als sozialmedizinische Hilfs- und Menschenrechtsorganisation für das Recht auf den bestmöglichen Zugang zu Gesundheit ein – mit Partnerorganisationen auf drei Kontinenten. Unsere Partner*innen arbeiten unermüdlich für und mit all jenen, denen der globalisierte Kapitalismus kein Bett in einem Krankenhaus, keinen Arztbesuch oder Impfung zugesteht. Sie streiten für ein flächendeckendes Gesundheitssystem in öffentlicher Hand, zugänglich für alle Menschen, unabhängig von Einkommen und Herkunft.

Die Corona-Pandemie stellt diese Strukturen auf eine harte Probe. Noch lässt sich nur erahnen, welche Schäden sie in den Ländern des Globalen Südens anrichten wird, in Elendsvierteln und überfüllten Flüchtlingslagern. Überall dort, wo der nächste Arzt, das nächste Krankenhaus nicht erreichbar oder nicht bezahlbar ist.

„Die ohnehin desaströse Situation der globalen Gesundheitsversorgung wird durch die Epidemie zur Katastrophe anwachsen“, sagt Anne Jung.

Jetzt spenden für die Corona-Hilfe!

Die Pandemie ist eine Krise der globalen Gesundheit. Und sie hat schon jetzt weitreichende politische und ökonomische Folgen. So berichtet eine pakistanische Gewerkschaft, die medico unterstützt, dass die Textilfabriken allesamt vor der Schließung stehen und eine beispiellose Massenarbeitslosigkeit erwartet wird. Der Staat verfüge über keinerlei Mittel, die zu erwartende soziale Katastrophe aufzufangen.

Die medico-Partnerorganisationen in aller Welt brauchen jetzt Solidarität und umgehende Unterstützung bei flächendeckenden Präventionsmaßnahmen, bei der Bereitstellung von Schutzausstattung und in ihrem politischen Kampf gegen Armut und krankmachende Verhältnisse sowie für das Recht auf ein gesundes und gutes Leben.

Spendenkonto:
medico international
IBAN: DE21 5005 0201 0000 0018 00
BIC: HELADEF1822
Frankfurter Sparkasse


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Mit einer medico-Fördermitgliedschaft fördern sie die Arbeit von medico und unseren Partnerorganisationen auch im Bereich der Globalen Gesundheit dauerhaft. Ist die Pandemie erst einmal überstanden und damit aus den Medien verschwunden, wird unser Einsatz für den bestmöglichen Zugang zu Gesundheit für alle Menschen unermüdlich weiter gehen. Dafür bedarf es langfristiger Unterstützung!

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medico-Partner im Einsatz gegen Corona

...wird fortlaufend aktualisiert

El Salvador: Staatliche Übergriffe und gesundheitliche Selbstorganisation

3. April

Im Kampf gegen das Coronavirus hat die Regierung von El Salvador zügig drastische Maßnahmen ergriffen. So wurde der Landkreis Metapán, wo der erste Corona-Fall auftrat, vom Militär abgeriegelt, ein landesweites Einreiseverbot verhängt, Schulen und Universitäten geschlossen und eine allgemeine Ausgangssperre verkündet. Auch die Maquilas und Call Center, die für den US-Markt arbeiten, mussten ihren Betrieb unterbrechen. Die Verhängung des Ausnahmezustands und die Aussetzung vieler Grundrechte lässt die Sorge über ein zunehmend autoritäres Vorgehen der Exekutive wachsen. Vor allem nachdem Präsident Nayib Bukele erst im Februar im Konflikt mit dem Kongress das Militär das Parlamentsgebäude besetzen ließ.

Als die Regierung ankündigte, einen Betrag von 300 US-Dollar als Unterstützung für Menschen ohne Einkommen auszuzahlen, brach die Online-Registrierung kurzerhand zusammen. Viele machten sich zu Fuß auf den Weg, um ihre Zahlung in Empfang zu nehmen. „Wir haben Hunger“ riefen die aufgebrachten Menschen, nachdem sie stundenlang angestanden hatten, die Zahlstellen aber geschlossen wurden. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. Bereits in den ersten Tagen der Ausgangssperre wurden 269 Personen wegen Verstößen verhaftet, schnell wurde über Misshandlungen durch die Sicherheitskräfte berichtet.

Weil in El Salvador viele Gemeinden nicht ausreichend mit Wasser versorgt werden, ist die allgemeine Hygienesituation schlecht und die Vorbeugung gegen das Coronavirus zusätzlich erschwert. Fast jede*r sechste der sechs Millionen Einwohner*innen des Landes ist unzureichend mit sauberem Wasser versorgt.

Die medico-Partnerorganisation APROCSAL und das von ihr mitgetragene Nationale Gesundheitsforum haben schon früh die Einschränkung von Grundrechten kritisiert und die schlechten Zustände in Quarantäne-Lagern angeprangert. Schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie setzten sie sich für einen besseren Zugang zu Gesundheit ein, aktuell startet ein von medico und dem BMZ unterstütztes Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung der marginalisierten Bevölkerung. Angesichts der Coronakrise hat APROCSAL einen umfangreichen Aktionsplan entwickelt, der Aufklärung über das Virus, Prävention und Erhebung von Risikogruppen in den Gemeinden und eine kritische Begleitung der staatlichen Maßnahmen gegen die Pandemie umfasst.

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Guatemala: Aufklärung und Corona-Prävention in indigenen Gemeinden

2. April

Bereits seit Mitte letzten Jahres hat Guatemala mit einem neuen Ausbruch des Dengue-Fiebers zu kämpfen. Weil die Symptome – Fieber und ausgeprägte Gliederschmerzen – denen des Coronavirus ähneln, stehen die Gesundheitsorgane hier vor einer besonderen Herausforderung. Erste Tests bestätigten 24 Corona-Fälle, aber auch in Guatemala ist von einer beträchtlichen Dunkelziffer auszugehen.

Nachdem die Regierung den Notstand ausgerufen hat, gelten aktuell zwischen 16 und 4 Uhr landesweite Ausgangssperren. Schulen sind geschlossen, die Einreise aus dem Ausland untersagt, der öffentliche Nahverkehr eingestellt und es wurden bereits mehr als 2.000 Menschen wegen Verstößen gegen die Verordnungen verhaftet. Besonders schwer treffen die ergriffenen Maßnahmen all jene, die im informellen Sektor arbeiten. Und auch wenn für Wohnungslose Unterkünfte geöffnet werden sollen, werden in diesen vermutlich keine ausreichenden Vorbeuge- und Hygienemaßnahmen getroffen. Dies liegt daran, dass das öffentliche Gesundheitswesen chronisch unterfinanziert ist und die allgegenwärtige Korruption auch hier nicht Halt macht.

Deshalb ist die Sorge groß, dass sich weite Teile der wirtschaftlich schlechter gestellten Bevölkerung nicht an die Ausgangssperre halten können, ohne ihr Überleben zu gefährden. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass sich das Virus schnell weiter ausbreiten wird und das marode Gesundheitssystem vor eine unlösbare Herausforderung stellt. Bereits vor dem Ausbruch von Dengue und Corona war die Kindersterblichkeit hoch, wovon besonders die ländliche und indigene Bevölkerung betroffen ist.

Um diese zu unterstützen, setzt sich die medico-Partnerorganisation Sagrada Tierra bereits seit vielen Jahren in Dörfern im nördlichen Departamento Petén für Ernährungssicherheit und lokale Selbstorganisation ein. Aktuell versorgt Sagrada Tierra lokale Gesundheitspromotor*innen mit Informationen über die Corona-Pandemie und unterstützt sie bei der Umsetzung von Sofortmaßnahmen zu Hygiene und Risikominimierung.

Die Basisgesundheitsorganisation ACCSS, mit der medico seit über 25 Jahren zusammenarbeitet, wirkt der Ausbreitung des Coronavirus unter anderem mit einer Aufklärungskampagne über kommunitäre Radio, Fernsehen und Lautsprecherwagen auf Spanisch und in Q'eqchi entgegen. Dabei werden die Menschen auch über die Eigenherstellung von Seife und Desinfektionsmitteln unterrichtet. In den Dörfern wird zur Vorbereitung auf mögliche Infektionsherde zusätzlich erhoben, wer besonders bedroht ist. Und für Gesundheitspromotor*innen, die sich zwischen den einzelnen Gemeinden bewegen, wurden besondere Schutzmaßnahmen entwickelt.

Auch die von medico unterstützte Organisation ECAP, die sonst im psychosozialen Bereich tätig ist, verbreitet Radiospots zur Aufklärung über Schutzmaßnahmen in Spanisch und den jeweiligen Maya-Sprachen, um die Vorbeugung gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu stärken.

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Mexiko: Prävention unter Migrant*innen

1. April 2020

Während inzwischen auch in Mexiko die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle stark steigt, senden die Behörden widersprüchliche Signale. Erst vor wenigen Tagen schüttelte Präsident Andrés Manuel López Obrador vor laufenden Kameras der 92-jährigen Mutter des im vergangenen Juli in New York zu lebenslanger Haft verurteilten Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán die Hand. Dabei brachte er einmal mehr seine demonstrative Sorglosigkeit angesichts der weltweiten Pandemie zum Ausdruck. Zuvor hatte der Präsident die Bevölkerung bereits dazu aufgerufen ihre Häuser wie gewohnt zu verlassen, um mit der Familie essen zu gehen und die lokale Wirtschaft zu unterstützen.

Weil aber die Gouverneure einiger Bundesstaaten dazu aufrufen, zu Hause zu bleiben und auch in Mexiko-Stadt inzwischen Ausgangsbeschränkungen gelten, werfen Kritiker*innen dem Präsidenten vor, das Virus nicht ernst zu nehmen. Unter diesen Bedingungen wird sich das Virus vermutlich schnell ausbreiten. Deshalb wird auch in Mexiko mit landesweiten Einschränkungen des öffentlichen Lebens gerechnet. Vor dem Hintergrund, dass rund 60 Prozent der arbeitenden Bevölkerung (etwa 75 Millionen Menschen) ohne Arbeitsverträge oder ökonomische Absicherung im informellen Sektor beschäftigt sind, wird deutlich, welch verheerende soziale Folgen ein Shutdown haben wird. 

Ein besonderes Drama bedeutet die Situation für Menschen aus El Salvador, Guatemala, Honduras oder Nicaragua, die auf dem Weg Richtung Norden sind. Auf der Suche nach einer Zukunftsperspektive und mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA stranden sie oft in Mexiko, das sich zum Gehilfen der US-Abschottungspolitik gemacht hat. Ein zentraler Anlaufpunkt im Süden des Landes ist die von medico geförderte Herberge „La 72“, die bereits seit dem 22. März eine Quarantäne verhängt hat. Damit folgen die Helfer*innen einer Empfehlung des Gouverneurs des Bundesstaats Tabasco. Die Bewohner*innen sollen die Herberge nun nur noch in Ausnahmefällen verlassen und werden dabei vom Team der Herberge im Auto transportiert.

Weil ein Ende des Exodus aus Zentralamerika nicht in Sicht ist, solange das Leben dort von Armut, Perspektivlosigkeit, Gewalt und Straflosigkeit geprägt ist, nimmt „La 72“ auch weiterhin neue Migrant*innen auf. Diese werden vorerst in separaten Räumen untergebracht und versorgt. Weil alle freiwilligen Unterstützer*innen die Herberge verlassen mussten, wird die Arbeit derzeit allein von dem kleinen „hauptamtlichen“ Team gestemmt. Sie erarbeiten aktuell umfangreiche Richtlinien für die Vorbeugung und versuchen auf diese Weise, die Ansteckungsketten von Covid-19 zu durchbrechen.

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Israel/Palästina: Corona-Aufklärung, Prävention und rechtliche Hilfe

1. April 2020

Aufgrund der ungleichen Lebensverhältnisse in Israel und den palästinensischen Gebieten wirkt sich auch das Coronavirus unterschiedlich auf das Leben der Menschen dort aus. In Israel gibt es hohe Testkapazitäten, eine verschärfte Ausgangssperre, eine vollständige Stilllegung des öffentlichen Nahverkehrs und eine ausgeweitete Telefonüberwachung, die positiv Getestete trackt und mögliche Kontaktpersonen informiert. Den palästinensischen Behörden stehen dagegen weitaus weniger Mittel zur Verfügung. Sie können nicht annähernd so viele Tests durchführen und die Lage umso schwerer einschätzen.

Hinzu kommt, dass sämtliche Checkpoints vom israelischen Militär geschlossen wurden und das Gesundheitssystem gerade im Gaza-Streifen, einem der am dichtesten besiedelten Orte der Welt, vor besonderen Herausforderungen steht. Zwar gibt es hier keine Ausgangssperren, wie in der Westbank, aber auch die Quarantänevorschriften können oft nicht eingehalten werden. Auch wenn das Durchschnittsalter im Gaza-Streifen vergleichsweise niedrig ist, leiden auch viele junge Menschen aufgrund der 13-jährigen Abriegelung und der regelmäßigen Militäraktionen Israels an chronischen Krankheiten und haben durch schlechte Wasser- und Lebensmittelversorgung ein schwaches Immunsystem. Weil viele Palästinenser*innen zudem darauf angewiesen sind ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner*innen zu verdienen drohen sie infolge der Schließungen von Cafés, Restaurants und Hotels, in denen viele sonst arbeiten, in die absolute Mittellosigkeit zu stürzen.

Gleiches gilt für Israel, wo viele Menschen mit geringen Einkommen bereits massiv von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Doch auch hier trifft die Krise besonders die etwa 70.000 palästinensischen Tagelöhner*innen, die wegen der Grenzschließung nun in Israel festsitzen und deren Situation unklar ist. Ebenfalls besonders gefährdet sind alle Menschen, die ohne legalen Aufenthaltsstatus in Israel leben, beispielsweise Geflüchtete, und Illegalisierte aus Eritrea und Ländern südlich der Sahara. Das liegt daran, dass sie sich aufgrund ihrer prekären Wohnsituation oft nicht in die verordnete Selbstisolation begeben können und keinen Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem haben.

In Anbetracht dieser sehr unterschiedlichen Herausforderungen leisten die medico-Partnerorganisationen vor Ort vielseitige Hilfe und unterstützen die jeweiligen Communities direkt. In Gaza stellt „The Culture and Free Thought Association“ (CFTA) eine Telefon-Seelsorge bereit und versorgt die Menschen mit Hygiene-Artikeln, während Al Mezan über die Auswirkungen der verordneten Maßnahmen auf die Menschenrechtslage aufklärt. Die „Union of Agricultural Work Committees“ (UAWC) verteilt gespendetes Gemüse von Bauern und Bäuerinnen aus dem Jordantal in der Westbank und leistet, wie auch die „Palestinian Medical Relief Society“ (PMRS) mit ihren mobilen Kliniken, Aufklärungsarbeit zu persönlicher Hygiene und Präventionsmaßnahmen. Dabei verteilen sie auch in abgelegenen Dörfern und Gemeinden Hygieneartikel. Die „Physicians for Human Rights in Israel“ tun unterdessen alles, um ihre offene Klinik für Geflüchtete in Yaffa im Betrieb zu halten, während die in Haifa ansässige Menschenrechtsorganisation Adalah all jene rechtlich vertritt, denen der Zugang zur Gesundheitsversorgung in Israel verweigert wird.

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Somalia: Corona-Prävention aus dem Wasserkanister

1. April 2020

Corona ist nicht die erste und einzige Sorge, die Menschen in Somalia umtreibt. Aber seit es auch in Somalia bestätigte COVID-19-Fälle gibt, nimmt die Angst zu. Unsere Partnerorganisation Nomadic Association for Peace and Development (NAPAD) will nicht abwarten, bis die Zahl der Infizierten weiter steigt. Die Mitarbeiter*innen der lokalen Hilfsorganisation handeln jetzt und nutzen ihre schon lange geplanten Hygienekampagnen nun auch, um über die ungewohnten Verhaltensregeln, vor allem das Abstandhalten, zur Eindämmung des Virus aufzuklären. Dabei sind sie mit Wasserkanistern, Seife und vielen Erläuterungen im Gepäck unterwegs.

Ihnen ist klar, dass die Lebensbedingungen für sehr viele Menschen, sei es in den ländlichen Regionen Somalias oder im Großraum Mogadischu, schlichtweg ungesund sind. Ihre Arbeit beschränkt sich daher nicht auf Appelle und Aufklärung: NAPAD treibt den Ausbau der solarbetrieben Wasserinfrastruktur voran, damit Händewaschen mit sauberem Wasser kein unmögliches Unterfangen mehr ist, sondern Normalität wird. Diese Arbeit ist aufwändig und langfristig, aber nur so kann Krankheiten generell vorgebeugt werden.

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Pakistan: Am Ende der globalen Lieferketten

30. März 2020

Wenn hierzulande Bekleidungsgeschäfte geschlossen bleiben müssen, können Textilfirmen auf staatliche Unterstützung hoffen. Entlang den globalen Lieferketten aber schlagen Corona-bedingte Einbußen ungebremst durch. Schon jetzt verzeichnen Textilfabriken in Südasien Auftragsrückgänge in Milliardenhöhe. Allein in der Provinz Sindh, in der auch die Millionenmetropole Karachi liegt, trifft das unzählige Familien. Indem die Arbeit in der Textilproduktion wegfällt, sind sie von heute auf morgen existenziell bedroht.

Eine Allianz von Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen um die medico-Partnerorganisation National Trade Union Federation (NTUF) fordern deshalb die Regierung zur Auflage eines Unterstützungsfonds für die Arbeiter*innen auf, insbesondere für die Vielzahl derer, die nie einen regulären Vertrag erhalten haben. Zwischenzeitlich organisiert die NTUF selbst Maßnahmen zur Corona-Aufklärung und -Prävention. Und im Rahmen ihrer Möglichkeiten lässt sie den am stärksten betroffenen Familien Lebensmittelhilfen zukommen.

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Moria, Lesbos: Selbstorganisierte Corona-Prävention

30. März 2020

Geflüchtete im völlig überfüllten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos nehmen die Corona-Prävention selbst in die Hand. Über 20.0000 Menschen leben in dem Lager, das auf die Unterbringung von weniger als 3.000 Menschen ausgelegt ist. Die hygienischen Bedingungen sind desaströs. Die Menschen leben auf engstem Raum beieinander, Hunderte müssen sich eine Toilette teilen und es gibt kaum sauberes Wasser. Die Flüchtlinge haben weder die Möglichkeit, sich regelmäßig die Hände zu waschen noch können sie einander in den beengten Verhältnissen aus dem Weg gehen. Allein in der Schlange vor der Essensausgabe stehen die Menschen dichtgedrängt. Es fehlt an Seife und Desinfektionsmitteln. Außerdem leben im Lager viele alte und kranke Menschen, die besonders gefährdet sind.

Von EU und griechischer Regierung werden die Menschen allein gelassen und die meisten internationalen Helfer*innen sowie Journalist*innen haben die Insel verlassen. Seit Montagmorgen gilt in Griechenland eine Ausgangssperre und die Menschen dürfen das Lager nur noch unter strengsten Auflagen verlassen. In dieser Situation haben die medico-Partner von „Stand by me Lesvos“ begonnen, ein Moria Corona Awareness Team zu bilden, das die Menschen im Lager in verschiedenen Sprachen aufklärt, wie sie sich und andere vor dem Virus schützen können. Mit Megaphonen und Plakaten vermitteln sie Verhaltensregeln. In einem provisorischen Atelier sind andere dabei, Atemschutzmasken zu nähen, die dann im Lager verteilt werden – zum Schutz vor Übertragung, aber auch, um die Gefahr durch das Virus im Bewusstsein zu halten und daran zu erinnern, sich nicht ständig ins Gesicht zu fassen.

Es gibt bereits Corona-Fälle auf der Insel, aber unter den Flüchtlingen ist noch keiner bekannt. Würde Corona im Lager ausbrechen, wäre eine rasante Verbreitung kaum zu verhindern. Angesichts der begrenzten Kapazitäten des lokalen Krankenhauses, das vorher schon überlastet war, ist die Arbeit von „Stand by me Lesvos“ ein Wettlauf gegen die Zeit. 

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Südosttürkei: Nachbarschaftshilfe als einzige Option

30. März 2020

In der Türkei gibt es bereits hunderte positive Covid_19-Fälle. Wie viele andere autoritäre Regierungen auch hat der AKP-Präsident Erdogan zunächst die Verbreitung des Coronavirus klein geredet und wenige Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung erlassen. Inzwischen gibt es offiziell erlassene Ausgangssperren und Schließungen öffentlicher Einrichtungen, dennoch entsteht der Eindruck, dass staatliche Soforthilfen besonders der ohnehin prekären Wirtschaft zu Gute kommen – mittelständischen und großen Firmen. Für kleine Geschäftsinhaber ist vorerst keine Hilfe vorgesehen.

Die medico-Partner in den kurdischen Gebieten der Südosttürkei berichten auch dort von den ersten bestätigten Corona-Fällen. Die Nähe zum Iran macht eine schnelle Verbreitung des Virus wahrscheinlicher als in anderen Teilen des Landes. Da es aber so gut wie keine Testmöglichkeiten in der Region gibt, ist es schwer eine verlässliche Aussage zu treffen. Das kurdische Neujahrsfest Newroz – was traditionell am 21. März mit großen Versammlungen gefeiert wird – fand daher nur auf Balkonen und in privaten Räumen statt.

In nachbarschaftlichen Hilfsaktionen werden nun – auch mit medico-Unterstützung – im Stadtteil Sur in Diyarbakir, in Nusaybin, Sirnak, Cizre und Silopi Lebensmittel und Hygieneartikel an besonders bedürftige kurdische Familien verteilt. Hilfe bekommen besonders diejenigen, die nach der staatlichen und militärischen Verfolgung 2016 aus ihren Städten vertrieben wurden, inzwischen teilweise wieder zurückkehren konnten. Ihre Situation bleibt aber weiterhin sehr schwierig. Viele von ihnen sind arbeitslos oder verdienten als Tagelöhner etwas Geld. Aktuell finden sie wegen der Ausgangssperre keine Arbeit und für sie gibt es in der akuten Situation auch keine staatliche Hilfe.

Die Ausstattung des Gesundheitswesens ist in den kurdischen Gebieten nicht besonders gut, es gibt beispielsweise nur wenig Intensivbetten. Doch auch kleinere Behandlungen oder Beratungen durch staatliche Gesundheitsstellen kommen bei den Menschen nicht an. Daher ist die Nachbarschaftshilfe nun umso wichtiger: Gemeinsam mit der Ärztekammer und der Gesundheitsgewerkschaft aus Diyarbakir werden Aufklärungsmaterialien entwickelt und in den Stadtteilen verteilt.

Trotz der Ausbreitung des Coronavirus geht die Repression in der kurdischen Südosttürkei weiter: Letzte Woche wurden wieder in mehreren Städten HDP-Bürgermeister abgesetzt und Zwangsverwalter eingesetzt.

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Kurdistan-Irak: Corona-Nothilfe für intern Vertriebene

30. März 2020

Der Coronavirus hat auch in der kurdischen Region des Nordirak dramatische Auswirkungen, trotz einer bisher begrenzten Anzahl bestätigter Fälle. Alle Regierungsstellen und öffentlichen Einrichtungen sind geschlossen, für die Bevölkerung wurde eine Ausgangssperre verhängt, um Ansteckungen zu vermeiden.

Angesichts der anhaltenden Krisensituation mit 1,8 Millionen intern Vertriebenen im Irak und eines schwachen öffentlichen Gesundheitssystems mit nur einer geringen Zahl verfügbarer Klinikbetten mit Beatmungsgeräten ist die Sorge vor einer Ausbreitung riesig. Der öffentliche Gesundheitssektor ist überfordert. Es fehlt an Klinikbetten, Beatmungsgeräten, aber auch an Ausstattung des Gesundheitspersonals mit Desinfektionsmitteln, Schutzmasken, Handschuhen etc.

Unsere Partnerorganisationen Haukari und Khanzad bereiten mit medico-Unterstützung verschiedene Maßnahmen in der Germian-Region vor, wo über zehntausend Menschen in prekären Verhältnissen in den Camps Tazade und Qoratu bei Kalar leben. Ihre Situation macht besonders Sorgen, denn schon im letzten Jahr haben sich die UN-Hilfsorganisationen aus Management und Versorgung der Camps zurückgezogen. Das ist eine direkte Folge der Entscheidung internationaler Geber, den Schwerpunkt der Hilfe vom Norden auf den Zentralirak zu verlagern. Seither droht die Gesundheitsversorgung in den Camps zusammenzubrechen und ist der Schulunterricht eingestellt.

Es braucht jetzt akute Unterstützung: haukari rüstet mobile Gesundheitsteams in den  Geflüchtetencamps ebenso wie die Mitarbeiter*innen der lokalen Krankenhäuser in Kalar, Rizgary, Sarqala und Kifri mit Masken, Handschuhen, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel aus und arbeitet mit lokalen Komitees zusammen, die in Stadtteilen und Dörfern Aufklärungsarbeit über den Coronavirus betreiben. Zudem soll der Aufbau eines neuen Krankenhauses in Kalar unterstützt werden, das speziell für die Behandlung von COVID-19-Patienten ausgerüstet ist.

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Bangladesch: medico-Partner entwickelt eigenen COVID-19-Test

30. März 2020

Bisher sind in Bangladesch nur wenige COVID-19-Fälle bekannt geworden. Dennoch hat die Regierung einen Einreisestopp für europäische und andere Länder verfügt, die Schulen bis auf weiteres geschlossen und bereitet gerade die Schließung aller Behörden und  vieler privater Geschäfte vor, die ab 26. März gilt.

Nach Einschätzung der medico-Partnerorganisation Gonoshastaya Kendra (GK) wird die Zahl der Corona Fälle in kurzer Zeit rasch ansteigen. Die noch niedrigen Fallzahlen liegen vor allem daran, dass nicht ausreichend getestet wird, berichten sie uns. Laut der Tageszeitung Daily Telegraf konnten bisher nur 620 Corona-Tests durchgeführt werden – und das in einem Land, das doppelt so viele Einwohner*innen hat wie Deutschland. Deshalb entwickelt GK derzeit ein eigenes Test Kit, mit dem der Coronavirus erkannt werden kann. Die Forschung wird von Bijon Kumar Sil geleitet, der bereits 2003 ein Test für den SARS Virus entwickelt hat. Das Test Kit wird voraussichtlich nur 3 bis 4 Euro kosten und soll die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus innerhalb von 15 Minuten nachweisen.

GK hat gerade von den zuständigen Behörden die Genehmigung erhalten, aus Großbritannien Substanzen für die Entwicklung des Corona-Tests zu importieren. GK erwartet die Lieferung in 7 bis 10 Tagen und wir dann mit der Produktion von Mustern des „Gonoshasthaya Rapid Dot Blot“ beginnen. Die Muster müssen dann noch von den Behörden zugelassen werden, so dass es noch einige Wochen dauern wird, bis sie die Tests nutzen können.

In der Zwischenzeit führt GK verschiedene präventive Maßnahmen durch. Vor den Krankenhäusern der Organisation sind kleine Zelte aufgebaut, in denen neue Patienten*innen und Besucher*innen auf Fieber und andere COVID-19-Symptome untersucht werden. Sofern Symptome festgestellt werden, werden die Besucher*innen nicht eingelassen bzw. die Patient*innen in andere Einrichtungen geschickt, vor allem um dadurch die bei GK behandelten Dialysepatient*innen zu schützen.

Daneben arbeitet GK in der gesundheitlichen Aufklärung mit Postern, Infozettel etc. und bereitet sich auf den Ernstfall vor: Im Medical Collage Hospital in Savar wird der gesamte 4. Stock gerade in eine Isolierstation umgebaut und GK produziert Gesichtsmasken für das eigenen medizinische Personal, da diese im gesamten Land ebenso ausverkauft sind wie Schutzanzüge. Auch in den Flüchtlingslagern der Rohingya arbeitet GK weiter, dort betreuen sie verschiedene medizinische Einrichtungen in den Camps und führen Aufklärungskampagnen zum Corona-Virus durch. 

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Südafrika: Die menschenrechtliche Dimension der Pandemie

30. März 2020

Am 15. März hat Präsident Ramaphosa den nationalen Notstand erklärt, die Schließung von Schulen und Universitäten und weitere bewegungseinschränkende Maßnahmen angeordnet. Bisher sind die COVID_19-Erkrankungen im Land noch gering und zumeist von Personen, die aus Europa, Australien oder China eingereist waren, mitgebracht worden. Es wird aber befürchtet, dass sich der Virus demnächst im Land verbreiten und auf die Armenviertel übergreifen wird. Vor den Folgen warnen die südafrikanischen Partnerorganisationen von medico international.

Die Gesundheitsarbeiterinnen von Sinani sind extrem besorgt über die möglichen Folgen einer Verbreitung des Corona-Virus in den Townships und ländlichen Communities. Dort sind die Community Health Care Worker diejenigen, die am engsten mit der Bevölkerung arbeiten und um die lokalen Bedingungen der Gesundheitsversorgung wissen. Enge Wohnräume, überfüllte Kleinbusse und mangelnder Zugang zu Wasser sind einige Beispiele.

Auch ohne den Virus sind viele Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens in Südafrika nicht im Stande, den Bedarf zu decken. Das Gesundheitssystem ist denkbar schlecht für die Pandemie ausgerüstet und schon jetzt mit Tuberkulose, HIV/AIDS und multiresistenten Keimen, bei denen die üblichen Antibiotika nicht mehr helfen, überfordert. Extrem gefährdet sind auch Gesundheitsarbeiterinnen selbst, die schon jetzt ohne Schutzausrüstung wie Masken und Handschuhe arbeiten müssen und in zunehmender Zahl an Tuberkulose erkranken.

Die medico-Partnerorganisationen Khanya College und das Gauteng Community Health Worker Forum haben über soziale Medien bereits mit der Corona-Aufklärung begonnen und mobilisieren ihre Aktivist*innen. Die Gesundheitsorganisation section27 fordert Schutzausrüstung für Gesundheitsarbeiterinnen, leistet Aufklärungsarbeit und bietet Rechtsschutz im Kontext der Corona-Krise. Die Organisation will sich außerdem auf die menschenrechtlichen Implikationen des Virus und seinen Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Die ehemaligen Mitarbeiter*innen von section27, Mark Heywood und Anso Thom, erstellen im Rahmen des elektronischen Medienprojekts Daily Maverick ein fortlaufendes Dossier zu Corona und verfolgen die politischen und menschenrechtlichen Dimensionen der Epidemie.

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Marokko: Schutzbedürftige Frauen und Kinder vor der Ansteckung bewahren

30. März 2020

Wo staatliche Institutionen beim Schutz der Rechte und in der Unterstützung von Menschen versagen, müssen die Menschen sich selbst organisieren, um für ihre Rechte einzutreten und Abhilfe zu schaffen. Genau das haben 2005 kongolesische Migrantinnen und Migranten in Marokko gemacht, die sich mit ihrer Organisation ARCOM für die Rechte von Geflüchteten in Marokko einsetzen, egal woher sie kommen.

Die Gründung von ARCOM war eine Reaktion auf die Aufrüstung der Grenzzäune um die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla herum, in deren Folge der Transit durch Marokko für viele Menschen aus Subsahara-Afrika und anderen Ländern zum unfreiwilligen Daueraufenthalt wurde. Die Situation für subsaharische Flüchtlinge in Marokko ist schwierig. Besonders für Frauen, die schwanger oder mit kleinen Kindern unterwegs sind.

Für sie hat ARCOM vier Wohnungen in Rabat angemietet, wo die Frauen mit ihren Kindern vorübergehend unterkommen können. Derzeit wohnen dort 26 Frauen und 20 Kinder, viele noch Babys. ARCOM versorgt sie mit einer Mahlzeit am Tag sowie Unterstützung bei Arzt- und Behördenbesuchen, bei der Jobsuche und in Form von Alphabetisierungs- und Sprachkursen.

Um die aufgenommenen Frauen und Kinder zu schützen und der Verbreitung des Coronavirus keinen Vorschub zu leisten, hat sich die medico-Partnerorganisation ARCOM entschieden, vorerst niemanden mehr neu aufzunehmen. In den Wohnungen wurden strengere hygienische Regeln eingeführt und über Corona-Prävention aufgeklärt. Denn auch diejenigen, die kein eigenes Zuhause und keinen oder nur sehr begrenzten Zugang zum Gesundheitssystem haben, sind eine Risikogruppe.

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Indonesien: Gegenöffentlichkeit und Prävention

30. März 2020

Auch in Indonesien sind alle Menschen aufgerufen zu Hause zu bleiben und Abstand voneinander zu halten. Ein umfassender lock down oder Reisebeschränkungen wurden bisher von Präsident Jokowi ausgeschlossen, er gibt die Verantwortung an die jeweiligen regionalen Stellen weiter. Die Zahl der bestätigten Fälle liegt bei fast 600, wobei bereits 22 der 34 indonesischen Provinzen betroffen sind.

Lian Gogali von der medico-Partnerorganisation Institut Mosintuwu auf der Insel Sulawesi kritisiert das Nicht-Verhalten der Regierung. Regierungsmitarbeiter*innen verbreiten öffentlich Falschinformationen über den Virus und gefährden so die Gesundheit der Menschen.

Also nehmen Lian und die Mitarbeiter*innen vom Institut die Prävention selbst in die Hand. Sie leisten Aufklärungsarbeit, um die Gemeinden auf Sulawesi mit verifizierten Infos zu versorgen und auf den Virus vorzubereiten. Dazu nutzen sie ihr Radio-Programm und Flyer, bei deren Produktion medico unterstützt.

Lian berichtet von ihrer Arbeit: „Zunächst haben wir ein Covid-19-Informationsheft erstellt mit dem aktuellen Stand der Informationen zur Epidemie, Handlungsempfehlungen und Fakten über den Virus, um Gerüchte die sich in Indonesien verbreiten zu entkräften. In unserem Community-Radio produzieren wir eigene Sendungen, um die Informationen zu verbreiten.“

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Niger: Die Corona-Pandemie als Vorwand für Verhaftungen

30. März 2020

Am 15. März demonstrierten Tausende in der nigrischen Hauptstadt Niamey gegen massive Korruption im Staatsapparat. Drei Menschen starben bei den Protesten. Der Generalsekretär der nigrischen medico-Partnerorganisation Alternative Espaces Citoyens (AEC) Moussa Tchangari sowie mindestens 14 weitere Aktivisten wurden inhaftiert. Die Auflösung der Demonstration wurde damit begründet, die Ausbreitung des Corona-Virus stoppen zu wollen. Andere Großveranstaltungen fanden zu diesem Zeitpunkt jedoch noch uneingeschränkt statt.

medico setzt sich gemeinsam mit dem Netzwerk „Fokus Sahel“ für die sofortige Freilassung aller Inhaftierten ein und warnt vor der Instrumentalisierung der Corona-Pandemie, um Kritiker*innen und Oppositionelle mundtot zu machen. Um eine vernünftige Präventions- und Steuerungspolitik umsetzen zu können, dürfen Regierungen das dafür zentrale Vertrauen der Bevölkerung nicht verspielen. 

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Idlib: Corona-Prävention im Frauenzentrum

30. März 2020

Der Ausbruch einer Corona-Epidemie hätte in den Flüchtlingslagern um Idlib verheerende Folgen: Dutzende Krankenhäuser der Region sind bei Luftangriffen des Assad-Regimes und Russlands gezielt zerstört worden, es gibt keine adäquate Gesundheitsinfrastruktur mehr. Millionen Menschen leben in Camps, informellen Lagern oder einfach unter freiem Himmel. Sie haben keine Möglichkeit, eine Hygiene durchzuführen, die vor dem Virus schützen könnte, von „sozialer Distanzierung“ ganz zu schweigen.

Die medico-Partnerinnen aus dem Frauenzentrum in Idlib-Stadt reagieren auf die Bedrohung so gut sie können. Nachdem sie in den vergangenen Monaten bereits humanitäre Hilfe für hunderte Familien leisteten, nehmen es nun die Corona-Prävention in die Hand. In Kursen klären die Mitarbeiterinnen des Zentrums über die Symptome des Virus auf und geben Tipps, um sich unter den unmöglichen Bedingungen des Krieges vor einer Ansteckung zu schützen. Nur so können sie die Bevölkerung schützen, sagt uns die Leiterin des Zentrums, Huda Khayti: Die Ausbreitung muss so gut es eben geht verhindert werden, für alles Weitere sind sie nicht gerüstet.

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Libanon: Corona trifft auf Staatskrise

30. März 2020

Im Libanon hat die Corona-Epidemie die seit Monaten anhaltende Staats- und Finanzkrise enorm verschärft. Bislang sind über hundert COVID_19-Erkrankungen registriert. Die Regierung reagiert mit Ausgangssperren bis vorerst Ende März, der Beiruter Flughafen und alle Häfen sind gesperrt, die Grenze nach Syrien ist abgeriegelt. Erneut ist über Nacht quasi alles auf den Kopf gestellt.

Schon vor der Staatskrise, die das Land im Zuge der Proteste gegen Korruption und das politische Klientelsystem erfasste, war das Gesundheitssystem mehr als unterversorgt. Die Beschäftigten in Krankenhäusern und Gesundheitszentren warten seit Monaten auf Gehälter und drohen immer wieder mit Streiks. Davon berichteten uns die Kolleg*innen der medico-Partnerorganisation AMEL schon vor Corona immer wieder.

Die überkonfessionell agierende Gesundheitsorganisation AMEL versorgt mit ihren mobilen Klinken seit Jahren zehntausende syrische Flüchtlinge, die in informellen Lagern leben. Im vergangenen Sommer verbot die Regierung den Menschen, sich in den Lagern festere Behausungen zu bauen. Zum Abriss ihrer Behelfsunterkünfte gezwungen, ertragen die Menschen Kälte und Schnee in einfachen Zelten.

Unter diesen Bedingungen leistet AMEL lebenswichtige Versorgung dort, wo der bankrotte Staat versagt. So auch jetzt. Mit medico-Unterstützung werden aktuell alle mobilen Teams mit Schutzkleidung, Mundschutz und Desinfektionsmitteln ausgestattet, damit sie ihre normale Gesundheitsarbeit aufrechterhalten und Corona-Vorsorge leisten können. Besonders große Sorgen machen sich die Mitarbeiter*innen wegen der ohnehin prekären Lage in den informellen Flüchtlingslagern, sagt uns Virginie Lefèvre von AMEL. Dort wird bisher gar nicht auf COVID_19 getestet – Flüchtlinge im Libanon sind dem Virus quasi ungeschützt ausgeliefert.

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Kenia: „Disaster in waiting“

30. März 2020

Die Situation in Kenia hat sich in den letzten Tagen zugespitzt, nachdem die ersten Corona-Fälle aufgetreten sind. Offiziell sind es noch nicht viele, es gibt aber auch kaum Tests. Erick Otieno von der medico-Partnerorganisation KAPLET ist sehr besorgt. Er spricht von einem „disaster in waiting“. Die kenianischen Schulen sind geschlossen, alle Kinder zuhause – und spielen auf der Straße.

Es sei schlicht unmöglich für die Menschen in den Slums, einfach zu Hause zu bleiben, sagt Erick. Sie leben von der Hand in den Mund und jeder Tag (Selbst)Isolation bedeutet einen Tag ohne Arbeit, also ohne Einkommen. Eine soziale Absicherung gibt es nicht. Hinzu kommt die Enge und mangelnde Wasserversorgung in den Slums von Nairobi. Bedingungen, unter denen sich ein Virus schnell ausbreiten kann.

Die Mitarbeiter*innen von KAPLET streiten seit Jahren in den Armenvierteln Nairobis für das Recht auf Gesundheit. In den Slums, in denen sie zum Teil selbst leben, ist medizinische Hilfe kaum zugänglich und die Lebensverhältnisse gefährden die Gesundheit der Bewohner*innen tagtäglich. Angesichts der Bedrohung durch den Corona-Virus stehen wir mit ihnen in Kontakt über eine mögliche Unterstützung für Aufklärungskampagnen.

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Rojava: Prävention so gut es geht

30. März 2020

Bereits am 1. März hat die Selbstverwaltung Nordostsyriens ihren einzigen Grenzübergang in den Irak für den normalen Verkehr geschlossen. Nur NGO-Mitarbeiter*innen und Warenverkehr können die Grenze an bestimmten Tagen noch passieren. Seitdem bereitet sich die medico-Partnerorganisation Kurdischer Roter Halbmond so gut es geht auf einen Ausbruch der Corona-Epidemie vor. Dabei steht sie auch in Austausch mit der WHO.

Präventionskampagnen laufen, alle öffentlichen Gebäude sind geschlossen und in Krankenhäusern werden Quarantänestationen vorbereitet. Das selbstorganisierte Gesundheitssystem in Rojava hatte von Beginn an das Ziel, eine möglichst kostengünstige Gesundheitsversorgung für die gesamte Bevölkerung sicherstellen zu können. Daran arbeiten die Gesundheitsarbeiter*innen – auch mit Unterstützung von medico seit Jahren.

Dennoch, sollte der Virus in einem der großen Flüchtlingslager ausbrechen, sind auch sie machtlos, sagt uns Sherwan Bery vom Kurdischen Roten Halbmond. Zwar sind die Nothelfer*innen geübt, bei Tuberkulose-Fällen eine schnelle Isolierung vorzunehmen, aber einer großflächigen Ausbreitung haben sie nichts entgegenzusetzen – besonders in diesen humanitär prekären Zeiten: Erst zu Beginn des Jahres haben die Vereinten Nationen den einzigen Grenzzugang geschlossen, über den humanitäre Hilfsgüter der UN in die Region gelangten. Im Falle einer Verbreitung des Coronavirus wird das fatale Folgen haben, denn Hilfslieferungen müssen nun über Damaskus kommen. Und das syrische Regime nimmt die Bedrohung durch Corona bis heute nicht ernst.

Hinzu kommt, dass die einzigen zwei Testgeräte im Nordosten Syriens, mit denen Menschen auf den Coronavirus getestet werden können, im Krankenhaus in Serê Kaniyê lagerten. Und dieses Krankenhaus steht seit Oktober unter völkerrechtswidriger türkischer Besatzung, eine Herausgabe dieser Geräte an die Autonomieverwaltung scheint ausgeschlossen.

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Brasilien: Zusammenhalt gegen Corona und Bolsonaro

30. März 2020

„Wir werden von einem unverantwortlichen und inkonsequenten Präsidenten regiert. Die Regierung sorgt sich um die wirtschaftlichen Folgen, aber es gibt nur wenige Maßnahmen zum Schutz der armen Bevölkerung: der informellen Arbeiter*innen, der Kleinbäuer*innen, der Kleinunternehmen. Es ist ein äußerst beunruhigendes Szenario.“ Diese Nachricht erreicht uns von der brasilianischen Landlosenbewegung MST, mit der medico seit langem verbunden ist.

Schulunterricht, geschlossene Veranstaltungen und die Genehmigung für Demonstrationen an öffentlichen Orten sind in Brasilien ausgesetzt. Auch der MST hat seine „Schule der Bewegung“ in der Nähe von São Paulo vorerst geschlossen. Die Aktivist*innen sorgen sich um die Menschen in den acampamentos, den Landbesetzungen, in denen tausende Familien in ärmlichen Verhältnissen, aber gut organisiert, leben. Nun versuchen sie, so gut es eben geht, präventive Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus zu ergreifen.

Sollte sich die Krankheit dennoch, wie zu befürchten ist, in Brasilien ausbreiten, werden bei weitem nicht ausreichend Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Mit Beendigung des Programms Mais Médicos im vergangenen Jahr fehlen 15.000 kubanische Ärzt*innen, die in den armen Regionen eingesetzt waren. Auch die jahrzehntelange Vernachlässigung des öffentlichen Gesundheitssystems und die staatliche Bevorzugung der privaten Krankenversicherer werden sich rächen.

Das von medico unterstützte alternative Nachrichtenprojekt Outras Palavras informiert in tagesaktuellen Artikeln und eigenen Reportagen über den Coronavirus und seine Auswirkungen auf Brasilien und die Welt. Die Fach-Redakteurinnen der mit medico konzipierten Unterseite Outra Saúde verschicken täglich den einzigen unabhängigen Newsletter Brasiliens, der sich ausschließlich der Gesundheitspolitik widmet.

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Geprüft und Empfohlen

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Kontakt

Anne Jung
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Blog: Anne Jung

 

Anita Starosta
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