Schlacht um Mossul

Nothilfe für Flüchtlinge

Verteilung von Hilfsgütern an Binnenflüchtlinge im Nordirak, Anfang Oktober. (Foto: Mark Mühlhaus/attenzione)
Die große Flucht bleibt hoffentlich aus, beginnt möglicherweise aber auch in Tagen. medico-Partner vor Ort sind auf Nothilfe vorbereitet.

Die Schlacht um Mossul hat begonnen. Sie wird Wochen, vielleicht sogar Monate dauern. Etwa eine Million ZivilistInnen sollen noch in der Stadt sein. Die große Flucht bleibt hoffentlich aus, wird möglicherweise aber auch in Tagen beginnen. Es wird Winter im Irak und das heißt Regen und kalte Nächte.

Ob die große humanitäre Katastrophe eintreten wird, bleibt abzuwarten. Wichtig ist, dass die vorhandenen lokalen Hilfsstrukturen unterstützt werden, die zurzeit unter Geldmangel leiden und teilweise ihre MitarbeiterInnen nicht bezahlen können.

medico international hat sich in den letzten Wochen zusammen mit Partnern vor Ort und der Organisation Haukari, mit der medico seit vielen Jahren im kurdischen Teil Nordiraks arbeitet auf diese Situation vorbereitet. Schon jetzt gibt es 3,3 Millionen Binnenflüchtlinge im Irak. Die geplante Nothilfe für die Flüchtlinge aus Mossul – Lebensmittel und andere Hilfsgüter, Sozial- und Rechtsberatung – steht im Kontext bereits laufender Projekte zur Unterstützung dieser Menschen in verschiedenen Flüchtlingslagern im Nordirak.

Was kommt nach der Schlacht gegen den IS?

Ankündigungen, dass sich mit einer möglichen Vertreibung des IS aus Mossul das Terrorproblem im Irak erledigen würde, sind mit großer Skepsis zu betrachten, so medico-Pressesprecherin Katja Maurer. „Unsere Partner befürchten, dass dezentrale Angriffe wie gestern in Bagdad im Irak und Syrien als Reaktion auf die Kämpfe Mossul stattfinden könnten“. Dazu zählen auch Befürchtungen, dass die IS-Truppen aus Mossul nach Syrien vertrieben werden und die dortige Konfliktsituation noch verschärfen könnten.

In Mossul sind mehrere tausend jesidische Frauen versklavt und möglicherweise auch viele jesidische Kinder, deren Verbleib unklar ist. Für sie wäre die Vertreibung des IS eine Befreiung. Für viele andere BewohnerInnen Mossuls, die sich mit IS arrangiert haben, dürfte hingegen die völlig offene Post-IS-Ordnung neue existentielle Gefahren bergen.

Russland und der Westen, so empfinden das viele medico-Partner in Syrien und im Irak, betrachteten die Lager vor Ort nur durch die Brille des „Krieges gegen den Terror“. „Diese Politik aber hat die größte humanitäre Krise nach dem zweiten Weltkrieg mit geschaffen anstatt sie zu lösen“, sagt Katja Maurer.

medico international bittet um Spenden für die Arbeit unserer lokalen Partner, die sich im Nordirak wie in Syrien auf die Aufnahme von Flüchtlingen vorbereiten. Das Spendenstichwort lautet: Irak/Syrien

medico international

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