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Die medico-Partner in Haiti

 

Auch zwei Monate nach dem Beben ist der Bedarf an Nothilfe ungebrochen. Die Versorgung mit Wasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten steht im Mittelpunkt der Hilfsmaßnahmen, die von vielen geleistet werden. medico hat die ersten eigenen Mittel zur Unterstützung der dominikanischen Kollegen von Cosalup eingesetzt, die seither zur basismedizinischen Grundversorgung in Gemeinden der Stadt Leogane beitragen, die in unmittelbarer Nähe zum Epizentrum des Erdbebens liegen. Zusätzlich unterstützt medico eine kleine haitianische Organisation, die in armen Vierteln von Port-au-Prince Basisgesundheitsdienste angeboten hat und deren Einrichtungen durch das Beben beschädigt worden sind. Sie sichern nun die Versorgung mit Lebensmitteln, die aus nationaler Produktion erstanden werden, für die von ihnen betreuten HIV/Aids-Patienten, ältere Menschen und chronisch Kranke. Desweiteren ermöglichen wir eine Lebensmittelverteilung für mittellose Schulkinder und deren Familien.

Mit den kubanischen Ärztebrigaden, die seit vielen Jahren im Land sind und einen wesentlichen Teil der öffentlichen Gesundheitsstruktur stellen, ist eine umfangreiche Nothilfe-Kooperation verabredet. Zum Zeitpunkt des Bebens waren 331 Ärzte aus Kuba im Land. Bereits einen Tag später wurden die Brigaden verstärkt. Der wichtige Beitrag, den die mittlerweile 1.532 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der kubanischen Brigaden auch in der medizinischen Nothilfe geleistet haben und immer noch leisten, wurde leider in der internationalen Presse kaum gewürdigt. Es handelt sich um eine Kooperation, die es lange vor dem Beben gab und die voraussichtlich auch dann noch Bestand haben wird, wenn viele der Hilfsorganisationen wieder abgezogen sein werden.

Mit der dominikanischen Kulturinitiative Redcul ist die Entwicklung einer haitianisch-dominikanischen Kooperation im Bereich von Kunst und Kultur verabredet, die sowohl psychosoziale Arbeit in den Camps der Erdbebenopfer vorsieht, als auch öffentliche Veranstaltungen, in denen die gemeinsamen künstlerischen und demokratischen Potentiale der Insel zum Thema gemacht werden sollen. Diese Arbeit knüpft an einen ersten haitianisch-dominikanischen Versuch zu Beginn der 1990er Jahre an, eine gemeinsame vergleichende Geschichte der demokratischen und sozialen Bewegungen auf der Insel zu schreiben. Damals wurde dieses Projekt, das auch die Grundlagen für eine neue Verortung demokratischer Bewegungen auf der Insel schaffen wollte, mit dem Sturz des haitianischen Präsidenten Aristide, nach nur siebenmonatiger Amtszeit, abrupt abgebrochen. Das Stichwort für unser Partnernetzwerk lautet: Haiti.


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