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medico-Newsletter: Rettung lauert überall


Liebe Leserinnen und Leser,

Es gibt wenig Anlass zur Hoffnung. Die wachsenden nationalistischen Tendenzen in Europa, der Einzug rechtsradikaler Politiker in den Deutschen Bundestag, die zunehmenden humanitären Krisen, ausgelöst durch globale Verteilungskämpfe um Zugang zu Ressourcen und zum Weltmarkt, belegen das. Hinzu kommt, dass die Politik dabei ist, sich selbst abzuschaffen. Sie überdenkt keine Alternativen zur zerstörerischen Gegenwart mehr. All das ist ein „Weiter so“. Das ist unhaltbar.

Jeder weiß es: Die großen sozialen und ökologischen Herausforderungen können nur global bewältigt werden. Wenn in vielen Weltregionen der Nationalismus obsiegt, zumindest vorläufig, können nur Pole des Widerstands, Inseln der Vernunft und internationale Zusammenschlüsse der gegenseitigen Solidarität ein Rettungszeichen setzen.

Wir wollen Ansätze einer solidarischen Vernunft zeigen, wie sie in der fast 50-jährigen Praxis der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international erprobt wurden. Nach dem Frankfurter Philosophen Theodor W. Adorno besteht die erste Voraussetzung solcher Vernunft darin, „das Leiden beredt werden zu lassen“. Gelingt das, dann ist das Leiden mehr als nur ein Gefühl, dann wird es zu der Leidenschaft, in der sich die Wahrheit über diese Welt erschließt. An ihr aber hängt die Freiheit, um über sie hinauszugehen.

Die emanzipatorische Hilfe, die medico international mit seinen Partnerinnen und Partnern praktiziert, bewegt sich in diesem Paradox: dass Hilfe auch Teil der Abschaffung von Strukturen der Ausgrenzung und globalen Ungleichheiten sein muss, die Hilfe vielfach erst nötig machen. Wir stehen am Beginn einer neuen Zeit, die neue Praktiken und Institutionen schaffen wird, die das unhaltbare „Weiter so“ überwinden. medico-Kooperationen sind Teil hiervon. Dazu gehört, dass Partnerinnen und Partner trotz der misslichen Verhältnisse, unter denen sie arbeiten müssen, nicht mehr bereit sind, einer Abhängigkeits-Logik zu dienen, die sie zu Projektabwicklern des privilegierten Nordens macht.

Hiermit bitten wir Sie um eine Spende oder Fördermitgliedschaft für medico international und seine Kooperationspartnerinnen und -partner weltweit. Eine solidarische Unterstützung, die nicht beruhigen kann, aber Teil einer Suchbewegung nach Rettung ist.

Danke für Ihre Unterstützung!

Moritz Krawinkel
für die medico-Abteilung Öffentlichkeitsarbeit

Libanon

Akte der Hoffnung gegen Elend und Gewalt im Camp Ein El-Hilweh

Eineinhalb Quadratkilometer, umgeben von Stacheldraht und Mauern. Hinein kommt man nur durch einen Checkpoint. Hier leben hunderttausend Bewohnerinnen und Bewohner, viele Familien bereits in der dritten Generation. Ein El-Hilweh, ein Palästinenserlager im Libanon, 1948 entstanden, hat sich zu einem der gefährlichsten Orte im Nahen Osten entwickelt. An den Häusern sind die Einschusslöcher der Bandenkriege zu sehen. Selbst individuelle Konflikte werden immer häufiger mit Waffengewalt ausgetragen. Ein El-Hilweh steht für einen generellen Trend: die Ver-Lagerung der Welt. 17 Jahre, so hat es die UN errechnet, lebt ein Flüchtling durchschnittlich in einem Lager.

Wie arbeitet man in diesem Meer aus Hoffnungslosigkeit? Zafer Khateeb vom medico-Partner Nashet beschreibt es so: „Wir träumen. All unsere Aktivitäten sind getragen von der Verteidigung der Menschenwürde.“ Nashet organisiert seit vielen Jahren für Jugendliche Fortbildungsprogramme, Schulnachhilfe und Freiwilligen-Programme in den Stadtteilen des Lagers. Nun haben sie begonnen, Gesprächskreise für Jugendliche zu organisieren, in denen offen über die gewaltverherrlichende Kultur im Lager gesprochen wird. Schon das ist ein Zeichen des Widerstands gegen die Macht der Waffen.

www.medico.de/libanon

Die Selbstermächtigung des Dritten Standes

Für das Recht auf Rechte

Alles nur Theater? Wenn der globale Dritte Stand, also die Ausgebeuteten und Marginalisierten der Wohlstandsgesellschaften, die keine Lobby haben, in der Berliner Schaubühne ein selbsternanntes Parlament abhalten, um globale Demokratie und ein Weltbürgerrecht einzufordern, ist das Theater. Aber es ist auch eine Vorwegnahme: ein gutes Leben für alle. An einer solchen Weltordnung zu arbeiten, ist maßlos und zugleich das einzig richtige Maß. So wie sich medico-Partner an diesem theatralen Weltparlament der Unterdrückten beteiligten, setzt sich medico für globale Regulierungen ein. Der Ottawa-Vertrag zum Verbot von Antipersonenminen war 1997 ein Anfang, mit globaler Öffentlichkeit globale Regeln durchzusetzen. Dafür erhielt medico gemeinsam mit anderen Gruppen 1997 den Friedensnobelpreis. Die Initiative für einen „UN Treaty“, die Menschenrechte vor Unternehmensinteressen setzt, geht von Weltbürgerrechten aus – also zum Beispiel auch von den Rechten der Arbeiterinnen und Arbeiter in Textilfabriken. medico unterstützt dieses Ansinnen, das aus der UNO selbst entstand, dem aber gerade privilegierte Länder wie Deutschland die Unterstützung verweigern.

Doch globale Demokratie lässt sich ohne globale Umverteilung nicht ernsthaft denken. medico hat Überlegungen für einen globalen Gesundheitsfonds vorgelegt, der neben der Forderung nach einem gerechten globalen Steuersystem auch den Vorschlag eines globalen Sozialausgleichs beinhaltet. Nur so ist eine Gesundheitspolitik denkbar, die mehr ist als die Sicherung der Gesundheitsinteressen der privilegierten Länder. Rechte, Regulierungen, Redistribution – das sind die Eckpfeiler einer demokratischen Ordnung der Welt.

www.medico.de/general-assembly

Sierra Leone

Selbstorganisation der Abgeschobenen verweigert europäisches Geld

Nach demütigenden und oft gewaltsam durchgeführten Abschiebungen aus Deutschland, wo sie als Kriegsflüchtlinge aus Sierra Leone viele Jahre lebten, fanden sich Hunderte Abgeschobene in den frühen 2000er-Jahren auf den Straßen von Freetown wieder – mittellos, stigmatisiert, von ihren Familien isoliert. Manche versuchten, sich das Leben zu nehmen, glitten in Depressionen und Drogen ab. Einigen jedoch gelang es, mit dem Unerträglichen umzugehen, indem sie sich gegenseitig Halt gaben. Sie begannen, über ihre Kriminalisierung und die Praxis der europäischen Abschottungspolitik zu sprechen.

Heute ist ihr Netzwerk Network of Ex-Asylum Seekers (NEAS) ein Anlaufpunkt für neue Abgeschobene. Jüngst trat plötzlich die staatliche Entwicklungszusammenarbeit in Form der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) auf den Plan: NEAS sollte bei einem Reintegrationsprogramm kooperieren und damit Teil der europäischen Abschottungspolitik werden. Gelder wurden in Aussicht gestellt. Die Aktivisten von NEAS lehnten ab. Ein Nein, um weiterhin ihr Konzept gelebter Solidarität mit einer Kritik an menschenunwürdigen Lebensverhältnissen verbinden zu können.

www.medico.de/sierra-leone

Brasilien

Bewegung für ein menschenwürdiges Wohnen und solidarische Städte

Menschen ohne ein Dach über dem Kopf haben geringe Bildungschancen, kaum Berufsperspektiven und leiden unter einer schlechten Ernährungs- wie Gesundheitssituation. Hier setzt sich in Brasilien seit vielen Jahren die Bewegung der obdachlosen Arbeiter (Movimento dos Trabalhadores Sem Teto, MTST) für das Recht auf menschenwürdiges Wohnen ein. Wörtlich übersetzt heißt sie zwar Bewegung der Obdachlosen, es geht ihr aber um das Recht auf ein würdiges Leben aller Menschen. Unter einer neoliberalen und korrupten Regierung ist das so notwendig wie nie: Die Ärmsten fallen inzwischen aus den staatlichen Maßnahmen heraus, die einmal für sie geschaffen worden waren. Also müssen sie sich selbst helfen: mit Demonstrationen, Blockaden und Besetzungen.

Aber der brasilianische medico-Partner kämpft nicht nur um Wohnraum, sondern streitet auch für ein neues Nachdenken darüber, wie wir unsere Städte und das Zusammenleben in ihnen organisieren. In den eroberten Wohnblocks entfaltet sich eine gemeinschaftliche Dynamik, in der ein neues Verhältnis zur Stadt, zur Umwelt und zur Nachbarschaft entsteht.

www.medico.de/brasilien

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