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Ein Brief an unsere Freunde


Liebe Leser*innen,

mit diesem Brief vor dem Osterwochenende wenden wir uns an die medico-Freund*innen und -Unterstützer*innen.

Nie zuvor stand die Welt, und dieses Mal wirklich die ganze Welt, vor einer solchen Herausforderung. Trotz der Grenzziehungen, die nun überall als Mittel der Wahl zur Sicherung des eigenen Territoriums vor dem Coronavirus durchgeführt werden, wissen wir doch alle: Dies ist eine weltumspannende Gefahr für die Gesundheit von Millionen von Menschen in aller Welt. Und angesichts der Gefahr für unser bloßes Leben wissen wir das nicht nur, wir glauben es auch. Dies könnte ein Schritt zum anderen Dasein in der Welt für jeden und jede von uns bedeuten.

So, wie wir verstehen, dass Bewegungs- und Kontakteinschränkungen für uns alle vor allen Dingen die Gefährdetsten unter uns schützen, so können wir angesichts von Corona heute auch mit unseren Gefühlen begreifen, was die Ausbreitung von Corona für die Gefährdetsten in der Welt bedeuten kann: In den Flüchtlingslagern auf Lesbos, in den Lagern im syrischen Idlib, in den Ausschlusszonen vom Gaza-Streifen oder in den Elendsviertel von Nairobi, in Dhaka oder Karatschi bei den Näherinnen, die noch bevor Corona sie bedroht, vor der Frage stehen, wie sie ihre Familien ernähren sollen, weil sie ihre Arbeit verloren haben.

Es ist eine Katastrophe und zugleich eine Chance. Denn nun können wir nicht mehr in Wir und Sie trennen. Die Ausbreitung von Corona hat die Weltelite unbewusst in ihren Geschäftsflügen von Wuhan aus vorgenommen. Heute stehen europäische Campingbusse in langen Schlangen und ohne jede Versorgung dort, wo bis dato Geflüchtete Einlass nach Europa suchten: in Ceuta und Melilla, der spanischen Enklave in Marokko. Zygmunt Baumanns Beschreibung einer Weltspaltung in Touristen und Vagabunden - die Bewohnerinnen und Bewohner des globalen Nordens vagabundieren freiwillig, während die Vagabunden des globalen Südens aus Zwang reisen müssen und ständigen Repressalien ausgesetzt sind – ist nun zeitweise aufgehoben.

Unser eigener Schutz hängt vom Schutz anderer Menschen ab, die wir nicht kennen und deren Lebensweise wir nicht ganz verstehen. Solidarität, das wird heute so klar wie selten, ist keine Angelegenheit unter Seines- oder Ihresgleichen mehr, Solidarität, der Schutz und der Ausbau des Gemeinwohls, und nicht die Ökonomie sind heute das Primat in einer Corona- und möglicherweise auch in einer Postcorona-Welt: Die Internationale erkämpft das Menschenrecht – diese Weise, die manche beim Händewaschen summen, hat eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Wir, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von medico international, der Vorstand, die neue Geschäftsführung und auch die ehemaligen Leitungsmitglieder befinden uns weitestgehend im Home Office. Trotzdem sind die Zeiten für uns extrem geschäftig. Plötzlich ist all das gefragt, was lange Zeit als kein sehr reizvolles Thema galt: Die globale Gesundheit. Seit Jahrzehnten ist medico Bestandteil von Netzwerken aus Basisgesundheitsorganisationen, die nicht nur Hilfe leisten, sondern sich in einem intensiven Diskussionsprozess befinden und beharrlich politische Arbeit in den globalen Institutionen betreiben. Jetzt gilt es dieses gesammelte intellektuelle und Erfahrungswissen in politische Vorschläge und in Visionen einer anderen solidarischen Welt und in eine solidarische Praxis der Hilfe zu übersetzen. Das ist jetzt unsere kollektive Aufgabe.

Wir möchten Sie mit diesem Brief bitten, uns darin mit Herz und Verstand zu unterstützen. Wir werden regelmäßig in unserem Newsletter und in unserem Rundschreiben über den Stand der Debatte und der Aktivitäten berichten. Wir werden versuchen, auch über andere Online-Medien für Sie mit neuen Formen zugänglich zu sein. Wir wünschen uns eine rege Debatte, an der Sie sich unbedingt beteiligen sollten. Jetzt ist die Zeit zum solidarischen Handeln, dafür bitte wir Sie auch in diesen schwierigen Zeiten um finanzielle Unterstützung. Es ist aber auch die Zeit über eine andere Zukunft nachzudenken. Dazu brauchen wir Ihr Engagement. Zum Schluss ein Zitat von Albert Camus, nicht aus der „Pest“, sondern aus „Der Mensch in der Revolte“:

„Am Ende dieser Finsternis ist ein Licht indes unvermeidlich, das wir schon ahnen und für das wir nur zu kämpfen haben, damit es sei. Über den Nihilismus hinaus bereiten wir alle in den Ruinen eine Renaissance vor.“

Bleiben Sie gesund und haben Sie trotz allem schöne Feiertage!

 
 

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