Medienerklärung Palästina/Israel

Medienerklärung

Zürich, Frankfurt/Main, 15. März 2002

Leiden und Angst auf beiden Seiten – Beendigung der israelischen Besatzung ist Bedingung für friedliche und gerechte Lösungen im Nah-Ost-Konflikt – Augenzeugen und Augenzeuginnen berichten.

Die Vertreter der basismedizinischen Entwicklungshilfeorganisationen Centrale Sanitaire Suisse CSS Zürich und medico international (Frankfurt/Main) sind kürzlich von einem Besuch ihrer israelischen und palästinensischen Partnerinnen und Partner zurückgekehrt. Der Konflikt in dieser Kriegsregion verschärft sich täglich und verursacht tiefe Verletzungen.

Erste Feststellung und grundlegende Folgerung: Tag für Tag leiden Menschen auf beiden Seiten und haben Angst. Niemand weiß, wer das nächste Opfer ist. Auch wenn die Gewalt angesichts der israelischen Militärmacht keineswegs symmetrisch ist: Das Leiden ist identisch, wenn nahestehende Menschen getötet oder schwer verwundet werden. Wir verstehen die Ängste in der israelischen Bevölkerung vor weiteren Bombenattentaten, die Tod und Verderben auslösen, ebenso wie wir die Ängste der Palästinenserinnen und Palästinenser vor dem nächsten nächtlichen Luftangriff oder der nächsten militärischen Aktion mit Panzern und Bodentruppen verstehen.

Wir haben die Unterordnung der Rechte der Palästinenser unter diejenigen der Israelis gesehen und gehört. Die Koalitionsregierung von Ariel Sharon hat ein eindrückliches System sogenannter »Sicherheit« zum Schutz vor den Palästinensern errichtet. Die Checkpoints der israelische Armee (über 120 allein in den besetzten Gebieten) haben den Auftrag, alle Bewegungen zu kontrollieren. Kein – oder kaum ein – Problem für die Bewohnerinnen der jüdischen Siedlungen. Die Palästinenserinnen müssen jedoch jedes Passieren aushandeln. Der Erfolg hängt oft von der Willkür der Soldaten ab.

An einem Abend um 18.30 Uhr: Wir verhandeln mit israelischen Soldaten an einem Checkpoint nahe von Tulkarem, um nach einem Tag bei unseren Partnerinnen und Partnern in der Westbank nach Israel zurückzukehren. Nach einer Viertelstunde ist die Sache geregelt. Aber wir lassen zwei Palästinenserinnen zurück, die nach Hause gehen möchten. Sie sind seit über vier Stunden dort, die Soldaten sind jedoch der Meinung, »daß sie noch nicht lange genug warten«. Solche Ungerechtigkeiten und Erniedrigungen verstärken die gegenseitige Entmenschlichung, lassen die Perspektive eines Dialogs und nachbarschaftlichen, friedlichen Zusammenlebens in der Region täglich in weitere Ferne rücken und verstärken das Abschotten in beiden Gesellschaften.

Während unserer Reise durch diese Region und in der Begegnung mit ihren Bewohnern und Bewohnerinnen rückte die Frage, weshalb immer wieder von Verzweiflung und Erniedrigung geprägte Palästinenser zu verurteilende Gewalttaten begehen, oft in den Hintergrund. Die Frage war vielmehr, wie die Millionen anderen es trotzdem schaffen, ihre Würde und eine Friedensperspektive zu bewahren.

Lange und intensive Diskussionen sowohl mit Palästinensern als auch mit Israelis über mögliche »Lösungen« bestätigen das Faktum: es gibt die Besatzungsmacht und die Besetzten. Alle unsere Gesprächspartnerinnen und Partner sind sich einig, der Weg einer Lösung führt über die Anerkennung und die Wiedergutmachung des am palästinensischen Volk begangenen Unrechts. Israel muß den ersten Schritt tun, indem es sich aus den besetzten Gebieten einschließlich der Siedlungen zurückzieht.

Weitere Informationen erhalten Sie bei

Jochi Weil, Centrale Sanitaire Suisse CSS Zürich, Department Palestine and Israel, Tel. (00411)4622003 oder 2427244; www.css-zh.ch

Dr. med. Andreas Wulf, medico international, Frankfurt/Main, Tel. (004969)94438-35; www.medico.de

Die CSS Zürich besteht seit 1937 und unterstützt basismedizinische Projekte in Nicaragua, El Salvador, Guatemala, Vietnam Eritrea, Cuba und Palästina.

Medico international leistet seit 1968 partnerorientierte Nothilfe und unterstützt langfristig Projekte in den Bereichen Basisgesundheit und Menschenrechte in 17 Ländern Lateinamerikas, Afrikas und des Nahen Ostens.


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