Laboratorium

Im Jubiläumsjahr setzt medico-international ein Projekt zur Förderung kooperativer Nachdenklichkeit in die Welt: das erste medico-Laboratorium.

Im Jubiläumsjahr setzt medico international ein Projekt zur Förderung kooperativer Nachdenklichkeit in die Welt: das medico-Laboratorium. Gemeinsam mit anderen Interessierten können dabei offene und aktuelle Fragen bearbeitet werden, die für eine kritische Hilfs- und Menschenrechtsarbeit von erheblichem Interesse sind. Das „nicht wissen Wollen“ in der Externalisierungsgesellschaft (Stephan Lessenich) soll dadurch buchstäblich konterkariert werden. Dabei geht es uns nicht nur um die Machtinteressen von „Big Data“, sondern auch um die Aufklärung von bisher ungenutzten, auch ungewussten Möglichkeiten der Emanzipation. Deshalb folgen wir dem Vorschlag von Premesh Lalu, wonach es nun besonders wichtig sei, über neue Beziehungen von Mensch und Technik nachzudenken. Wenn es stimmt, dass das „eine Frage ist, die wir alle teilen, aber nicht gemeinsam“, dann reicht es tatsächlich nicht aus, dass wir als Individuen die neuen Techniken zu nutzen wissen. Es braucht darüber hinaus die kooperative, auch generationsübergreifende Reflexion über die zunehmende Digitalisierung, ihre Regeln, Zwecke und Potenziale. Und weil Fragen nach Humanismus und Fragen nach Technik Teil desselben Prozesses sind, bedürfen gerade sie des Einsatzes kommunikativer Vernunft, also des offenen Dialogs auch gegensätzlicher Positionen.

Für medico international stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Digitalisierung und Emanzipation zuerst im Bereich der körperlichen und psychischen Gesundheitsvorsorge. Sind Techniken zur Ferndiagnose besonders in Ländern ohne ausreichende Versorgung zu begrüßen, stellt sich doch die Frage, ob die erhobenen Daten auch denen zugutekommen, von denen sie erhoben wurden. Werden die auf dieser Grundlage fabrizierten Medikamente am Ende für alle verfügbar sein oder für die als „überflüssig“ Gebrandmarkten unbezahlbar bleiben? Im Bereich der psychosozialen Gesundheit ist die Situation ähnlich ambivalent: Es spricht vieles für die Entwicklung niedrigschwellig verfügbarer Handyapps, die zur Bearbeitung von die Psyche beeinträchtigenden Situationen beitragen können. Andererseits können sie mittels geforderter „Selbstoptimierung“ und „Resilienzstärkung“ auch die Anpassung an Verhältnisse befördern, die eine Zweiklassenmedizin zementieren.

Das deutsche Ministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit experimentiert bereits mit Cryptowährungen in jordanischen Flüchtlingslagern und die UNICEF fördert entsprechende Blockchain-Startups. Der Vorteil liegt auf der Hand: der Empfänger erhält das Geld auf kürzestem Weg, eine NGO wird in der Folge jedoch nicht mehr zwingend benötigt. Soziale Bewegungen unterschiedlichster Couleur organisieren sich erfolgreich in sozialen Netzwerken, vom „arabischen Frühling“ bis zur „identitären Bewegung“ – während die Profite der Unternehmen hinter den Netzwerken immer neue Allzeithöhen erreichen. Voilá: Die Bedeutung der zunehmenden Digitalisierung für die Frage nach mehr oder weniger Herrschaft und Befreiung ist nicht zu gering zu schätzen. Wir laden daher zu gemeinsamem Nachdenken ein. Die Forschungsfrage 2018/2019 lautet: „Kostet uns die Digitalisierung die Emanzipation?“

So geht es

Ab sofort können sich Gruppen von drei bis zehn Personen für die Gründung und die Mitarbeit am medico-Laboratorium bewerben. Bitte notieren Sie hierfür in Ihrer Mail an uns die Namen derer, die mitwirken wollen. Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn Sie uns in Ihrer Mail auch bereits ein wenig über Ihre Gruppe und vielleicht auch schon etwas über Ihr Interesse die Fragestellung betreffend mitteilen möchten.

Wir suchen ein möglichst buntes Gesamt-Team, zum Experimentieren an unterschiedlichen Antworten und zur kooperativen Bearbeitung mannigfacher Facetten. Aus diesem Grund wünschen wir uns für das Laboratorium Menschen aus unterschiedlichen Generationen („68er“ – „Generation Z“), aus unterschiedlichen Kontexten und mit unterschiedlichen Positionen, Perspektiven und Herangehensweisen. Jede Gruppe ist eingeladen am ersten gemeinsamen Termin ihr eigenes Thema zu benennen, zu dem sie einen Essay schreiben oder ein Erklärvideo erstellen möchte. Die anderen Laboratoriumsteilnehmer_innen haben bis zum zweiten gemeinsamen Treffen dann die Möglichkeit die Entstehung der einzelnen Antworten aller anderen Gruppen mit eigenen hilfreichen Kommentaren und freundlichen Anmerkungen zu begleiten.

Einsendeschluss für Ihre Bewerbung ist der 1. Juli 2018.

Bitte schicken Sie hierfür eine E-Mail an: balzereit@ medico.de

Bis zum 9. Juli 2018 erhalten Sie von uns, nach Sichtung der eingegangenen Bewerbungen, eine abschließende Antwort. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Marcus Balzereit, Tel. 069 94438-21.

Das medico-Laboratorium beinhaltet also 1. die teilnehmenden Gruppen, 2. ein medico-Wiki für die gemeinsame Arbeit an Texten und Erklärvideos, und 3. zwei gemeinsame Treffen aller Teilnehmenden: am 6. Oktober 2018 und am 1. Juni 2019, jeweils von 11-17 Uhr in Frankfurt/Main im medico-Haus. Zuschüsse für entstehende Kosten der Fahrt nach Frankfurt sind möglich. Am Beginn werden ein gemeinsames Kennenlernen der Teilnehmenden, sowie der Austausch über die Forschungsfrage stehen, über ihre Facetten und die gemeinsame Arbeitsweise. Am Ende stehen sicher viele gute und allgemeinverständliche Antworten, in Form von Essays oder Erklärvideos, die wir auf unserer Website veröffentlichen können. Darüber hinaus besteht die Chance auf einen von drei Preisen, die unter den teilnehmenden Gruppen ausgelost werden. 1. Preis: eine medico-Inhouse-Veranstaltung für die teilnehmende Gruppe mit einem prominenten Überraschungsgast, 2. Preis: Einladung der Gruppe zum medico-Stiftungssymposium 2019 nach Frankfurt/Main, mit Fahrt und Übernachtung, 3. Preis: Eine Ausgabe des Buchs „Fit für die Katastrophe – Kritische Anmerkungen zum Resilienzdiskurs“ für alle GruppenteilnehmerInnen.

 

 


Jetzt spenden!

 

Wir verwenden Cookies zur Bereitstellung und Verbesserung unserer Website. Weitere Informationen.