Endstation Hafen Nouadhibou

Gesundheitsversorgung für MigrantInnen: Unterstützung der katholischen Mission In Nouadhibou

Mauretanien ist aufgrund seiner geographischen Lage ein Durchgangsstaat zwischen Nord- und subsaharischem Afrika; historisch bedeutsame Karawanenstraßen verlaufen durch das Land.

Drei Faktoren bestimmen die jüngere Geschichte Mauretaniens seit der Unabhängigkeit: das unaufhaltsame Verschwinden der nomadischen Lebensform (mit einem Rückgang von 95% auf 4,8% der Bevölkerung), die rasche, ungesteuerte Verstädterung mit einer massiven Zuwanderung vor allem an die Peripherie der in den 1950er Jahren zur Hauptstadt erkorenen Siedlung und jetzigen Metropole Nouakchott sowie der Frauenüberschuss in den ländlichen Gebieten als Folge der Abwanderung der männlichen Bevölkerung.

Die Bevölkerung – insgesamt ca. drei Millionen Menschen, von denen 46% als arm und 30% als extrem arm eingestuft werden - setzt sich aus unterschiedlichen Ethnien zusammen. Mauretanien gehört zu den LDC (den am wenigsten entwickelten Ländern) und gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Lebenserwartung beträgt 53,1 Jahre (Zahl von 2006) und die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren scheint bei 12,3% zu stagnieren.

Die Migration nach Mauretanien hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Bürgerkriege, politische Instabilität und wirtschaftliche Rezession in anderen afrikanischen Staaten trugen dazu bei, sowie insbesondere die Verschärfung der Kontrollen auf der Strecke Agadez (Niger) – Tamanrasset (Algerien), in der Meerenge von Gibraltar und an der Küste der Westsahara, die Mauretanien als Ausgangspunkt für die Migration nach Europa vergleichsweise attraktiv erscheinen lässt.

Die rasch auf ca. 120.000 – 160.000 EinwohnerInnen angewachsene Hafenstadt Nouadhibou ist seit einigen Jahren der zentrale Ziel- und Abreiseort für MigrantInnen mit dem Ziel Kanarische Inseln. Die Behörden schätzen ihre Zahl auf 10.000 – 40.000, von den ca. 70% letztendlich nach Europa oder Nordamerika weiterreisen wollen. Viele von ihnen finden sich heute als direkte Auswirkung der europäischen Migrationsregime in Nouadhibou blockiert. Der Weg nach Europa ist ihnen verschlossen, der Weg zurück oft nicht möglich. Unter den vorrangig aus ca. 15 Ländern West- und Zentralafrikas stammenden MigrantInnen finden sich auch Flüchtlinge und zunehmend Frauen und Familien. Die meisten leben unter sehr prekären Bedingungen. Viele Frauen sind zu Prostitution gezwungen. Die unsicheren Lebensumstände, die Mittelknappheit und der erschwerte Zugang zu den Gesundheitszentren haben extrem nachteilige Auswirkungen auf die gesundheitliche Verfassung der MigrantInnen.

Kondome gehören zur Seelsorge: Das Projekt des Pater Jerome

Die katholische Mission Nouadhibou unterstützt alle MigrantInnen (unabhängig ihrer Herkunft und Religion) nicht nur mit Überlebenshilfe sondern bietet auch Aus- und Weiterbildungskurse (Alphabetisierung, Berufsbildung etc.) und soziale Aktivitäten an. Medizinische Notfälle werden von einer in der Mission beschäftigten Krankenschwester versorgt, die diese bei Bedarf an das Krankenhaus weiter verweist. Jedoch hat die Mission weder für Medikamente noch für Behandlungskosten oder gelegentliche gesundheitlich bedingte Rückführungen ein Budget. Dieses wird im Rahmen dieses Projektes bereitgestellt. Die Mission geht offen mit den Themen Prostitution und sexuell übertragbare Krankheiten um und führt entsprechende Sensibilisierungsveranstaltungen für die MigrantInnen durch und propagiert den Gebrauch von Kondomen.

Die Mission wird von dem engagierten, politisch denkenden und mutigen Pfarrer Jerome Nigeria geleitet. Es handelt sich um eine katholische Mission, für die nicht politische, sondern humanitäre Beweggründe im Vordergrund stehen. Es geht ihr darum, zu einem würdigen Überleben für alle in Nouadhibou beizutragen, dabei engagiert sie sich insbesondere für die Rechte der MigrantInnen und scheut auch nicht die Auseinandersetzung mit den mauretanischen Behörden und die Öffentlichkeit. Die Unterstützung der Arbeit der Mission für MigrantInnen wurde medico auch von unserem Partner AMDH nahe gelegt, der mit der Mission seit Jahren kooperiert und unterstützt von der Caritas Deutschland, die die Mission ebenfalls finanziert.

Projektziel: Gesundheit

Das Ziel der Unterstützung ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung von MigrantInnen in Nouadhibou. Der Service soll allen MigrantInnen zugute kommen, die bei der katholischen Mission vorstellig werden. Im vergangenen Jahr hat die Mission allein über 600 Kranke versorgt. Konkret geht es um die Behandlung bzw. Überweisung medizinischer Notfälle, Kauf von Medikamenten und kostenlose Abgabe durch die Krankenschwester der Mission auf Verordnung des behandelnden Arztes an bedürftige MigrantInnen. In einzelnen Notfällen: medizinisch bedingte Rückführung von schwer kranken (in Mauretanien nicht behandelbaren) PatientInnen.

Wir werden weiter über die dieses neue Projekt berichten. Denn immer mehr entpuppt sich der Transit, den MigrantInnen aus Afrika durchlaufen, um auf die andere Seite des Meeres zu gelangen, nach Europa, als Sackgasse der Verzweiflung. Das europäische Grenzregime zerstört damit nicht nur die Träume all jener, die auch für sich ein gutes Leben wünschen, sondern es stößt Abertausende in einen feindlichen Ort, hier Nouadhibou, in dem sie gezwungen sind zu verweilen, der zum Sterben zu viel, aber zum Leben um so weniger bietet.

Wir bitten um Spenden unter dem Stichwort "Migration".


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