#menschenrechte

Adresse eines Aktivisten

Nasir Mansoor (rechts), stellvertretender Generalsekretär der National Trade Union Federation (NTUF), Abgeordneter der Generalversammlung aus Karatschi, Pakistan. (Foto: Holger Pridemuth)
medico-Partner Nasir Mansoor fordert, die Wiederherstellung der Menschenrechte in die Präambel der „Charta des 21. Jahrhunderts“ aufzunehmen.

Adresse eines Aktivisten an die Generalversammlung des Globalen Dritten Standes

Ich bin stolz und dankbar, mich an die Generalversammlung des Globalen Dritten Standes wenden zu können, die eine „Charta für das 21. Jahrhundert“ ausarbeiten wird. Der Name in meinem Personalausweis tut dazu nichts zur Sache. Nennen Sie mich Nasir Mansoor, bei dem Namen, unter dem ich als Aktivist bekannt bin. Ich bitte Sie um diesen Gefallen, weil ich hier für alle diejenigen das Wort ergreifen möchte, die man wie mich als Aktivist*innen bezeichnet. Weltweit geht unsere Zahl in die Millionen. Viele von uns tragen einen selbstgewählten Namen – aus Sicherheitsgründen, aber auch zur Bewährung der im politischen und sozialen Aktivismus errungenen Freiheit.

Ich musste mir meinen Namen 1978 suchen, zu Beginn meines Aktivismus, ein Jahr, nachdem General Zia ul Haq in meiner Heimat Pakistan Militärdiktator wurde. Ich war damals Student und schloss mich wie viele andere dem Movement for the Restoration of Democracy an, der Bewegung zur Wiederherstellung der Demokratie. In gewissem Sinn bin ich noch heute Mitglied dieser Bewegung. Dabei ist die Demokratie, die wir wiederherstellen wollen, immer noch die Demokratie, die 1789 von der ersten Generalversammlung inauguriert wurde, damals im Namen nicht des Globalen, sondern des französischen Dritten Standes. Wir sind zur Wiederherstellung dieser Demokratie aufgerufen, weil sie noch nie in der vollen und wahrhaftigen Bedeutung ihres Namens inauguriert war, nirgendwo auf der Welt, und weil sie immer schon die uns aufgegebene, die kommende Demokratie war und dies auch bleiben wird.

Gleich nach dem Ende der Herrschaft des Generals Zia schloss ich mich der Arbeiter*innenbewegung meines Landes an. Ich tat das, weil Demokratie nicht einfach nur eine Frage der politischen Rechte ist, etwa des Rechts auf freie Wahlen. Demokratie ist auch eine Frage der sozialen Rechte, der Rechte der Arbeiter*innen an ihrem Arbeitsplatz. In meinem Land finden sich die meisten industriellen Arbeitsplätze in der Textilindustrie, zu der auch die Webereien, die Gerbereien, aber auch die Baumwollplantagen und all‘ die Arbeitsplätze in den Behausungen Hunderttausender Heimarbeiter*innen gehören. Weil die meisten von ihnen Frauen sind, kann man nicht für die sozialen Rechte am Arbeitsplatz eintreten, wenn man nicht zugleich für die Rechte der Frauen eintritt. Wenn man nicht zugleich kulturelle und ökologische Rechte einfordert, Rechte auf Wohnen, auf Gesundheit und auf Bildung. Wenn man nicht für die die Wiederherstellung der Menschenrechte streitet.

Wir verkaufen die Kleidung, die wir herstellen, auf der ganzen Welt. Was das heißt, haben wir alle am 11. September 2012 lernen müssen, dem Industrial 9/11. An diesem Tag verbrannten in einer Fabrik in Karatschi 260 Arbeiter*innen bei lebendigem Leib. Die Fabrik hatte einen großen Auftraggeber: einen Textildiscounter aus Deutschland. Ihre Arbeiter*innen starben aufgrund von Entscheidungen, die in Deutschland getroffen wurden, im Einklang mit deutschen Gesetzen, deutschen Regierungen und Parlamenten, von Entscheidungen auch deutscher Bürger*innen und Kund*innen.

Als Aktivist*innen der politischen und sozialen Rechte müssen wir diese Rechte deshalb als globale politische und soziale Rechte einfordern, als Rechte, mit denen wir die Demokratie als eine globale Demokratie wiederherstellen können. Im nächsten Schritt muss dies durch eine Wiederherstellung der Menschenrechte geschehen, mit der die Mitglieder der Vereinten Nationen ermächtigt werden, auch die transnationalen Unternehmen und damit die globalen Liefer- und Herstellungsketten auf die Einhaltung dieser Rechte zu verpflichten. Um diesen Schritt ganz ausdrücklich zu gehen, bitte ich Sie, diese Wiederherstellung der Menschenrechte nicht nur in die „Charta des 21. Jahrhunderts“, sondern in deren Präambel als in ihren einführenden Teil einzuschreiben, den Teil, der ihren Zweck und ihre Ziele erklärt und dadurch auch die Generalversammlung des Globalen Dritten Standes rechtfertigt: indem er ihren Namen rechtfertigen wird.


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