medico international

04.10.2011

medico trifft...

Eine Veranstaltungsreihe zu globalen Fragen von medico international in Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm

»Zäsuren«. Unter diesem Motto steht die Reihe "medico trifft …", die die Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international in Kooperation mit dem Mousonturm veranstaltet.

Die Zäsuren, um die es gehen soll, spiegeln sich in entlegenen Regionen des Kongo, in kleinen Projekträumen mitten im Gaza-Streifen, an den Rändern der schmelzenden Gletscher. Dahinter werden paradigmatische globale Fragen sichtbar: Krieg und Gewalt als permanentes Prinzip, ein Sicherheitsverständnis, das die Probleme nicht mehr löst, sondern wegsperrt, die Beunruhigung der Klimakatastrophe.

Doch nicht der analytische Blick von außen ist der Zugang dieser Reihe. So wie medico international mit seinem weltweiten Netzwerk lokaler Partner die Weltzäsuren von unten erlebt, so nehmen auch die Gesprächspartner eine ganze eigene Erzählposition ein. Andrea Böhm begleitet als Journalistin seit vielen Jahren die Zäsuren und Umbrüche im Kongo und trifft doch im Alltag eines permanenten Krieges Menschen, die eine ganz andere Geschichte erzählen als nur die von Gewalt. Die Psychoanalytikerin Ursula Hauser führt seit vielen Jahren im Gaza-Streifen Psychodrama Workshops durch und schafft dabei mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen sozialen Beziehungsraum, der die Wirklichkeit des Gaza-Streifens transzendiert. Der Schriftsteller Ilija Trojanow wiederum nähert sich in seinem 2011 erschienen Roman der Klimakatastrophe mit ihren vorhersehbaren verheerenden Folgen insbesondere für die ausgegrenzten Regionen dieser Erde aus der Perspektive eines Gletscherforschers an. Sein Romanheld ist einer, der mit Zorn auszieht für die Gletscher zu kämpfen.

Die Gäste teilen mit medico die Suche nach Handelnden und Handlungsmöglichkeiten der Veränderung. Sie gehören wie medico zu einer Öffentlichkeit, die sich den heutigen Problemen stellen will, und sich als transnationale Öffentlichkeit neu konstituiert Sie verbindet eine gemeinsame Sprache. Es ist die Sprache der Menschenrechte: Das Drängen auf eine emanzipierte Gesellschaft, die, so Adorno, „die Verwirklichung des Allgemeinen in der Versöhnung der Differenz meint.“


medico trifft… Ursula Hauser

Dienstag 18.10.11, 20.00 Uhr

ZEICHEN DER ANERKENNUNG – PSYCHODRAMA IN GAZA

Ursula Hauser (Psychoanalytikerin) im Gespräch mit Katja Maurer, medico international

Inmitten des von Gewalt und Isolation geprägten Alltags in Gaza bietet die Psychoanalytikerin und Mitarbeiterin von medico schweiz, Ursula Hauser, Ausbildungskurse in Psychodrama an. In Kooperation mit dem Gaza Community Mental Health Programme suchen die Gruppen gemeinsam nach Wegen aus der erlebten Ohnmacht, der Erniedrigung und dem Ausgeliefertsein in der angespannten Situation.
Gemeinsam erarbeiten sie einen kulturell und politisch angemessenen Prozess, der es ermöglicht, die Erlebnisse zu bearbeiten. Psychodrama kann dabei helfen, die traumatischen Erlebnisse auszudrücken und Selbstbewusstsein wiederzuerlangen. Ursula Hauser spricht auch über die Umbrüche und psychologischen Auswirkungen des Gaza-Krieges in 2008.


medico trifft… Ilija Trojanow

Dienstag, 15.11.11, 20.00 Uhr

EISTAU – DER KAMPF GEGEN DEN KLIMAWANDEL IST EIN KAMPF UMS ÜBERLEBEN

Ilija Trojanow (Schriftsteller) im Gespräch mit Thomas Gebauer, medico international

Mit dem neuen Roman des Schriftstellers Ilija Trojanow trifft uns als Leser/innen der Zorn seines Protagonisten über die weltumspannenden Folgen des Klimawandels. Der Anstieg des Meeresspiegels, Dürreperioden und Missernten führen zu Hunger, Flucht und Vertreibung. Die Industrienationen halten unvermindert an ihrem Wachstumsdogma fest und scheint keine andere Antwort zu kennen scheinen als die Grenzen dichtzumachen. „Diese Abschottungspolitik Europas bedeutet Massenmord“ sagt Ilija Trojanow.


medico trifft… Andrea Böhm

Dienstag, 04.10.11, 20.00 Uhr

GOTT UND DIE KROKODILE – EINE REISE DURCH DEN KONGO

Andrea Böhm (Journalistin) im Gespräch mit Stephan Hebel, Vorstand medico international

Andrea Böhm berichtete eindrucksvoll vom Leben und Überleben im alltäglichen Ausnahmezustand der Demokratischen Republik Kongo. „Se débrouiller“, sich irgendwie durchwursteln, so lautet die Maxime der Menschen in dem afrikanischen Land, das fast so groß ist wie Westeuropa. Die Journalistin verknüpft persönliche Portraits mit großen Zäsuren wie dem Ende der Kolonialzeit, Rohstoffkriegen und der ökonomischen Globalisierung und zeigte so, dass Afrika nie am Rande der Weltgeschichte lag, sondern immer mittendrin.


Veranstaltungsort

Cristallobar im Mousonturm
Waldschmidtstraße 4, Frankfurt, U-Bahnstation Merianplatz

Eintritt: 5 Euro

Informationen und Karten: www.mousonturm.de Kartentelefon (069) 40 58 95-20

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