medico international

20.07.2010

Codename „Johnny“

Armee bestätigt Vorwürfe der israelischen Reservistenorganisation Breaking the Silence

Letztes Jahr hat medico seinen Partner, die israelische Reservistenorganisation Breaking the Silence bei der Veröffentlichung von Zeugnissen israelischer Soldaten über das Vorgehen der Armee bei den Angriffen auf Gaza um die Jahreswende 2008/09 unterstützt. Die israelische Armee erklärte die Zeugenaussagen für falsch und hat auf die Veröffentlichung der mit einer gezielten Delegitimierungskampagne reagiert (wir berichteten).

Besonders vehement leugnete die Armee die Zeugenaussagen, in denen über die „Nachbar-Prozedur” berichtet wurde, die den internen Codenamen „Johnny“ trug. Dabei wurden palästinensische Zivilisten als menschliche Schutzschilder für die Soldaten genutzt. Sie mussten als erste Häuser betreten, in denen die Soldaten Bewaffnete vermuteten.

In den letzten Tagen hat die Armee bekanntgegeben, dass sie einen Kommandeur belangen wird, der eben so vorgegangen war. Solcher Missbrauch von Zivilisten ist nämlich auch nach israelischem Recht streng verboten. Dabei handelt es sich pikanterweise um den gleichen Fall, den Breaking the Silence im Sommer 2009 dokumentiert hatte.

Da Breaking the Silence nachweislich weiß, dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelte sondern um gängige Praxis, ruft sie erneut zu einer unabhängigen Untersuchung des militärischen Vorgehens während der Angriffe auf den Gazastreifen auf. Sie verlangt, dass sich der Armeesprecher vor den Soldaten, die bei Breaking the Silence ausgesagt haben, entschuldigt und fordert seinen Rücktritt.

Veröffentlicht von Tsafrir Cohen am 20.07.2010 | 0 Kommentare

 

Kommentar

Hier können Sie Ihren Kommentar schreiben


  1. Die eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht
  2.  Bitte geben Sie die angezeigten Buchstaben ein.

Senden

 

Paradoxe Hoffnung

Der Israel/Palästina-Blog von Tsafrir Cohen

 

Foto: Frieder Schnock

 

In diesem Blog möchte ich Ihnen von unserer Arbeit und der Situation vor Ort berichten. Abseits aller vorgeblichen Kulturkämpfe soll ein direkter Blick auf diese komplexen und zugleich "fragmentierten" Gesellschaften ermöglicht werden, der Ihnen auch Möglichkeiten für solidarisches Handeln aufzeigen kann.

Darüber hinaus soll der Blog dazu beitragen, auch in Deutschland eine Diskussion anzuregen, die sich - um die historischen Verantwortlichkeiten wissend - erneut und wiederholt mit den gesellschaftspolitischen Tatsachen vor Ort beschäftigt.

 
 

RSS-Feed

medico international