

Letztes Jahr hat medico seinen Partner, die israelische Reservistenorganisation Breaking the Silence bei der Veröffentlichung von Zeugnissen israelischer Soldaten über das Vorgehen der Armee bei den Angriffen auf Gaza um die Jahreswende 2008/09 unterstützt. Die israelische Armee erklärte die Zeugenaussagen für falsch und hat auf die Veröffentlichung der mit einer gezielten Delegitimierungskampagne reagiert (wir berichteten).
Besonders vehement leugnete die Armee die Zeugenaussagen, in denen über die „Nachbar-Prozedur” berichtet wurde, die den internen Codenamen „Johnny“ trug. Dabei wurden palästinensische Zivilisten als menschliche Schutzschilder für die Soldaten genutzt. Sie mussten als erste Häuser betreten, in denen die Soldaten Bewaffnete vermuteten.
In den letzten Tagen hat die Armee bekanntgegeben, dass sie einen Kommandeur belangen wird, der eben so vorgegangen war. Solcher Missbrauch von Zivilisten ist nämlich auch nach israelischem Recht streng verboten. Dabei handelt es sich pikanterweise um den gleichen Fall, den Breaking the Silence im Sommer 2009 dokumentiert hatte.
Da Breaking the Silence nachweislich weiß, dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelte sondern um gängige Praxis, ruft sie erneut zu einer unabhängigen Untersuchung des militärischen Vorgehens während der Angriffe auf den Gazastreifen auf. Sie verlangt, dass sich der Armeesprecher vor den Soldaten, die bei Breaking the Silence ausgesagt haben, entschuldigt und fordert seinen Rücktritt.
Veröffentlicht von Tsafrir Cohen am 20.07.2010 | 0 Kommentare
