20.01.2010

Die Blockade von Gaza muss enden: Sie gefährdet die Gesundheit von 1,4 Millionen Menschen

Ein Aufruf von über 80 Entwicklungs- und UN-Organisationen

Ein Jahr nach Israels Militäroffensive im Gazastreifen, warnen der Koordinator für Humanitäre Angelegenheiten der Vereinten Nationen (VN) und AIDA, ein Zusammenschluss von mehr als 80 internationalen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, darunter medico international, dass die Blockade des Gazastreifens die Gesundheit der Gazaer Bevölkerung und das dortige Gesundheitssystem gefährdet. Sie fordern deshalb die sofortige Öffnung der Übergänge.

Max Gaylard, der VN-Koordinator für Humanitäre Angelegenheiten für die besetzten Gebiete sagte, die Blockade von Gaza führe zur stetigen Verschlechterung der sozialen, ökonomischen und umweltrelevanten Grundlagen für ein gesundes Leben. Die Bereitstellung von medizinischen Hilfsgütern, die Weiterbildung vom Gesundheitspersonal sowie die Überweisung von schwer kranken Patienten, die auf eine rechtzeitige professionelle Behandlung außerhalb des Gazastreifens angewiesen sind, werden erschwert.

Angesichts wachsender Arbeitslosigkeit und Armutsraten steht die Gazaer Wirtschaft kurz vor dem Zusammenbruch, sagen die Organisationen. Dies wird lang anhaltende negative Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden der Menschen haben. Auch die Umweltschäden wachsen. Das gilt für die Wasserqualität, für das Abwassersystem und für die Müllentsorgung – etwa von medizinischen Abfällen.

Der Mangel an Baumaterialien als Folge der Blockade beeinträchtigt auch notwendige Gesundheitsdienste: Der neue Flügel des Gazaer Zentralkrankenhauses Al-Shifa' bleibt unvollendet seit 2006. Krankenhäuser und Basisgesundheitskliniken, die während der Angriffe beschädigt wurden, können noch immer nicht wiederaufgebaut werden, weil die hierfür notwendigen Materialien nicht eingeführt werden dürfen. Während der Operation „Gegossenes Blei“ wurden 15 der 27 Krankenhäuser und 43 der 110 Tageskliniken im Gazastreifen beschädigt oder zerstört.

Während Medikamente und andere medizinischen Güter in der Regel in den Gazastreifen eingeführt werden können, müssen Röntgengeräte oder elektronische Medizingeräte und Ersatzteile häufig draußen bleiben. Medizingeräte sind daher oft außer Betrieb oder veraltet.

Das Gesundheitspersonal ist seit Jahren von der Außenwelt isoliert. Schon seit dem Jahr 2000 - also lange vor der Machtübernahme der Hamas - konnten nur wenige Ärzte, Krankenschwestern oder Laboranten den Gazastreifen verlassen, um sich weiterzubilden. Das vermindert ihre Fähigkeit, gute Gesundheitsdienste anzubieten.

Viele spezialisierte Dienste, etwa komplexe Herzoperationen oder Krebsbehandlungen können nicht vor Ort vollzogen werden. Deshalb müssen Patienten in Krankenhäuser außerhalb des Gazastreifens überwiesen werden. Doch vielen Patienten wird die Ausreise verweigert, oder diese wird verspätet genehmigt. Etliche Patienten sind als Folge dieser Politik gestorben (Siehe dazu auch Blog vom 22.09.2008: "Wenn Gesundheit als Geisel genommen wird. Wie der israelische Inlandsgeheimdienst -Shin Bet - palästinensische Patienten aus Gaza vernimmt und erpresst" - ein Bericht des medico-Partners Ärzte für Menschenrechte - Israel).

Tony Laurance, Leiter der Weltgesundheitsorganisation in den besetzten Gebieten stellte fest, dass ein effektives Gesundheitssystem nicht in der Isolation aufrechterhalten werden kann. Offene Grenzen seien notwendig, um die Gesundheit der 1,4 Millionen Gazaer, 750.000 hiervon Kinder, sicherzustellen.

Medico international, zusammen mit den über 80 anderen internationalen Mitgliedsorganisationen der AIDA glauben, dass die israelische Regierung die rechtliche Pflicht hat, den Menschen im Gazastreifen das Recht auf Gesundheit zu garantieren. Die Übergänge müssen wieder geöffnet werden!

Veröffentlicht von Tsafrir Cohen am 20.01.2010 | 1 Kommentar

Kommentare

seraina gaudenz, 23.01.2010

ein Teil meiner heilen Welt würde ich Euch gerne schenken - erst nach der taz-reise versehe ich wie viel Kraft Ihr braucht! Deine Blogs tragen dazu bei die Situation nicht zu vergessen. - Danke.

 

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