medico international

19.08.2010

Ein Déjà-vu in Chile

Polizei durchsucht 8 Stunden lang das Haus der Präsidentin des medico-Partners CODEPU

Während hier die Telefone nicht stillstehen angesichts der Überflutungs-Katastrophe in Pakistan, erreicht uns eine Nachricht unseres langjährigen Projektpartners in Chile. Die Privatwohnung der CODEPU-Präsidentin Viviana Uribe wurde am Samstag, den 14. August 7 Stunden lang von einem Polizeikommando durchsucht. Die Polizei drang gewaltsam ein, richtete die Maschinengewehre auf die noch schlafenden Bewohner und stellte dann das ganze Haus auf den Kopf. Vor dem Hintergrund der chilenischen Geschichte wecken solche polizeilichen Übergriffe mehr als nur böse Erinnerungen. Viviana Uribe und ihre hochschwangere Tochter, die während der Übergriffe im Haus war, sind selbst Angehörige von Opfern der Pinochet-Diktatur. Neben Computern, persönlichen Fotos und Kinderspielzeug entwendete das Polizeikommando Dokumente, die im Zusammenhang mit der CODEPU-Arbeit mit den Mapuche-Indianern stehen sowie Augenzeugenberichte von Menschenrechtsverletzungen. Noch hat sich die Polizei nicht erklärt, weshalb sie das Haus durchsucht hat. Befürchtungen bestehen, dass dies ein weiterer Akt in der Kriminalisierung der Mapuche-Bewegung sein könnte, da sich CODEPU seit vielen Jahren, auch mit Unterstützung von medico, für die Menschenrechte der Mapuche einsetzt. Seit vielen Jahren gibt es im Süden Chiles Auseinandersetzungen um die Aneignung und Privatisierung von Ländereien, die die Mapuche historisch beanspruchen, so in den Auseinandersetzungen um die Errichtung von sechs Wasserkraftwerken am Fluss Bio Bio, einer wesentlichen Wasserader in der Mapuche-Region.

Veröffentlicht von Katja Maurer am 19.08.2010 | 0 Kommentare

 

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