Hospital Cardenal Leger, Sigueneau, Leogane, Haiti – Während ich mit Rafael und Vitalina von der dominikanischen Gesundheitsbrigade spreche, die wir über COSALUP mit Medikamenten und medizinischen Bedarfsmaterial unterstützen, marschiert eine Gruppe US-Marines auf, die nahebei mit einem Hubschrauber gelandet ist. Sie sind auf assessment-tour, wollen sich ein Bild verschaffen. Freundlich geben die Kolleginnen Auskunft und verweisen auch auf die kubanische Brigade, die im Kreiskrankenhaus von Leogane arbeiten. Ja, da werden sie auch mal vorbei schauen. „Vielleicht hilft das ja mal die Beziehungen zwischen den USA und Cuba zu verbessern“ raunt mir Rafael zu, als die Soldaten sich entfernen.
Wenig war bislang von den 400 KubanerInnen, die bereits seit Jahren das haitianische Gesundheitssystem unterstützen, in den internationalen Medien zu sehen und zu hören. Noch weniger von den haitianischen HelferInnen und GesundheitsarbeiterInnen, die unmittelbar nach der Katastrophe vielerorts völlig auf sich gestellt waren, bis die internationalen Helfer einflogen. Die meisten Menschen wurden von Angehörigen und Nachbarn aus den Trümmern gerettet und erstversorgt.
Noch in der selben Nacht des 12. Januars entsendete die Regierung der Dominikanischen Republik Hilfe und die dortige Zivilgesellschaft organisierte umgehend Unterstützung, z.B. im Rahmen von „Ayuda Haiti“ einem breiten Bündnis dominikanischer und internationaler Organisationen. Für uns war es keine Frage dem Aufruf der Basisgesundheitsorganisation COSALUP zu folgen und rasch eine erste finanzielle Unterstützung bereits zu stellen.
Rafael und Vitalina sind Teil des zweiten dominikanischen Gesundheitsteams, das im Garten des Hopital Cardenal Leger eine Gesundheitsstation eingerichtet hat. Am vergangenen Samstag (23.1.) haben sie um die 300 Patientinnen versorgt. In den ersten Tagen waren es über 500. „Wir betreuen vor allem Menschen, die keine aufwendigen Interventionen benötigen und daher in den Krankenhäuser keine Aufnahme finden, und man darf nicht vergessen, das die Gesundheitsprobleme der haitianischen Bevölkerung bereits vor dem Erdbeben enorm waren“ erklärt Vitalina, eine brasilianische Nonne (in „Zivil“), die seit Jahren in der Dominikanischen Republik mit Flüchtlingen und Illegalen aus Haiti arbeitet.
Vitalina berichtet von dem Rassismus, der Stigmatisierung und Ausbeutung dieser in der Dominikanischen Republik. Die Unterstützung von Ayuda Haiti muss auch als Beitrag verstanden werden, um dem etwas entgegen zu setzten.
Die Ruhe und das Grün im Garten der Anlage täuschen auf den ersten Blick darüber hinweg, dass das Krankenhaus Cardenal Leger der Schwestern der katholischen Kongregation Cristo Rey komplett zerstört ist. Sie betreiben dort auch ein Altenheim. Glücklicherweise waren die Senioren fast alle im Garten, als sich das Beben ereignete. Im nahe gelegenen Waisenhaus starben zwei der 80 Kinder. Sie waren krank und lagen deshalb in ihren Betten, während die anderen sich zum Unterricht im Garten versammelt hatten.
Auch diese Einrichtungen werden von „Ayuda Haiti“ basismedizinisch betreut. Zusaetzlich gehen sie jetzt auch in die marginalen Viertel. Die Nonnen kennen sich dort bestens aus und so kann die Hilfe, in Koordination mit den lokalen Selbsthilfekomitees, gezielt jenen zugeführt werden, die es am nötigsten haben. Dies bestätigt einmal mehr, dass die lokalen Netze in den Vierteln vielerorts gut funktionieren.
So wichtig die spezialisierte medizinische Hilfe ist, sie darf nicht zu Lasten der Basisgesundheitsversorgung, der Schwangerschaftsvorsorge, der Grundimpfungen und der Menschen mit chronischen Krankheiten gehen.
Veröffentlicht von Dieter Müller am 28.01.2010 | 0 Kommentare
