21.01.2010

Haitianisch-dominikanische Kooperation

Haitianisch-dominikanische Kooperation

Morgen machen sich unsere beiden Kollegen, Riad Othman und Dieter Müller, die derzeit in der Dominikanischen Republik sind, auf den Weg nach Haiti, Leogane ca. 30 Km westliche von Port au Prince, einem der Orte in unmittelbare Nähe des Epizentrums, die massiv betroffen sind und bislang wenig Unterstützung erhalten haben. In diese Richtung fährt auch einen Tag später ein Hilfskonvoi, an dem auch der medico-Partner COSALUP beteiligt ist. Zu dem Konvoi gehören mindstens 12 Personen Ärzte, Dolmetscher und Logistiker. Das medizinische Personal, das über COSALUP nach Haiti fährt, ist vor allen Dingen im Bereich der Basisgesundheitsversorgung tätig. Da sich aus verständlichen Gründen sehr viel Aufmerksamkeit auf die Verletzten des Erdbebens richtet, kommen die anderen Krankheiten in den Sammelstellen der Flüchtlinge oft zu kurz. Die Teams sind zusammengesetzt aus dominikanischem und haitianischem Personal, damit ist auch die sprachliche Kompetenz gesichert. Mit den Kollegen vor Ort wurde geklärt, dass sich weitere  medico-Unterstützung für Nothilfe neben der aktuellen Unterstützung von COSALUP auf Regionen richten wird, in denen der Bedarf noch nicht gedeckt ist.

Binationales Kulturfestival verschoben aber nicht aufgehoben

Großes Thema in den Diskussionen vor Ort ist die Frage nach der Zukunft Haitis. Der dominikanische Sänger Jose Roldan Marmol Hernandez gehört zu den Aktivisten einer haitianisch-dominikanischen Zivilgesellschaft, die sich insbesondere gegen den Rassismus gegenüber Haiti und den Haitianer wendet. Roldan ist Präsident der Kulturstiftung COFRADIA und des maßgeblich von ihm mitinitiierten Red Dominicana de Culturales locales (Dominikanisches Netzwerk der lokalen Kulturen). Das umfasst 80 loklae Initiativen, die sich auch um die grenzüberschreitende Kooperation, den Austausch und die Neuentwicklung von haitianisch-dominikanischen Beziehungen bemühen. Für April diesen Jahres war ein großer grenzüberschreitender Kulturaustausch geplant. Haitianische Künstler sollten in der Dominikanischen Republik auftreten und umgekehrt. Nun ist dieser Versuch, die christlich geprägten Vorurteile aufzubrechen, unter den Trümmern des Erdbebens begraben worden. Doch Roldan, ein alter Bekannter, der 1992 zu den Aktivitäten rund um die Aktivitäten zu 500 Jahre Conquista - der Eroberung Lateinamerikas durch Spanien - in Deutschland war, ist entschlossen, das Projekt nur zu verschieben. Im Gespräch mit Dieter Müller berichtet er über den latenten Rassismus gegenüber den Haitianern, der nicht nur den Umgang mit den Arbeitern aus dem Nachbarland in der Dominikanischen Republik prägt, sondern auch in den internationalen Strukturen, die in Haiti faktisch die Regierung ersetzen, verbreitet sei. Ein jüngstes Beispiel. Ein US-Prediger habe über große Medien ein Bild aus Haiti verbreitet, auf dem nichts weiter als Trümmer und ein Kreuz zu sehen gewesen sei.  Seine Bildinterpretation lautete: Das Erdbeben sei die Strafe Gottes dafür gewesen, dass viele Haitianer Voodoo statt dem Christentum angehörten. Unter anderem an diesem rassistisch aufgeladenen Blick seien auch die bisherigen Interventionen gescheitert, so Roldan. Mit seinem Netz aus dominikanischen und haitianischen Künstlern will er mit an neuen Bündnissen arbeiten, die dafür sorgten, dass die haitianische Gesellschaft in ihrer ganzen Komplexität zu Worte käme. Es geht darum, so Roldan, eine neue soziale Beziehung aufzubauen. Symbolisch geschieht das in solchen Aktionen wie der Solidaritätskampagne der dominikanischen Jugendbewegung, die sich erfolgreich gegen den Bau einer Zementfabrik in einem Naturschutzgebiet zur Wehr gesetzt hat. Sie organisieren gemeinsam mit dem Kultur-Netzwerk eine Solidaritätskampagne: „Haiti – dein Schmerz ist mein Schmerz“. Wenn medico dabei unterstützen kann, werden wir das tun.

Veröffentlicht von Katja Maurer am 21.01.2010 | 0 Kommentare

 

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