
Am gestrigen Dienstag (19. Januar) ist unser Kollege Dieter Müller, medico-Projektkoordinator in Mittelamerika, in der Dominikanischen Republik eingetroffen, um sich mit unserem Dominikanischen Partner zu verständigen und weiteren Bedarf festzustellen. Erste Mittel wurden von medico an COSALUP für medizinische Nothilfe überwiesen, nun werden weitere Maßnahmen geplant. COSALUP ist Teil des gemeinsamen Netzwerkes People´s Health Movement und Comité Regional de Salud, mit denen wir in konkreten Projekten und für das Recht auf Gesundheit aktiv sind.
Für COSALUP steht in der Haiti-Hilfe die Frage im Mittelpunkt, wie die Haitianerinnen und Haitianer in die Hilfsmaßnahmen einbezogen und zentrale Akteure des Wiederaufbauprozesses werden können. Die Kollegen von COSALUP haben große Befürchtungen, dass manche Hilfsmaßnahmen von anderen ökonomisch-medialen oder politischen-militärischen Interessen geleitet sein könnten. Gemeinsam mit anderen dominikanischen Organisationen der Zivilgesellschaft haben sie die Plattform „Haiti-Hilfe“ (Ayuda – Haiti) gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat einen Beitrag zum Wiederaufbau „mit und für die Haitianer“ zu leisten. COSALUP hat gemeinsam mit der dominikanischen Ärztekammer viel medizinisches Personal für die Haiti-Hilfe organisiert. Sie arbeiten in Port au Prince, ein zweites medizinisches Versorgungscamp sollte ursprünglich an der Grenze errichtet werden. Nun werden sie das auch in Haiti aufbauen können.
COSALUP ist eine zentrale Instanz der kritischen Gesundheitsbewegung in der Dominikanischen Republik, hat aber bislang nicht in Haiti gearbeitet. Allerdings gibt es eine traditionelle Zusammenarbeit mit haitianischen Zuckerrohrarbeiterinnen, die seit mehreren Generationen in der Dominikanischen Republik leben. Noch ist die akute Nothilfe im Zentrum der Überlegungen. Aber bereits angedacht ist mit COSALUP die Frage, ob mit den Ressourcen in der Dominikanischen Republik und in El Salvador (der medico-Partner PODES) die Versorgungen vor Erdbebenopfern mit Prothesen realisiert werden kann.
Besonders schwierig erweist sich, wie auch schon in Medien berichtet, die Versorgung der zweiten schwer vom Erdbeben getroffenen Stadt Jacmel, die nur per Boot zur Zeit erreichbar ist. Ayuda-Haiti versucht hier mit einer haitianisch-dominikanischen Frauenorganisation, die seit vielen Jahren dort arbeiten, aktiv zu werden. Für die Organisationen der dominikanischen Zivilgesellschaft ist durch das Erdbeben die Frage neu aufgeworfen, ob ein Brückenschlag zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik zumindest auf der Ebene der Zivilgesellschaft rekonstruiert und gestärkt werden kann.
Veröffentlicht von Dieter Müller/Katja Maurer am 20.01.2010 | 0 Kommentare
