medico international

13.11.2009

Gesundheitsbewegung in (Süd)Afrika

Zu Besuch beim People's Health Movement in Kapstadt

Als Damaris Fritz neulich wieder im Sunset Hospital nahe der schicken Waterfont in Kapstadt war, stockte ihr der Atem. „Alles ist renoviert und voll mit der teuersten Medizintechnik. Und das für so wenige Patienten!“, erzählt mir die ausgebildete Krankenschwester bei unserem Treffen. Sie ist die Koordinatorin des People's Health Movement in Südafrika (PHM SA).

Erkrankten Fußballfans, FIFA-FunktionärInnen und reichen PrivatpatientInnen wird es also in puncto medizinischer Versorgung an nichts mangeln – für Millionen SüdafrikanerInnen, die auf den öffentlichen Gesundheitssektor angewiesen sind, sieht die Situation freilich schlechter aus. Das zu ändern ist das erklärte Ziel der „Rights to Health“-Kampagne des PHM Südafrika.

Zusammen mit anderen südafrikanischen Organisationen stellen sie das Menschenrecht auf Gesundheit in den Mittelpunkt. So umfasst die Kampagne auch die Forderungen nach gesundem Wohnraum, Nahrungssicherheit und (Ab-)Wasserversorgung etc.

Die PHM-AktivistInnen leisten Aufklärungsarbeit in den Townships und ermutigen die BewohnerInnen dazu ihre Rechte gegenüber der Verwaltung einzufordern. „Oft müssen wir den Leuten aber auch erst erklären, dass es nicht normal ist so zu leben und sie diesen Zustand auch nicht akzeptieren müssen“, sagt Damarius.

In den zwei Kapstädtern Townships Manenberg und Khayelitsha haben sich bereits PHM-Gruppen organisiert. Mit Beschwerdebriefen und Pressearbeit versuchen sie den Behörden und PolitikerInnen Druck zu machen. Besonders durch das Anwachsen von 90.000 auf 220.000 BewohnerInnen sind die Lebensbedingungen in Manenburg alles andere als gesund. Neben AIDS leiden viele Menschen an TBC, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten.

Als erstes soll erreicht werden Manenburg auf die Liste derjenigen Townships zu kriegen, in denen die Regierung die Blechhütten durch gemauerte Häuser mit eigenem Wasser- und Stromanschluss ersetzt. Damit den leeren Versprechungen der politisch Verantwortlichen endlich Taten folgen, können sich die Township-BewohnerInnen auch eine Demonstration zum Parlament vorstellen. Vorher wird es aber noch einige Hearings in den Communities geben, bei denen der Bedarf und weitere relevante Themen besprochen werden.

Ein weiteres wichtiges Thema für PHM ist in jedem Fall die Einführung der nationalen Krankenversicherung (NHI). Sie ist von der ANC-Regierung bereits beschlossen und hat prinzipiell die volle Unterstützung der Gesundheitsbewegung.

Allerdings ist noch völlig unklar, wofür das Geld aus dem Fonds verwendet werden soll. Für Damaris ist es wichtig, dass es in die öffentliche Gesundheitsversorgung fließt und nicht in den privaten Sektor. Nur so sei der dringend benötigte universelle Zugang möglich.

Auch öffentliche Kliniken (vor allem in den ländlichen Gegenden) brauchen endlich genügend Personal und eine adäquate Ausstattung. Auch das Klinikmanagement muss dringend verbessert werden. „Manchmal, wenn ich Kliniken besuche um mich mit dem Personal über sie Situation auszutauschen, kommt es vor, dass der Klinikleiter einfach nicht da ist und niemand weiß warum“, berichtet Damaris.

Nach der Parlamentsdebatte über das Budget der NHI im März steht dann die Ausweitung der Aktivitäten auf ganz Südafrika an. Denn aktuell existiert PHM Südafrika eigentlich nur in der Provinz Western Cape, spricht Damaris ganz offen ihr größtes Problem an.

Dort ist jedoch der aktuelle Hotspot des globalen PHM-Netzwerks. Im frisch bezogenen Häuschen im Kapstädter Stadtteil Observatory befinden sich auch das globale Sekretariat (vorher Kairo) und das für das gesamte subsaharische Afrika zuständige PHM-Büro. Als neue Regionalkoordinatorin hat Linda Mashingaidze viel zu tun. Mit einer Teilzeitstelle versucht sie die Präsenz des PHM in Afrika zu stärken und die bestehenden Mitgliedsorganisationen in Simbabwe, Tansania, Uganda, Malawi, Kenia, DR Kongo, Burkina Faso und Gabun zu vernetzen.

Und nicht zuletzt steht allen Gesundheitsbewegten in Südafrika noch viel Arbeit für eine Veranstaltung bevor, die derzeit noch von der WM überschattet wird. Im Jahr 2011 findet die People's Health Assembly in Kapstadt statt – ebenfalls das erste Mal auf dem afrikanischen Kontinent.

Veröffentlicht von Bernd Eichner am 13.11.2009 | 0 Kommentare

 

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