medico international

11.11.2009

Reisetipp Kapstadt

Unterwegs mit DACPM zu Gedenkorten des schwarzen Widerstands

Township-Touren gehören in Kapstadt mittlerweile zum touristischen Standardprogramm. Heute Tafelberg, morgen Weingut, dann Safari und zum Abschluss noch die Armut besichtigen. Wer das schnelle Drive-by-Photoshooting von Wellblechhütten im klimatisierten Reisebus sucht, sollte sich besser nicht auf eine „Journey of Remeberance“ (JOR, Reise der Erinnerung) mit dem medico-Partner DACPM (Direct Action Centre for Peace and Memory) begeben. Fotos aus dem Auto oder zwei Sekunden nach dem Aussteigen sind nämlich nicht erwünscht.

Alle die sich jedoch ernsthaft für die historischen, politischen und sozio-ökonomischen Realitäten sowie den Widerstand gegen das südafrikanische Apartheidregime interessieren, sind bei Lizo Ndzabela genau an der richtigen Adresse. Er war, wie auch alle anderen DACPM-Aktivisten, selbst Teil des Freiheitskampfes und schloss sich damals als 16jähriger dem bewaffneten Arms des ANC an. Nach dem Sieg über die Apartheid waren viele dieser MK-Fighter (ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung) die eigentlichen Verlierer. Sie endeten traumatisiert und arbeitslos in den Townships.

Um sich und ihre Familien durch Selbsthilfe finanziell zu unterstützen sowie einen Beitrag zur Erinnerung und Dokumentation an die Apartheid und deren langfristige Folgen zu leisten haben diese ehemaligen Freiheitskämpfer DACPM gegründet. Das Geld aus den JORs trägt unmittelbar zur Finanzierung des DACPM bei. Mit dessen Arbeit soll auch ein Beitrag zur Schaffung eines friedlichen und demokratischen Südafrikas geleistet werden. „Es war ein langer Weg von der Waffe zum Stift. Ich habe mich ziemlich verändert seit ich beim DACPM bin“, sagt Lizo und erzählt später beiläufig aber sichtlich stolz, dass er sich für die Uni eingeschrieben hat.

Über die JOR will ich an dieser Stelle gar nicht mehr verraten – schließlich soll sie ja noch massenhaft gebucht werden. Die Fotos oben müssen genügen. Nur soviel:

  • Die Journey of Remeberance führt entlang der Phasen der Vertreibung und des Widerstandes zum zerstörten District Sixt, durch die schöne und reiche Gartenstadt Pinelands, in die Townships Langa, Athlone, Guguletu, KTC und Crossroads. Vorher gibt es eine Einführung im DACPM (Stadtteil Woodstock).

  • Dauer: ca. halben Tag.

  • Kosten: ca. 300 Rand pro Person (ungefähr 30 Euro)

  • Buchung und alles weitere direkt beim DACPM: Tel. ++27-21-4485760 oder email: contact@dacpm.org

Veröffentlicht von Bernd Eichner am 11.11.2009 | 0 Kommentare

 

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