Von Mexiko aus bekommt die Auseinandersetzung in Honduras um den gestürzten Präsidenten Zelaya noch eine weitere Dimension. Die Frage nämlich, ob Wahlsiege von der alten Machtelite anerkannt werden oder nicht. Die Ereignisse in Honduras erinnern unsere Gesprächspartner hier an die Präsidentschaftswahlen 2006 in Mexiko. Damals sei Manuel Lopez Obrador um seinen Wahlsieg betrogen worden. Kein extrem linker Kandidat, aber integer. Das war schon gefährlich genug für ein Machtsystem, in dem Korruption und Bereicherung das oberste Prinzip ist. „Manlo“ hat mit der Zivilgesellschaft 2006 auf dem Zocalo über 50 Tage ausgeharrt und protestiert. Unter seinen Unterstützern Paco Ignacio Taibo II, einer der bekanntesten mexikanischen Schriftsteller, mit dem wir gestern sprachen. Er hatte auf dem Zocalo vor tausend Zuhörern regelmäßig gut recherchierte Vorlesungen über Akteure der mexikanischen Revolution gehalten. Obrador blieb Wahlverlierer und ist seither durch 2500 Gemeinden Mexikos gezogen, um eine neue Basis für den Wechsel aufzubauen. Taibo II erinnert sich noch heute mit Freude an diese Wochen am Zocalo, in denen ein anderes Mexiko seine Fähigkeit zum zivilen Widerstand zeigte. Die Auseinandersetzungen in Honduras seien, so Taibo, vor allen Dingen ein Verweis darauf, dass der eigentliche Kampf in Lateinamerika derzeit darum gehe, ob rechtssozialdemokratische bis linke Regierungen eine gemeinsame Union zu Wege brächten. Dabei geht es um nicht viel mehr als darum, die rechtsfreien Räume zu beseitigen, in denen sich die Oligarchien Lateinamerikas nach wie vor bewegen. Honduras ist da nur das letzte Beispiel. Den Putschisten genügte als Legitimation die Mitteilung, sie würden täglich mit Gott sprechen. Wenn Gesetz Gesetz wäre und Recht und Recht wäre hier schon viel gewonnen. Bislang gibt es da nur schlechte Nachrichten. Der neue mexikanische Generalbundesanwalt war zuvor zuständiger Staatsanwalt für Ciudad Juarez. Er war wesentlich daran beteiligt, dass keiner der unzähligen brutalen Frauenmorde in der Stadt aufgeklärt wurde, die die Schutzlosigkeit der Arbeitsmigrantinnen auf so unerträgliche Weise symbolisieren.
Veröffentlicht von Katja Maurer, Mexiko-Stadt am 01.10.2009 | 1 Kommentar
