
Es wurde voll im holzvertäfelten, kleinen Saal des Tübinger Schlatterhauses. Die neue medico-Gruppe Tübingen hatte zu ihrer ersten, öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Rund 40 Interessierte kamen. Von der medico-Geschäftsstelle waren Thomas Gebauer, Geschäftsführer und Referent für diesen Abend und ich – Ansprechpartnerin für Anliegen von medico-SpenderInnen und Unterstützergruppen – eingeladen. Johannes und Katja aus Tübingen hatten die Moderation des Abends vorbereitet.
Nach einem kurzen Eingangsvortrag von Thomas über die Geschichte und das Spezifische in der Arbeit von medico entwickelte sich die Diskussion schnell zu einem intensiven Austausch über sehr konkrete Fragen. Wie gelingt es, konkrete Hilfe mit politischem Handeln zu verbinden und auf welche Widersprüche trefft Ihr dabei? Findet in den Projektpartnerschaften wirklich eine Begegnung auf Augenhöhe statt, wenn doch die einen Geldgeber, die anderen Geldempfänger sind? Es ging aber auch um Fragen nach der Struktur von medico: „Wie viele Leute arbeiten bei Euch?“, „Was tut Ihr innerhalb von medico für die eigene Nachwuchsförderung?“ und ganz praktisch „Was erwartet Ihr von Ortsgruppen?“.
Im Anschluss an die Diskussion wurden wir Frankfurter in die Tübinger Wurstküche eingeladen, eine der wenigen Kneipen, wo es auch spät abends noch warm zu essen gibt. Zum Beispiel solche Köstlichkeiten wie „Herrgottsscheißerla“, was geschmälzte schwäbische Maultaschen sind. Am Nebentisch erholten sich gerade der Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann und andere Tübinger Grüne von ihrem Wahlkampftag. Man kannte sich und Hermann kommentierte die neue medico-Gruppe mit einem „Na endlich!“.
Die rund 15 Mitglieder der neuen medico-Gruppe sind eine bunte Mischung. Einige sind beruflich im Gesundheitsbereich engagiert, aber auch Lehrer, Handwerker und Künstler sind dabei, viele haben schon Erfahrung in politischer Arbeit. Lust haben sie auf die Auseinandersetzung mit Themenfeldern, zu denen medico arbeitet. Wobei für die öffentlichen Diskussionen durchaus auch ein lokaler Bezug gewünscht wird: Zum Beispiel die Ökonomisierung der Gesundheitsarbeit. Wie sieht es in Deutschland im Vergleich zu Ländern des globalen Südens aus, wo die Privatisierung des öffentlichen Gesundheitssystems schon viel weiter fortgeschritten ist? Was können wir lernen von Projekten solidarischer Umverteilung, die in Ländern wie Bangladesch bereits existieren? Aber die Tübinger sind auch an der Unterstützung und Vermittlung von konkreten Projekten interessiert, z.B. die Arbeit der Landlosenbewegung in Brasilien oder die der Flüchtlingsselbsthilfe-Organisation AME in Mali. Oder sie wollen Info-Tische auf Straßenfesten machen.
Wer an einer Mitarbeit interessiert ist, kann Kontakt aufnehmen mit Raimund Zink, raimundzink[at]web.de. Das nächste Treffen findet statt am Mittwoch, den 7. Oktober um 20 Uhr in einem Raum des Le Quartier, Wankheimer Täle 7.
Für uns in Frankfurt bedeutet die neue medico-Gruppe in Tübingen vor allem große Motivation und natürlich Unterstützung für unsere Arbeit und die unserer Partner im Süden.
Wer ebenfalls Lust hat, eine medico-Gruppe in seiner Region zu gründen und vielleicht auch andere kennt, die daran interessiert sein könnten, kann sich gern mit mir in Verbindung setzen: Gudrun Kortas, Tel. 069/944 38-28 oder kortas[at]medico.de
Veröffentlicht von Gudrun Kortas am 28.09.2009 | 0 Kommentare
