medico international

07.02.2010

Hilfe aus El Salvador

Süd-Süd-Austausch für Haiti

Kriegsversehrte besetzten am 14. Januar 2010, zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti, die Kathedrale in San Salvador, der Hauptstadt von El Salvador, um ausstehende Pensionszahlungen einzufordern. Aber was hat das mit Haiti zu tun?

Mit meinen Kollegen von der Prothesenwerkstatt PODES ("Du kannst") und der Vereinigung der Kriegsversehrten ALGES sind wir uns schnell einig: sehr viel! Die Organisationen ALGES und PODES, seit Jahren Projektpartner von Medico, haben große Erfahrung, was Nachhaltigkeit im schwierigem ökonomischen, politischen und sozialen Kontext bedeutet. Erfahrungen, die für Haiti und die Perspektiven jener Menschen dort, die das Beben überlebt haben, deren Behinderung sie jedoch ihr gesamtes Leben lang begleiten wird, enorm wichtig sein werden.

"Hätten wir nicht eine starke Organisation, die unsere Interessen vertritt und sich um unsere Belange kümmert, so wären wir längst in Vergessenheit geraten! Die Hilfsprojekte in der Nachkriegsphase dauerten nicht lange an und trotz der Vereinbarungen im Friedensabkommen mussten wir immer wieder auf die Straße gehen, um unsere Rechte einzuklagen."

Im Rahmen eines Süd-Süd-Austausches wollen wir diese Erfahrungen für Haiti einbringen und nutzbar machen. Ich bin nach El Salvador gereist, um mit den Kollegen die konkreten Kooperationsmöglichkeiten für Haiti zu besprechen.

Technische Hilfsmittel, wie Rollstühle, Prothesen und andere Gehhilfen sind nur ein Teil der Grundlagen, die benötigt werden, um den Betroffenen neue Lebenswelten zu eröffnen. Es bedarf auch der psychosozialen Begleitung, einkommenschaffender Maßnahmen, adäquaten Wohnraums sowie der Sensibilisierung der Gesellschaft und der Einflussnahme auf Regierung und Politik, damit die Menschen mit Behinderungen nicht zu Objekten von sporadischen Wohlfahrtsveranstaltungen degradiert werden.

Leonides Argueta, Geschäftsführer von PODES, und wie die Meisten dort selber Kriegsversehrter, zögert nicht lange. Selbstverständlich könnt ihr mit unserer Unterstützung rechnen. Wir können umgehend unsere Kapazitäten zur Verfügung stellen, um Prothesen und Orthesen für Haiti herzustellen, bis dort entsprechende Einrichtungen funktionieren, bei deren Aufbau wir gerne helfen. Genauso wichtig ist aber auch die Erfahrung von PODES im Management eines selbstverwalteten Betriebes, der auch weiter existieren kann, wenn keine Hilfsgelder internationaler Organisationen mehr zur Verfügung stehen.

Wir müssen in Größenordnungen von mindestens 10 Jahren und mehreren Millionen Euro denken, bestätigt auch Dave Evans. Als US-Marine war er in Vietnam im Einsatz und hat dort beide Beine verloren. Später wurde er Orthopädiemeister und bildete unter anderem die Kriegsversehrten bei PODES in der Herstellung von hochwertigen Prothesen aus.

Auch die Kollegen von ALGES bestätigen ihre Bereitschaft, eine Schwesterorganisation aus Haiti mit ihren Erfahrungen zu unterstützen. Die Selbstorganisation der Betroffenen wird von entscheidender Bedeutung sein. El Salvadors Präsident Funes hat nunmehr verordnet, dass den Kriegsversehrten alle ausstehenden Pensionsleistungen auszuzahlen sind. Nur die Hartnäckigkeit und das engagierte Handeln der Betroffenen war Garant dafür, dass 18 Jahre nach Ende des Bürgerkrieges in El Salvador ihre Rechte nicht in Vergessenheit geraten.

Veröffentlicht von Dieter Müller am 07.02.2010 | 0 Kommentare

 

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Dieter Müller berichtet aus Mittelamerika

 

 

Seit Januar 2008 leitet Dieter Müller das medico-Regionalbüro Mittelamerika. Von Managua aus koordiniert er die Projekte in Nicaragua, El Salvador, Guatemala und Mexiko. In seinem Blog vermittelt er Eindrücke vom Alltag und den Fortschritten in den lokalen Projekten - aber auch von Hindernissen und Rückschlägen. Er berichtet auch über die vielschichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen in den Ländern Mittelamerikas. Der Blog informiert jedoch nicht nur über die Ereignisse vor Ort, sondern auch über den politischen Kontext in dem sie stattfinden.

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